Zwischen Deich und Watt: Ein Steg durch geschützte Salzwiesen hilft bei der Offshore-Kabelverlegung vor Norderney. Was die Arbeit so besonders macht.
Um für die Offshore-Windanlagen vor Norderney die Hochspannungskabel zu verlegen, müssen die Arbeiter die Salzwiesen überqueren. Diese dürfen aber in der Regel nicht betreten werden, da sie unter Naturschutz stehen. Also musste eine Lösung her: Ein Steg vom Deich bis zum Wattenmeer. Seit zehn Jahren errichtet Dachdeckermeister Andreas Köhn mit seinem Team alle zwei Jahre einen Steg für die Offshore-Mitarbeiter.
Gebaut wird der Steg auf den Lahnungen. Das sind Uferschutzanlagen aus doppelten Reihen von Holzpflöcken, die mit dazwischen gebündeltem Strauchschnitt (Faschinen) gefüllt sind und im Uferbereich von Flüssen oder Meeren die Strömung bremsen sowie Sedimente ablagern lassen.

Dabei muss das Team gewisse Anforderungen erfüllen. „Wir dürfen das nur bauen, wenn wir den Steg zum Beispiel im Falle einer Sturmflut innerhalb von zwölf Stunden abbauen können und die Materialien wegbringen“, berichtet der Dachdeckermeister, der auf Norderney den Betrieb Köhn-Dächer führt. Gebaut wird der Steg aus fünf Meter langen Holzbohlen aus unbehandelter Fichte oder Tanne. „Zum Bauen brauchen wir nur Schrauben, eine Säge und einen Akkuschrauber“, erklärt Köhn.
“Wir arbeiten quasi mit einer Sonder-Sonder-Genehmigung.”
Bevor Köhn mit seinem Team starten kann, wird vom BUND genau geprüft, dass keine der geschützten Bodenbrüter mehr in den Wiesen nisten. „Wenn wir dann bauen, haben wir immer Beobachter“, erzählt der Meister. Besonders Leute vom Amt für Küstenschutz, vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, vom BUND oder die Auftraggeber schauten ganz genau hin, dass alles nach Vorschrift laufe und die Natur nicht beschädigt werde.

Doch gerade das Arbeiten in der unberührten Natur macht diese Aufgabe so besonders. „Es entschleunigt ungemein, inmitten der Natur zu arbeiten“, betont Köhn. Auch seinem Team macht diese besondere Aufgabe Spaß, da sie mal „was ganz anderes“ ist.

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