Ein Meisterbrief – zwei unterschiedliche Karrierewege: Wie vielfältig die Chancen im Handwerk mit dieser Qualifikation sind, erläutern Janna Bohlmann und Nils-Sören Fleßner
Mit Stolz und einem Strahlen im Gesicht haben Malermeisterin Janna Bohlmann und Kfz-Mechatronikermeister Nils-Sören Fleßner ihre Meisterbriefe erhalten. Damit gehören die beiden Handwerker zu den mehr als 20.000 Meisterinnen und Meistern in Deutschland, die jedes Jahr, verteilt auf die 53 Handwerkskammern, ihre Meisterausbildung absolvieren. Die meisten Handwerkskammern laden die jungen Absolventen zu einer Feierstunde, der Meisterfeier, ein. Dazu kommen Gäste aus den Betrieben und den Familien der Meisterinnen und Meister sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Handwerk, Politik und Wirtschaft.
Doch was überzeug junge Handwerkerinnen und Handwerker, eine Meisterausbildung zu absolvieren? Und welche Chancen bietet ihnen der Meistertitel? Bei der feierlichen Übergabe der Urkunden bei der Meisterfeier der Handwerkskammer für Ostfriesland berichten die beiden Absolventen.
Für Fleßner steht der Meisterbrief für Zukunft, Fortschritt und Beständigkeit im Handwerk. Er sieht ihn als Türöffner, um ausbilden zu können und mehr junge Menschen in Richtung Meisterschule zu begleiten. „Ich möchte die Jugend im Handwerk fördern und fordern“, sagt der Kfz-Meister, der im Autohaus Rolf in Wiesmoor arbeitet.
Seit Anfang August sei er nun bereits als Ausbilder beschäftigt – eine Position, die er ohne den Meisterbrief nicht hätte besetzen können. „Diese Aufgabe und die Verantwortung bedeuten mir sehr viel“, betont Fleßner.
Malermeisterin Bohlmann sieht ihre Zukunft mit dem Meistertitel nicht im bisherigen Betriebsumfeld. Das sei das Tolle am Meisterbrief – er halte viele Karriereoptionen bereit. Fachkräfte in ihrem Gewerk ausbilden möchte sie auf jeden Fall auch: „Ich würde gerne die Chance nutzen und an der Berufsschule unterrichten oder auch als Dozentin arbeiten“, sagt die 29-Jährige aus Westoverledingen.
Die drei Jahre nebenberufliche Meisterausbildung haben den frischen Absolventen einiges abverlangt: „Für mich war die größte Herausforderung der enorme Zeitaufwand: nach Feierabend, am Wochenende und in der Freizeit“, sagt Fleßner.
Sich nach der Arbeit und am Abend noch zu konzentrieren, um den Stoff zu lernen, sei nicht immer leicht gewesen. „Aber es hat sich gelohnt, weil ich jetzt den Meisterbrief in Händen halten kann“, sagt Kfz-Meister Fleßner. Er könne jedem Handwerker empfehlen, ebenfalls eine Meisterausbildung zu machen - trotz der Anstrengung habe er auch viel Spaß dabei gehabt.
Bohlmann bleibt vor allem die Vorbereitung auf den praktischen Teil der Meisterprüfung in Erinnerung. Die Anforderung sei gewesen, die Materialien für verschiedene Designs selbst auszuwählen und anzuschaffen. „Bei den vielfältigen Kreativtechniken in unserem Gewerk ist die Auswahl und Zusammenstellung des Materials eine echte Herausforderung“, betont sie.
Die Meisterausbildung selbst sei „anstrengend, aber auch schön“, gewesen. Jetzt sei sie froh, dass sie es als eine von zwei Frauen an diesem Abend und in diesem Jahrgang geschafft habe, sagt sie nach der Meisterfeier im ostfriesischen Emden.

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