Billig schlägt Qualität. Noch. Warum das Gebäudereiniger-Handwerk eine neue Vergabekultur bei öffentlichen Ausschreibungen fordert und wer davon profitieren würde.
Die handwerkliche Qualität sollte bei öffentlichen Aufträgen eine größere Rolle spielen. Dafür setzt sich der Bundesinnungsverband der Gebäudereiniger ein – mit Kongressen und Leitfäden für Auftraggeber. Warum das wichtig ist und wie es gelingen kann, erklärt Wolfgang Molitor, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.
Öffentliche Auftraggeber machen es sich oft zu einfach: Den Zuschlag für die Gebäudereinigung erhält, wer am billigsten anbietet. Eine Umfrage des Bundesinnungsverbandes zeigt, dass 56 Prozent der befragten Mitgliedsbetriebe an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen. 40 Prozent berichten, dass der Zuschlag ausschließlich vom Preis abhängt. Weitere 40 Prozent sagen, der Preis entscheide zu 75 Prozent über den Auftrag.
„Wir sind ein Handwerk, das Wert auf Qualität legt“, sagt Molitor. „Früher hieß unser Claim: reinigen, pflegen, schützen. Das trifft es bis heute.“ Umso problematischer sei der Fokus auf den Preis. Das gelte besonders bei mehrjährigen Verträgen ohne Preisanpassungsklauseln, aber mit Sonderwünschen und Rabatten. Steigende Kosten könnten Betriebe in Schwierigkeiten bringen, im schlimmsten Fall drohe die Insolvenz.
Das sei nicht im Interesse der Auftraggeber, betont Molitor: Hochwertige Reinigung und Pflege bedeuten nicht nur Hygiene und Sauberkeit, sie würden auch zum Werterhalt von Immobilien beitragen.
Die Alternative: ein Qualitätswettbewerb. Das wäre auch ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber Betrieben und Beschäftigten – und ein Vorteil bei der Personalgewinnung. „Wer soll denn die Gebäude reinigen, wenn niemand mehr bereit ist, diese Arbeit zu übernehmen?“, fragt Molitor.
Der Verband fordert deshalb eine qualitätsorientierte Vergabe. „Der Preis darf nicht allein entscheiden. Es muss ein Wettbewerb um das beste Konzept stattfinden“, so Molitor. Am Ende solle das wirtschaftlichste Angebot gewinnen – nicht das billigste.

Wie stark sollte die Qualität in Vergabeverfahren gewichtet werden? Molitor fordert, sie mindestens gleichrangig mit dem Preis zu bewerten. Dafür müsse Qualität klar definiert und messbar gemacht werden. Das beginne bei der Leistungsbeschreibung: Welche Aufgaben sind in welcher Qualität und Häufigkeit zu erfüllen? Entscheidend sei das Qualitätskonzept der Bieter: „Darin legen die Betriebe dar, wie sie Qualitätsstandards, Personalmanagement und Nachhaltigkeit umsetzen“, erklärt Molitor.
Ein Vorbild sieht er in der Hansestadt Hamburg. Sie setze seit Jahrzehnten auf eine qualitätsorientierte Vergabe öffentlicher Aufträge. „Dort legt man großen Wert auf Qualität und Konzepte – und ist bereit, dafür zu zahlen.“ Die Erfahrungen seien positiv: Auftraggeber und Betriebe seien zufrieden. „Das Hamburger Modell zeigt, dass Qualität der bessere Weg ist.“
Hamburg sei jedoch eine Ausnahme, sagt Molitor. Viele Vergabestellen scheuen den Aufwand einer qualitativen Vergabe. Dafür nennt er drei Gründe:
Um Qualität stärker zu verankern, tourt der Verband durch Deutschland. Er hat neue Vergabeunterlagen entwickelt, die Auftraggeber bei der Erstellung qualitätsorientierter Ausschreibungen unterstützen. Auf Kongressen bringt er Vergabestellen, Betriebe und Fachanwälte zusammen, um rechtssichere Lösungen zu zeigen. „Wir wollen die Vergabestellen überzeugen, dass sich der Mehraufwand lohnt. Am Ende profitieren alle davon.“

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