Die IG Bau hat für die Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk eine Lohnerhöhung von zwei Euro pro Stunde gefordert. Die Arbeitgeberseite wies nun die Forderung erneut zurück. Wie geht es weiter?
Die erste Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk ist ergebnislos zu Ende gegangen. Für die etwa 700.000 Beschäftigten wurde kein neuer Tarifvertrag ausgehandelt. Das teilten der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks, der die Arbeitgeberseite vertritt, und die IG Bau für die Arbeitnehmerseite, mit.
Die nächste Tarifrunde soll nun am 22. Oktober 2026 in Köln stattfinden. Der derzeitige Tarifvertrag läuft zum 31. Dezember 2026 aus.
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) forderte eine Entgelt-Erhöhung um zwei Euro pro Stunde für alle Beschäftigten bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Das würde einer Steigerung von mehr als 13 Prozent für die beschäftigungsstärkste Lohngruppe (LG 1) des Gebäudereiniger-Handwerks bedeuten.
Laut IG Bau würde damit der Branchenmindestlohn in der Lohngruppe 1 von derzeit 15 auf 17 Euro steigen. Glas- und Fassadenreiniger in der Lohngruppe 6 würden künftig 20,40 Euro statt 18,40 Euro pro Stunde erhalten.
„Unsererseits herrscht Unverständnis über die starre Haltung der IG BAU und darüber, wie konsequent sie die wirtschaftliche Realität ausblendet“, sagte der Vorsitzende der BIV-Tarifkommission, Christian Kloevekorn, nach den Verhandlungen.
Die deutsche Wirtschaft stecke in einer schwierigen Lage. Das industrienahe Dienstleistungshandwerk befinde sich im konjunkturellen Stimmungstief. Die Betriebe kämpften mit steigenden Kosten, einer schwachen Kundennachfrage und massiver wirtschaftlicher Unsicherheit.
Dazu plant die Politik weitere Belastungen: Allein bei den Minijobs könnten nach Aussagen von Kloevekorn die geplanten Reformen der Bundesregierung die Lohnnebenkosten für die Betriebe um mehr als 30 Prozent nach oben treiben. Minijobs machten in der Gebäudereinigung knapp die Hälfte der Beschäftigung aus.
Der Verband erwarte von der IG BAU in der nächsten Verhandlungsrunde eine realistische Gesprächsgrundlage.
“Die deutsche Wirtschaft steckt in einer schwierigen Lage. Unser industrienahes Dienstleistungshandwerk befindet sich im konjunkturellen Stimmungstief.”
„Reinigungsarbeit wird zu billig verkauft. Die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen ist mehr wert“, sagt Ulrike Laux, im Vorstand der IG BAU zuständig für die Gebäudereinigung. Für die Gewerkschaft stehe nicht allein die Höhe des Tarifabschlusses zur Debatte, sondern grundsätzlich „die Wertschätzung der Arbeit in der Branche“. Viele Reinigungskräfte kämen trotz ihrer Arbeit mit ihrem Einkommen kaum über die Runden und seien auf ergänzende staatliche Leistungen angewiesen.
Laux betonte: „Tariflöhne müssen sich spürbar vom gesetzlichen Minimum abheben. Wer den Abstand zum Mindestlohn für unwichtig erklärt, stellt die tarifliche Aufwertung der Arbeit infrage.“ Der Mindestlohn sei die unterste Haltelinie und nicht der Maßstab dafür, was gute Arbeit wert sei.
Die wirtschaftliche Entwicklung rechtfertige aus Sicht der IG BAU keine pauschale Absage an höhere Löhne. Aktuelle Marktdaten zeigten ein Wachstum bei großen Facility-Service-Unternehmen. Die 25 führenden Unternehmen in Deutschland steigerten demnach ihren Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr im Durchschnitt um 6,3 Prozent.
“Reinigungsarbeit wird zu billig verkauft.”

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