Der Betrieb Kramp & Kramp aus Lemgo hat sich auf die Restaurierung historischer Fenster spezialisiert. Dabei setzt er auf digitale Prozesse. Wie passt das zusammen?
Viele Handwerksbetriebe stehen vor einer doppelten Aufgabe: Tradition bewahren und gleichzeitig moderner arbeiten. Dieser Aufgabe hat sich auch die Firma Kramp & Kramp aus Lemgo (Nordrhein-Westfalen) gestellt. Gegründet wurde der Familienbetrieb 1964 von Georg Kramp als Baubetrieb. Aus der Liebe zum Antiquitätenhandel und zur Restaurierung entwickelte sich ein spezialisiertes Unternehmen für die Restaurierung historischer Bauelemente. Heute arbeiten rund 116 Mitarbeitende im Betrieb, darunter 14 Auszubildende in den Gewerken Tischler, Maler und Zimmerer.
Tischlermeister Guido Kramp übernahm 1990 die Geschäftsleitung des Familienbetriebs. 2020 wurde die Geschäftsführung durch die dritte Generation, Stefanie Kramp, erweitert. Neu in diesem Jahr dazugekommen ist Maik Ebert. Mittlerweile steht eine vierköpfige Geschäftsführung an der Spitze, der auch Silke Kramp angehört.
Nach einem Brand 2009 hat der Betrieb eine neue Halle gebaut und konnte so personell stärker wachsen. „Wie ein Phönix aus der Asche“, sagt Ebert.
“Es gibt kaum etwas Nachhaltigeres als Restaurierung.”
Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf Fenstern und Türen. „Etwa 80 bis 90 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Restaurierung und Funktionswertverbesserung von Bauelementen“, erklärt der technische Geschäftsführer Ebert. Viele Aufträge kommen von öffentlichen Auftraggebern wie Kommunen, Hochschulen oder Landesbehörden. Dadurch arbeiten sie in einem Radius von etwa 350 Kilometern rund um Lemgo.
Bei der Restaurierung hat sich der Betrieb das Ziel gesetzt, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten. „Es gibt kaum etwas Nachhaltigeres als Restaurierung“, sagt Ebert. Beschädigte Teile werden ersetzt, intakte Bauteile bleiben erhalten. Auch historische Materialien werden weiterverwendet. Alte Glasscheiben werden gereinigt und wieder eingesetzt, wenn sie noch stabil sind. Rund zehn bis zwölf Wochen dauert beispielsweise eine Restaurierung eines Fensters. Doch die alten Baustoffe bergen eine Herausforderung. „Ein großes Thema sind Schadstoffe in den Bauelementen. Wir haben es ganz häufig mit bleihaltigen Anstrichen oder asbesthaltigen Kitten zu tun“, erklärt der Meister, der schon 23 Jahre in dem Unternehmen arbeitet. Mitarbeitende müssen deshalb geschult sein und mit geeigneter Schutzausrüstung arbeiten.

Besonders die Größe und die gewerkeübergreifenden Restaurierungsarbeiten sind für Kunden von Vorteil. „Bei Kunden mit einem kleinen Fachwerkhäuschen können wir das Fachwerk restaurieren. Wir können die Maurerarbeiten machen, die Putzarbeiten, die Malerarbeiten, neue Fenster, neue Türen oder Bestandselemente restaurieren und wieder aufwerten“, beschreibt Ebert. Die operative Umsetzung liegt bei mehreren Projektleitern, die jeweils eigene Projekte und Teams steuern. Aktuell werden rund 150 Aufträge auf sechs Projektleiter verteilt. Je nach Umfang eines Projekts greifen diese auf einen flexiblen Personalpool zurück.
Wichtig bei einem großen Team ist, für genügend Nachwuchs zu sorgen. Der Betrieb bildet seit Jahrzehnten aus und setzt auf unterschiedliche Wege der Nachwuchsgewinnung. Neben Schulabgängern beginnen auch Abiturienten oder Studienabbrecher eine Ausbildung. Ziel ist es, Fachkräfte langfristig im eigenen Betrieb aufzubauen. Um Mitarbeitende und Auszubildende zu gewinnen, setzt Kramp & Kramp hauptsächlich auf Stellenausschreibungen in den sozialen Medien. Aber auch Mundpropaganda und die Arbeit an Schulen sind für den Betrieb wichtig.

Nicht nur bei der Mitarbeiterakquise, auch in anderen Bereichen setzt der Traditionsbetrieb auf neue Technik. „Wir machen die Personalplanung über unsere Software, die wir im Unternehmen nutzen, und haben dafür ein digitales Info-Board“, berichtet der technische Geschäftsführer. Dieses Board ist sowohl im Aufenthaltsraum als auch über das Smartphone einsehbar. Des Weiteren arbeitet der Betrieb mit einer digitalen Bauakte „MemoMeister“. „Das ist eine cloudbasierte Handwerkersoftware, in der wir verschiedene Inhalte, zum Beispiel alle relevanten Auftragsdaten, hochladen können“, erklärt Ebert. Auf diese „Akte“ kann jeder Mitarbeiter zugreifen und so den Prozess des Projektes einsehen.
„Man kann sagen, dass wir die historischen Handwerkstechniken und die historischen Baustoffe sowie Bauelemente mit moderner Technik und modernen Materialien kombinieren“, beschreibt der 45-Jährige die Herangehensweise des Familienbetriebes. Die Firma hat eigens ein Vorsatzscheibensystem mit Vakuumisolierglas entwickelt. Es soll laut Ebert mit einer modernen Dreifachverglasung vergleichbar und für historische Fenster geeignet sein.
Auch in Zukunft möchte sich der Betrieb digitaler aufstellen. „Digitalisierung ist bei uns ein relativ großes Thema. Wir wollen da immer weiter, weg von den Papierakten. Einfach alles irgendwie ein bisschen smarter gestalten“, fasst Ebert zusammen.

Unser Newsletter zeigt Ihnen, was im Tischler- und Schreinerhandwerk funktioniert – praxisnah und kompakt.