Die Kritik an Gütesiegeln auf heimischen Hölzern ist nicht neu. Dennoch ergeben Zertifizierungen für Holzwerkstoffe Sinn. So profitieren Tischlereien davon.
Die Holzpreise sind aktuell auf einem hohen Niveau. Laut Angaben der Waldbesitzervereinigung Fränkische Schweiz zeigt sich aktuell eine angespannte Versorgungslage bei Fichten- und Kiefernrundholz. Die verfügbaren Margen würden nicht ausreichen, um die Nachfrage der holzverarbeitenden Betriebe vollständig zu decken. Die Nettopreise für Fichte liegen derzeit zwischen 128 und 131 Euro je Festmeter. Darüber hinaus bewegen sich die Preise im Kiefernsortiment zwischen 96 und 100 Euro je Festmeter.
Vor dem Hintergrund des Rekordhochs des Holzpreises stellt sich unter anderem die Frage, welche Bedeutung Gütesiegel auf Holzwerkstoffen haben. Nicht zuletzt wurde die Kritik an den Zertifizierungen immer lauter. „Das Problem ist, dass die Materialien aus sogenannten kontrollierten Quellen nicht wirklich kontrolliert sind und das war für uns immer das Kernproblem“, sagt Sandra Hieke, Senior Forest Campaigner bei Greenpeace. Die Umweltorganisation gehörte zu den Gründungsmitgliedern des FSC (Forest Stewardship Council). Im Jahr 2018 trat Greenpeace aus dem FSC aus. Zertifizierungen würden die europäischen Wälder nicht ausreichend vor dem Einschlag schützen. „Das war auch ein Grund dafür, weshalb sich Greenpeace vom FSC gelöst hat“, so Hieke.

Dennoch haben Gütesiegel wie FSC oder PEFC für Holzwerkstoffe eine hohe Bedeutung, da sie zentral für nachhaltige Forstwirtschaft stehen. „In der Regel beziehen die meisten Tischlereien Holzprodukte aus den europäischen Wäldern und die sind fast überreguliert“, sagt Florian Zeller, Diplom-Holzwirt und Abteilungsleiter Technik beim Gesamtverband Deutscher Holzhandel. Für ihn macht eine Zertifizierung in jedem Fall Sinn. „Man sollte allerdings die Kosten hinterfragen, da der Preis der Zertifizierung an die Kunden weitergegeben werden muss“, so Zeller.
Dr. Katharina Gamillscheg, Hauptgeschäftsführerin von Tischler Schreiner Deutschland, ist jedoch der Ansicht, dass die Zertifizierungen nicht die Preistreiber sind. „Der Kunde wird bereit sein, den höheren Preis zu zahlen, wenn nur zertifizierte Ware eingesetzt werden darf, weil es öffentliche Auftraggeber fordern“, sagt Gamillscheg. Die höheren Preise für zertifizierte Ware würden auch von Privatkunden in Kauf genommen, wenn zum Beispiel ein DGNB-Siegel (Siegel der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen) angestrebt wird.
Wenn Tischler zum Beispiel einen öffentlichen Auftrag bedienen, führt an der Zertifizierung kein Weg daran vorbei, „entweder durch eine eigene Zertifizierung oder durch den Einzelnachweis ihres zertifizierten Vorlieferanten“, sagt Dr. Gamillscheg.
Holzwerkstoffe gelten nur dann als zertifiziert, wenn durch die gesamte Lieferkette nachgewiesen werden kann, dass alle Glieder zertifiziert waren. Für FSC muss die gesamte Kette FSC-zertifiziert sein. Für PEFC gelte das Gleiche. Es ist von „geschlossenen Lieferketten“ die Rede. „Der Tischler kann sich in vielen Fällen auch des Einzelnachweises durch seinen Vorlieferanten bedienen und muss nicht selbst zertifiziert sein. Das ist eine Frage des Einzelfalls“, erläutert Dr. Gamillscheg.

Holzwerkstoffe sind meistens mit dem FSC- oder PEFC-Gütesiegel gekennzeichnet. Darüber hinaus gibt es den „Blauen Engel“ sowie das noch junge Siegel „Holz von hier“. Mit Blick auf die strengen Umweltanforderungen an Holzwerkstoffen sind die Siegel durchaus sinnvoll. Laut Angaben des Umweltbundesamtes dürfen Formaldehydemissionen von Holzwerkstoffen ab August 2026 nur noch unter 0,05 ppm (parts per million) liegen. „Tischlereien minimieren ihre Reklamations- und Haftungsrisiken, wenn sie emissionsarme Ware einkaufen und beim Kunden verbauen“, so Zeller. Andererseits stehen die verschiedenen Gütesiegel für nachhaltige Forstwirtschaft. „N wird vor allem in Ländern, die nicht so strenge Waldgesetze wie Deutschland haben, mit den Siegeln konkret und nicht nur behauptet“, betont Dr. Gamillscheg.
Ein weiterer Punkt, der für die Gütesiegel spricht, ist der Wettbewerbsvorteil im hochwertigen Möbel- und Innenausbau. Betriebe, die zertifizierte Werkstoffe bewusst einsetzen, können das gegenüber ihren Auftraggebern kommunizieren. Wenn sie zudem selbst zertifiziert sind, ist dies ein weiterer Pluspunkt für die Betriebe.
“Tischlereien minimieren ihre Reklamations- und Haftungsrisiken, wenn sie emissionsarme Ware einkaufen und beim Kunden verbauen.”
Kleinere Tischlereien, die Privatkunden bedienen, würden auch auf die Gütesiegel achten, „allerdings aus einer pragmatischen und lieferantengetriebenen Sicht“, so Zeller. Wenn zertifizierte Ware vom Holzhandel angeboten wird, werde sie auch genutzt. Eine aktive Nachfrage nach bestimmten Siegeln erfolgt jedoch nicht oft. Häufig stehen Verfügbarkeit, Preis, Qualität, Bearbeitbarkeit und Lieferzeit mindestens ebenso stark im Fokus wie Umweltzertifikate. Vor allem kleinere Betriebe kommunizieren Nachhaltigkeit oft über den regionalen Charakter. „Die meisten Tischlereien haben einen starken regionalen Bezug. Und der Faktor regional schlägt nach den Erfahrungen in der Regel die Zertifizierung“, sagt Dr. Gamillscheg.

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