Akkus sind das wichtigste Bauteil bei Elektrowerkzeugen. Doch wie sieht es mit der Sicherheit bei der Anwendung und Lagerung aus und was bringt die Zukunft?
Ob für Reparaturen oder für Montagen: Viele Tischlereien nutzen inzwischen akkubetriebene Elektrowerkzeuge. Die kabellosen Werkzeuge haben sich in der Praxis bewährt und sind aus dem Arbeitsalltag der meisten Betriebe nicht mehr wegzudenken. Die Akku-Werkzeuge stammen sowohl von namenhaften Herstellern als auch von weniger bekannten Anbietern. Darüber hinaus unterliegt der Markt der E-Werkzeuge einer gewissen Dynamik.
Die aktuelle „Branchenanalyse Elektrowerkzeuge – Strukturen, Transformationen, Szenarien 2040“ des IMU Instituts in Stuttgart stellt drei Megatrends bei Elektrowerkzeugen heraus. Neben der Akku-Transformation zählen die Digitalisierungs- und KI-Transformation sowie der Systemschluss dazu. Dr. Jürgen Dispan ist Wissenschaftler und Projektleiter beim IMU Institut und Verfasser der Analyse. „Die Transformation zur Akku-Technologie ist weitgehend vollzogen. Systemlösungen werden jedoch in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle spielen, vor allem im Profibereich“, sagt der Wissenschaftler.
Mit dem sogenannten Systemschluss spielt Dispan auf ein erweitertes Angebot an, das in Kombination mit den Elektrowerkzeugen verkauft wird. Dabei geht es um Zubehör, Transportsysteme, Verbrauchsmaterialien und weitere Lösungsangebote. Dabei sei die Akku-Technologie ebenfalls ein Ausgangspunkt. „Es geht darum, mehr als das reine Elektrowerkzeug anzubieten und beim Kunden mit einem Gesamtpaket zu trumpfen“, so Dispan.
Als Beispiel führt er die Exoskelette an, die für das Handwerk und speziell für Tischlereien in Zukunft eine immer stärkere Rolle spielen werden. Passive Exoskelette fördern die ergonomische Haltung der Werkzeuge und entlasten einzelne Körperpartien. Aktive Exoskelette dagegen sollen dem Träger der Werkzeuge durch motorisierte Bewegungen zusätzliche Kraft verleihen. „Das Akku-System ist hier integriert. Im Rahmen ihrer Akku-Plattform ergänzen zahlreiche Hersteller von Profi-Elektrowerkzeugen ihr Produkt-Portfolio und fokussieren sich dabei auch auf ergonomische Lösungen und den Gesundheitsschutz von Beschäftigten“, erläutert Dispan.
Neben dem Gesundheitsschutz für Anwender von Akku-Werkzeugen steht der Aspekt der Sicherheit auf der gleichen Stufe. Wie die Sachverständigenorganisation Dekra mitteilt, müssen Akku-Werkzeuge, mit Blick auf die elektrische und mechanische Sicherheit, den Sicherheitsanforderungen der Maschinenrichtlinie (Richtlinie 2006/42/EG) genügen. Die Richtlinie wird ab Januar 2027 von der EU-Maschinenverordnung 2023/1230 abgelöst.
Neben Einblatt- und Mehrkreissägen prüft und zertifiziert die Dekra gemäß Anhang IV der aktuellen Maschinenrichtlinie Sägemaschinen, Bandsägen, Hobel- und Abrichthobelmaschinen sowie Handkettensägen.
Außerdem hat die Sachverständigenorganisation einige Sicherheitshinweise zum Umgang mit Akku-Werkzeugen zusammengestellt. Demnach sollen die Werkzeuge nicht zweckentfremdet und nicht manipuliert werden. Darüber hinaus rät die Dekra zur Verwendung von PSA (Persönliche Schutzausrüstung) bei der Verwendung der Akku-Werkzeuge. Handschuhe, Schutzbrillen und Gehörschutz sollten laut Angaben der Sachverständigenorganisation getragen werden. Zudem empfiehlt die Dekra die brandsichere Lagerung der Akkus.
Für Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) sowie für Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LiFePO4) bieten sich speziell konzipierte Akku-Schutzschränke zur Lagerung an. Solche Schränke sind dafür ausgelegt, einen möglichen Brand über einen definierten Zeitraum, oft 90 Minuten, einzugrenzen und die Ausbreitung auf die Werkstatt zu verhindern. Die Dekra empfiehlt außerdem, dass die Schränke nicht direkt im Lager, sondern in einem Bereich stehen sollten, in dem sich ein möglicher Akkubrand nicht auf brennbare Materialien ausweitet.
Die Dekra rät darüber hinaus zu einem Aufstellort in einem trockenen Werkstattbereich mit geringer Brandlast. Der Schrank sollte außerdem nicht neben Lacken und nicht in Fluchtwegen stehen. Die Kosten für klassische F90-Schränke belaufen sich, je nach Anbieter, auf zwischen 4.000 und 8.000 Euro. F90 steht als Bezeichnung für die Feuerwiderstandsfähigkeit von 90 Minuten. Für kleinere Werkstätten gibt es Schranklösungen ab 900 Euro. Daneben gibt es Akku-Ladeschränke mit integriertem Löschsystem. Die Kosten dafür liegen im fünfstelligen Bereich.
Das IMU Institut macht die Beobachtung, dass es derzeit einen gefährlichen Trend zu Wegwerf- und Billigprodukten gibt. „Wenn qualitativ minderwertige Billigprodukte auf der Baustelle häufig benutzt werden, ist der Verschleiß hoch und es entstehen Gefährdungen für Mitarbeiter. Es ist auch alles andere als nachhaltig, Elektrowerkzeuge nach kurzem Nutzungszyklus einfach wegzuschmeißen und ein neues Billigprodukt zu kaufen“, sagt Dispan. Dieser gefährliche Trend zu den Billigprodukten habe auch mit den veränderten Handelsstrukturen zu tun. „Tischler und andere Handwerksbranchen, die ihre Werkzeugausstattung bis vor wenigen Jahren noch im Fachhandel gekauft haben, erwerben die Produkte immer öfter auch in Baumärkten oder online auf Billigplattformen“, so Dispan. Dadurch würden laut dem IMU-Institut-Projektleiter vermehrt sogenannte Do-it-yourself-Produkte auf den Baustellen verwendet, „die im Normalfall zum Heimwerkersegment gehören“, betont Dispan.
Allerdings zeichnet die Branchenanalyse auch ein positives Bild. Demnach werden die Akku-Werkzeuge smarter und nachhaltiger. „In Zukunft wird es vor allem noch leistungsfähigere Akkus geben, die vor allem langlebiger sind“, betont Dispan. Darüber hinaus prognostiziert der Autor der Studie, dass Elektrowerkzeuge verstärkt mit digitalen und KI-Tools angereichert werden. „Die vorausschauende Wartung, die sogenannte Predictive Maintenance, ist ein weiterer großer Trend, der in Zukunft zu erwarten sein wird“, erläutert Dispan.

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