Die fehlende Absicherung kostete Tischlermeisterin Maxime Krämer ihre Selbstständigkeit. Warum sie weiter für den Mutterschutz für Selbstständige kämpft.
Sieben Jahre lang hat Tischlermeisterin Maxime Krämer eine Tischlerei geführt. Doch 2023 hat sie ihren Betrieb dicht gemacht – wegen des fehlenden Mutterschutzes für Selbstständige. Inzwischen arbeitet sie als technische Lehrerin und ist angestellt. Doch zusammen mit anderen Frauen, setzt sie sich noch immer dafür ein, dass der Mutterschutz für Selbstständige in Deutschland eingeführt wird.
Dass es bei Selbstständigen rund um Schwangerschaft und Geburt eine Sicherungslücke gibt, hat auch die Politik erkannt. So wollen Union und SPD laut Koalitionsvertrag von 2025 einen Mutterschutz für Selbstständige einführen – und zwar analog zu den Mutterschutzfristen für Beschäftigte. Offen ist bislang aber noch, wie die Absicherung in Deutschland gesetzlich umgesetzt werden soll.
Am 6. Oktober 2026 wollen selbstständige Frauen in Berlin mit einer Aktion vor dem Reichstag auf die fehlende Absicherung aufmerksam machen – organisiert wird die Aktion von dem Verein „Mutterschutz für Alle“.
Maxime Krämer gehört – neben Tischlermeisterin Johanna Röh – zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Im Interview mit handwerk.com spricht Krämer über die Aktion, ihre Erwartungen an die Bundesregierung und warum sie ihre Selbstständigkeit aufgegeben hat.
handwerk.com: Vor fast einem Jahr gab es bereits eine ähnliche Aktion vor dem Reichstag. Warum wollen Sie mit dem Verein „Mutterschutz für Alle“ am 6. Oktober 2026 erneut in Berlin protestieren?
Krämer: Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass wir kämpfen und dass es noch immer eine Sicherungslücke beim Mutterschutz gibt. Selbstständige sind nicht im gleichen Maße wie angestellte Frauen abgesichert.
Was sind Ihre Erwartungen an die Bundesregierung?
Krämer: Dass der Mutterschutz für Selbstständige zeitnah umgesetzt wird, damit selbstständige Frauen nicht in die Situation kommen, in der ich war, als ich zum ersten Mal Mutter geworden bin.
Was meinen Sie damit genau?
Krämer: Als ich angefangen habe, mich mit der Familienplanung zu beschäftigen, war ich selbstständig. Ich habe mich damals informiert, welche Möglichkeiten es gibt. Schnell habe ich festgestellt, dass es keine wirkliche Absicherung für Frauen wie mich gibt.
Trotzdem war mir klar, dass ich auf jeden Fall ein Kind bekommen werde. Damit ich mir das als Selbstständige leisten konnte, bin ich an mein Erspartes gegangen. Außerdem musste ich in meinen Betrieb einen Mitarbeiter entlassen, weil das wirtschaftlich nicht anders machbar war. Schon einen bis zwei Monate nach der Geburt habe ich wieder richtig gearbeitet, mit der Büroarbeit habe ich sogar schon früher wieder angefangen. Das war eine extreme Situation für mich. Aber es ging einfach nicht anders, ich musste meine finanzielle Situation für mich und meine Familie weiter aufrechterhalten.
Inzwischen sind Sie nicht mehr selbstständig. Wie kam es dazu?
Krämer: Während meiner Selbstständigkeit habe ich angefangen, mich zu engagieren und mich für den Mutterschutz für Selbstständige einzusetzen. Ich gehöre zu den Gründungsmitgliedern von „Mutterschutz für Alle“. Zusammen haben wir damals zwei Petitionen gestartet. 2023 hat sich dann der Petitionsausschuss im Bundestag mit unserem Anliegen befasst.
Die Anhörung habe ich in Berlin vor Ort verfolgt. Mein Gefühl war damals, dass sich am fehlenden Mutterschutz für Selbstständige so schnell nichts ändern wird. Ich wollte aber unbedingt ein zweites Kind. An dem Tag, an dem der Petitionsausschuss sich mit unserem Thema befasst hat, habe ich deshalb entschieden, dass ich die Selbstständigkeit aufgeben werde. Ich wollte mich der finanziellen Belastung, die für Selbstständige mit einer Schwangerschaft verbunden ist, einfach kein zweites Mal stellen.
Ein Betrieb ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer im Handwerk fast wie ein „eigenes Baby“. Wie war es für Sie, die Selbstständigkeit aufzugeben?
Krämer: Schwierig. Ich konnte es damals zum Beispiel nicht mit ansehen, wie die Maschinen aus meiner Tischlerei abgeholt wurden. Bei der Betriebsschließung hatte ich das Gefühl, selbst versagt zu haben. Dabei hatte ich genügend Aufträge und hätte den Betrieb – ohne eine zweite Schwangerschaft – problemlos weiterführen können.
Doch auch, wenn es damals schwer war, war es der richtige Weg für mich. Ich habe eine neue Berufung gefunden: Ich arbeite jetzt als technische Lehrerin und unterrichte angehende Schreinerinnen und Schreiner.

Trotzdem setzen Sie sich immer noch für den Mutterschutz für Selbstständige ein, warum?
Krämer: Ich möchte, dass meine Tochter später mal wirklich frei entscheiden kann, was sie beruflich machen möchte. Sie soll sich nicht wegen einer fehlenden Absicherung gegen eine Selbstständigkeit und gegen ein Kind entscheiden müssen. Genau das wünsche ich mir aber auch für meine Schülerinnen.
Und warum ist es aus Ihrer Sicht auch gesellschaftlich wichtig, dass es eine solche Absicherung gibt?
Krämer: Es gibt eine Vielzahl von Betrieben, für die Nachfolgerinnen und Nachfolger gesucht werden. Gerade im Handwerk gibt es unheimlichen Bedarf. Doch für Frauen stimmen die Rahmenbedingungen einfach nicht.
Das führt dazu, dass ich Frauen im Handwerk erst nach der Familienphase für die Selbstständigkeit entscheiden. Oder sie machen sich früh selbstständig, geben ihren Betrieb und ihr Handwerk dann aber oft auf, sobald sie ein Kind bekommen. Genau das trägt zum Mangel bei. Deshalb braucht es eine bessere Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen für Frauen.

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