Sein erster eigener Chatbot hat die Erwartungen nicht erfüllt. Warum das Marcus Trenkel nicht stört – und wie er KI seitdem erfolgreich einsetzt.
Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet viele Chancen – auch für Handwerksbetriebe. Doch wie gelingt der Einstieg? Marcus Trenkel hat es ausprobiert. Sein erstes Projekt: ein Chatbot für die Badplanung. Seine wichtigste Erkenntnis: Auch wenn der erste Erfolg ausbleibt, bringt es einen voran. Was er dabei gelernt hat.
Trenkel (38) ist Mitinhaber der Von Elm Haustechnik GmbH in Stendal, zusammen mit René von Elm (55). Während von Elm als Installateur- und Heizungsbaumeister das „Analoge“ im Betrieb verantwortet, kümmert sich Trenkel als gelernter Fachgroßhändler und IT-System-Elektroniker um die Digitalisierung.
Die Idee der beiden: Ein Chatbot sollte die zeitintensiven Erstgespräche zur Badplanung vereinfachen. Kunden könnten außerhalb der Öffnungszeiten ihre Wünsche, Budgets und Kontaktdaten eingeben – eine Grundlage für das Beratungsgespräch.
Seit einem Jahr ist der Chatbot online. Er brachte rund 50 Anfragen, aber nur fünf ernsthafte Kontakte. Viele Nutzer brachen den Chat mit dem Bot ab. Trenkel hatte sich mehr erhofft. Ein Grund für die geringe Resonanz sei wohl die gesunkene Nachfrage nach Badezimmern.
Trotzdem bereut er nichts. Mit dem Wissen aus dem Chatbot-Projekt hat er inzwischen einen Planungsbot erstellt, der Angebote samt Preisschätzungen für Wärmepumpen erstellt. „Der neue Bot spart jetzt schon viel Zeit in der Akquise“, sagt Trenkel. Später will er ihn auf der Firmenwebsite einbinden. Seine Prognose: Die Nachfrage wird höher sein, da Wärmepumpen aktuell stark gefragt sind.

Trenkel kam über ein Förderprojekt zur KI: eine vom Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk mit dem Elektro- und SHK-Verbund E-Masters organisierte KI-Werkstatt. Über ein halbes Jahr begleiteten Experten die Teilnehmer bei ihren Projekten.
Dort lernte Trenkel, wie KI funktioniert, wie man Chatbots programmiert und worauf es bei Datenschutz und Prompt-Gestaltung ankommt. Die Kosten? Keine – abgesehen von seiner Zeit. Doch der Aufwand zahlt sich an vielen Stellen aus. So habe er kürzlich habe mit ChatGPT ein Angebot für ein Einfamilienhaus erstellt. „Ich habe alle Dokumente eingescannt und einen Prompt eingegeben, was ich brauche.“ Zeitaufwand: eine halbe Stunde. „Die Teilnahme an der KI-Werkstatt war die beste Entscheidung“, so Trenkel.
Im Seminar lernte Trenkel, Datenschutz von Beginn an mitzudenken. Beim Chatbot anonymisiert er Kundendaten und löscht sie nach sieben Tagen. Bevor er eine neue KI-Anwendung startet, prüft er, wo die Daten liegen und wer darauf zugreifen kann. „Ich hinterfrage immer, wie das mit dem Datenschutz funktioniert.“
Trenkel wählt seine KI-Projekte gezielt aus: Sie sollen konkrete Probleme lösen. „Ich überlege immer: Wo sparen wir viel Zeit? Wo hakt es im Betrieb?“ So entstand auch der Angebots-Chatbot für Wärmepumpen.
Aktuell arbeitet er an zwei weiteren Projekten:
Woher hat Trenkel eigentlich die viele Zeit für die Künstliche Intelligenz? „Ich mache das vor allem abends oder am Wochenende.“ Denn der Aufwand ist hoch. Im Tagesgeschäft fehle dafür die Zeit.
Immer wieder stößt er auf Hindernisse: zum Beispiel fehlende Schnittstellen oder unflexible Softwareanbieter. Das kostet Zeit und Nerven. Trotzdem investiert er seine Freizeit – aus Begeisterung. Was ihn antreibt? „Ich möchte selbst etwas bewegen – das ist das Coole daran.“
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