Holzreste, Brikettierpresse, Holzheizung: Wie eine Münchener Schreinerei aus Abfall Energie gewinnt und damit Heizkosten spart. Doch der Weg dorthin war lang.
Unternehmer treffen nahezu täglich Entscheidungen – häufig aus einem konkreten Anlass. So war es auch bei Johannes Gratzer: Der Schreinermeister und Geschäftsführer der Schreinerei Gratzer in München hat vor rund zehn Jahren in eine Anlage investiert, mit der der Betrieb eigene Holzreste und Verschnitte verarbeitet und wiederverwertet. „Damals befand sich der Betrieb in einem Neubaugebiet, und seitens der Stadt München gab es Beschränkungen bei der Wahl der Heizung“, sagt Gratzer.

Für die Schreinerei bestand damals nur die Möglichkeit, mit fest verankerten Flüssiggastanks im Freien zu heizen. Holzheizungen waren verboten. „Das war für uns ein Grund, über eine Anlage zur Wiederverwertung unserer anfallenden Holzreste nachzudenken“, sagt Gratzer. Darauf folgte ein langes Genehmigungsverfahren. „Vor der Inbetriebnahme mussten wir zahlreiche Auflagen und Pflichten erfüllen, darunter die Installation eines Feinstaubfilters und Vorgaben zum Luftstrom der Anlage“, erläutert Gratzer.
Die Wiederverwertungsanlage der Schreinerei besteht aus einer Kombination von vier aufeinander abgestimmten Komponenten: Zerhacker, Absauganlage, Brikettierpresse und Heizungsanlage. Das im Betriebsalltag anfallende Restholz und die Verschnitte werden zunächst im Zerhacker zerkleinert und anschließend von der Absauganlage weitertransportiert. Die unter der Anlage installierte Brikettierpresse verdichtet das Material zu Briketts, die danach in den Keller zur Heizungsanlage fallen.
In diesem System erfüllt die Absauganlage laut Gratzer eine Doppelfunktion. „Sie saugt nicht nur die Holzreste, sondern auch den Staub aus der Werkstatt ein. Somit sind wir fast staubfrei.“ Staub falle in der Werkstatt dennoch weiterhin an. Allerdings wirke sich der Betrieb der Absauganlage spürbar auf die Luftqualität aus. Darüber hinaus hat sich der Schreinermeister und Geschäftsführer aus einem bestimmten Grund für die Brikettierpresse entschieden. „Das ist vor allem dem Platz geschuldet. Wir haben in der Werkstatt nur einen begrenzten Raum für die Lagerung der angesaugten Holzreste. Daher haben wir uns damals bei der Anschaffung für die Presse entschieden, da die Briketts ein Vielfaches an Volumen einnehmen“, betont Gratzer.
Hätte am Münchner Betriebssitz ausreichend Platz zur Verfügung gestanden, wäre für die Schreinerei auch ein Silo infrage gekommen. Dabei werden die abgesaugten Holzreste und Verschnitte direkt in das Silo geblasen. Von dort gelangen sie unmittelbar oder mithilfe von „Transportschnecken“ in die Heizung. Die Installation eines Silos in München sei jedoch kostenintensiv. „Der finanzielle Aspekt war ein weiterer Grund, weshalb wir uns nicht für das Silo, sondern für die Brikettierpresse entschieden haben“, so Gratzer.
Der Betrieb einer solchen Presse erfolgt jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Einerseits dürfen die Holzreste nicht feucht oder nass sein. Andererseits dürfen die Briketts kein Metall oder keine Metallteile enthalten. „Es kann vorkommen, dass sich Metallreste in der Werkstatt befinden. Wir haben aber einen Magnetabscheider, der die Metalle herausfiltert, bevor es in die Presse geht“, erläutert Gratzer. Der Betriebsinhaber achtet sehr genau darauf, was in die Presse und anschließend in die Heizungsanlage geht.
Der Betrieb verbrenne mit einer Temperatur von 700 Grad Celsius. Zudem habe die Heizung eine Leistung von 80 kW. „Das ist eine beachtliche Leistung dafür, dass wir eine Betriebsfläche von 1.200 Quadratmetern haben“, so Gratzer. Zur Heizungsanlage gehören außerdem zwei Aschebehälter, die alle drei Wochen und im Sommer alle sechs Wochen geleert werden müssen.
Betriebe mit einer Wiederverwertungsanlage müssen Emissionsgrenzwerte einhalten. Hier greifen zwei Regelwerke: Die Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) und die Technische Anleitung Luft (TA Luft). Wiederverwertungsanlagen wie die der Schreinerei Gratzer dürfen ab einer Nennwärmeleistung von 30 kW betrieben werden. Gemäß § 5 BImSchV müssen sie dann die Grenzwerte der Stufe 2 einhalten. Für Staub gilt ein Grenzwert von maximal 20 Gramm pro Kubikmeter und für Kohlenmonoxid ein Grenzwert von 400 Gramm pro Kubikmeter.
Die Einhaltung der Grenzwerte wird durch den Schornsteinfeger geprüft. „Wenn er eine Erhöhung feststellt, muss ich den Service kommen lassen. Manchmal liegt der Fehler bei einer Sonde oder einem Bauteil, das nicht korrekt steuert. Das wird dann ausgetauscht“, so Gratzer.
Die Anschaffung der Wiederverwertungsanlage erfolgte vor rund zehn Jahren. Die Kosten dafür lagen laut Gratzer im fünfstelligen Bereich. „Es rechnete sich jedoch in wirtschaftlicher Hinsicht schneller als wir dachten.“ Nach rund vier Jahren habe sich die Investition amortisiert. „Die Investition in die Anlage bereuen wir keinesfalls, auch mit Blick auf die Steigerung der Energiekosten der vergangenen Jahre“, sagt der Betriebsinhaber.
Betrieben, die vor der Kaufentscheidung einer Wiederverwertungsanlage stehen, rät Gratzer: „Die Heizung muss über eine ausreichende Leistung verfügen. Das ist aber abhängig von der Gesamtfläche des Betriebs.“ Darüber hinaus brauche man Geduld, da man zu Beginn stets Anpassungen an das System vornehmen muss. „Das kann bis zu drei Jahre dauern, aber danach ist es nahezu ein Selbstläufer“, resümiert Gratzer.

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