Monopoly mit Ihren Steuern
Wirtschaft 2011: Immer auf die Kleinen
Handwerker zahlen Steuern, Banker und Konzerne spielen mit dem Geld Monopoly: Das sei die Realität der Wirtschaft, sagt Bauunternehmer Carsten Schneider. Teilen Sie seine Sicht der Dinge?
Der Mann übernimmt Verantwortung. In Gösenroth bei Koblenz bildet Carsten Schneider gleich in zwei Berufen aus: Landmaschinenmechaniker und Straßenbauer. Denn ein Teil seiner insgesamt 50 Mitarbeiter erledigt Bauaufträge, der andere repariert Baumaschinen.
Es gibt nur ein Problem, Schneiders Verantwortungsgefühl wird nicht gewürdigt. Von den Banken über die öffentliche Hand bis zur Finanzverwaltung gelte ganz offensichtlich: Die Kleinen werden kontrolliert und drangsaliert, die Großen werden hofiert.
Vor ziemlich genau drei Jahren hat Carsten Schneider seinem Ärger in Form eines Leserbriefes in der Rhein-Zeitung Koblenz Luft gemacht. Heute fragt er die Kollegen: Was hat sich seit damals eigentlich verändert? Gute Frage.
Die Kurzfassung von Schneiders Leserbrief lesen Sie auf Seite 2.

7 Kommentare zu "Wirtschaft 2011: Immer auf die Kleinen"
Im Spiegel-TV fand ich einen interessanten Beitrag zum Thema Finanzierung. Geld ist genug da, aber es fließt in die Finanzmärkte und nicht in die produzierenden Gewerbe. Es wird spekuliert und nackten Frauen auf den Po geschaut. Das ist unser Finanzmarkt in Frankfurt - Ein Eros-Center für Banker. Den Beweis findet man unter: http://www.spiegel.tv/#/filme/baenker-habgier/
Ja Herr K.H-S es ist sehr viel mechnisiert und die Beratung, naja das ist sicherlich auch von Bank zu Bank verschieden. Es ist natürlich für Banken auch schwieriger Kredite zu vergeben und zu kalkulieren, ich hatte diesbezüglich ein Gespräch mit einer Finanzierungsgesellschaft für einen aktuellen Fall zum Kauf von Maschinen, es wurde mir geraten eher zu leasen als zu finanzieren da bei einer Finanzierung die Bank den Kredit mit mehr Eigenkapital absichern muss und dadurch die Zinsen höher sind als beim Leasing, dadurch werden Kreditgeschäfte evtl. für Banken auch uninteressant. Falls Sie in Maschinen investieren möchten versuchen Sie doch mal beim Hersteller eine Rückkaufgarantie zu bekommen die sich über den Finanzierungszeitraum ausdehnt, nach meiner Erfahrung machen das die Hersteller z.B. nach 1 Jahr 75 % 2 65%, 3 50 %, 4 40%, 5 30 %, wenn Sie dann mit 20 % Eigenkapital etwas finanzieren liegt eigentlich ein geringes Risiko beim Finanzierer und es gaht dann auch bei Finanzierungsgesellschaften recht gut, dann müssen Siie dies nicht unbedingt bei der Bank finanzieren, zumal es auch bei Finanzierungsgesellschaften einfacher ist Vereinbarungen über Sondertilgungen zu verhandeln, dann ist man bei einer vorzeitigen Ablösung nochmal günstiger dran und am Ende flexiebler.
Herr Bauer, Rating ist immer mechanisiert bei Banken, das ist ja das was ich meinte mit dem Kundenbetreuer und der Beurteilung des Unternehmens. Ich hatte kürzlich einen Fragebogen zum Rating erhalten, dieser beinhaltet immer Fragen zu einer Planungsrechnung, gut und schön für einen Industriebetrieb, aber für eine Bauunternehmung die am Markt um Aufträge kämpft vielleicht etwas schwer zu gestalten, mal hat man materialintensive ein andermal mehr Maschinenintensive Aufträge, das wirkt sich auf den Umsatz usw. aus und bestimmt somit die Planung, es muss hier spekuliert werden und Hellseher sind wir ja alle nicht. Sicherlich plant man ja in gewisser Weise aber nach meiner Meinung wird hier zu viel Wert darauf gelegt und wenn man es genau macht dann ist es wieder sehr arbeitsintensiv, sprich personalintensiv.
Da sind wir wieder bei dem Titel des Artikels: "Immer auf die Kleinen" durch die Spekulationen von Banken und anderen Finanzakteuren und der Investition in imaginäre Werte, die absolut nichts mit Produktion zu tun haben, sind diese Regeln entstanden und gelten auch für die Kleinen, die dann immer schwieriger an Kredite herankommen und zuletzt auch das Spiel der Großen finanzieren.
Wir sind ein holzverarbeitender Kleinbetrieb, der sich im Grunde recht gut in unserem Umkreis hält. Bezüglich meiner Hausbank ist mir zu Beginn des Jahres der Kragen geplatzt und da habe ich mich beschwert. In den letzten 5 Jahren wurde uns 3 mal der Kundenbetreuer gewechselt. Mit wem rede ich also? Wer stellt sich auf uns ein? Der neue junge Kundenbetreuer musste sich erst einlesen. Dann wollte er mit einem Kollegen Rücksprache halten. Nun, und dann ging es natürlich um meine Bonitätsprüfung. Und ein Kreditantrag mit so viel Kleingedrucktem ist auch schon etwas, dass man heutzutage nicht sofort im Betreuungsbüro unterschreiben darf. Und ich bildete mir ein, dass er mir zeigen wollte, dass man wegen einem derartigen Kleinfall nicht einen erneuten Beratungstermin ansetzen könnte.
Hallo Herr Schneider,
als Sie den Begriff "Rating" benutzten, rutschte mir doch gleich das Herz in die Hose. Der Abteilungsleiter unserer Stadtsparkasse hat mich mich nie zu einem Spiel von Hannover 96 eingeladen. Auch bin ich mir nicht sicher, wer nun wirklich mein persönlicher Ansprechpartner ist, da es die Fan-Kultur der aufstrebenden Jung-Manager ist, sich beruflich zu verbessern und ihr Glück beim BVB zu suchen? Ich meine, ich bin nur ein Übungsfeld für Banker? Und wenn eine Hausbank so etwas in den Griff kriegen möchte, dann hilft ja nur noch eine Automatisierung der Ratings. Ist es eine künstliche Intelligenz, die mein Rating setzt?
Als mein Vater damals den Familienbetrieb führte, hieß unsere Bankbetreuerin Frau Buschbell. Das weiß ich heute noch. Nach über 45 Jahren. Damals ab es auch keine Karten für Hannover 96, aber für uns Kinder gab es jedes Jahr Sparschweine. Und wir waren mit 7. Damals ging der Erfolg des Bankbetriebes durch Service an den Kunden, heute an die Aktionäre. Ein Zeichen für mich, rasch meine Hausbank zu wechseln.
Herr Bauer, dies ist genau der Ansatz, um einen Kredit zu erhalten ist Rating unerlässlich, sicherlich haben Sie eine Hausbank, ich kann nur sagen, dass es den Bezug Bankbetreuer - Unternehmen nicht mehr gibt. Es war einmal so, dass ein Kundenbetreuer sich in ein Unternehmen hineinversetzen konnte, dies passiert Heute, dank der Basel Kriterien nicht mehr, hier wird mechanisiert, was ja im Handwerk sicherlich von Vorteil ist, aber um ein Unternehmen zu beurteilen bedarf es der Kenntnis der Menschen, der Hintergründe und der Rahmenbedingungen. Es bleibt letztendlich noch die Frage ob ein Handwerker sich eine(n) Mitarbeiterin / Mitarbeiter leisten kann der alle diesbezüglichen relevanten Prozesse verfolgt und den Papierkram erledigt. Die Pulsadern der Wirtschaft sind nicht interessant, verfolgt man die Medien seit der Finanzkriese 2008, so muß man feststellen, dass legales Glücksspiel in Form von Spekulationen bei einer Fehlspekulation staatlich unterstützt wird, wird es reglementiert? .... eindeutig NEIN. Haben Sie in dieser Zeit Berichte über die größten Steuerzahler und Ausbilder verfolgen können: ebenfalls NEIN
Monopoly: Ziel des Spiels ist es, ein Imperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die Insolvenz zu treiben (lt. Wikipedia). Als die Griechenland-Debatte begann benötigte auch ich einen dringenden Zwischen-Finanzierungs-Kredit. Ich habe ihn leider nicht erhalten, aber man hat mir eine Ausbildungs-Versicherung für meine Kinder angeboten. Warum sollte man mir einen Kredit gewähren, wenn bei internationalen Großschuldnern mehr Zinsen in Verbindung mit einer Staatsbürgschaft zu verdienen sind. Das ist der freie Markt. Das Problem beginnt für uns, wenn man das Handwerk als eine der "Pulsadern der deutschen Wirtschaft" unterschätzt.
Ich hatte den Leserbrief herausgekramt weil sich seit der Wirtschftskriese 2008 nichts geändert hat, der Anstoß war eigentlich die Meldung über die Strompreiserhöhung einhergehend mit der Meldung, dass diese nicht von Großunternehmen, also den Konzernen getragen wird sondern vom Mittelstand, Handwerk und Endverbraucher.