Kündigung wegen Drohung?
Wenn der Chef den Gesellen provoziert
Nase an Nase mit dem Chef. "Pass bloß auf, was Du sagst!", schreit der Geselle ... Wenn Sie meinen, dass so eine Drohung ein Kündigungsgrund ist, sollten Sie erstmal lesen, was sich der Chef des Dachdeckerbetriebs vorher geleistet hat.
Konflikte zwischen Mitarbeitern und Chefs sind gar nicht so selten. Die Kunst besteht darin, solche Streitereien als Chef nicht eskalieren zu lassen und sich Respekt zu verschaffen. Doch wie sieht es aus, wenn der Arbeitgeber den Streit geradezu provoziert?
Der Chef als Täter
Der Fall: Der Lohn eines Dachdeckergesellen wird teilweise gepfändet. Sein Arbeitgeber, ein Kölner Dachdeckerbetrieb, behält die Pfändungsbeträge zwar monatelang ein, leitet sie jedoch nicht an den Gläubiger weiter.
Der Geselle weiß davon nichts. Erst als seine Ehefrau beim Steuerberater des Unternehmens anruft, fliegt die Sache auf. Der Junior-Chef des Handwerksbetriebs spricht seinen Mitarbeiter darauf an und verlangt von ihm, solche Anrufe zu unterbinden. Der Junior spricht von "asozialem Verhalten" der Ehefrau. Nun eskaliert die Situation - und das vor allen Mitarbeitern.
Schließlich stehen sich Junior-Chef und Geselle Nase an Nase gegenüber. Der Mitarbeiter schreit seinem Chef ins Gesicht und droht "Pass bloß auf, was Du sagst!" und "Pass bloß auf, Junge!"
Noch am gleichen Tag spricht der Arbeitgeber eine außerordentliche Kündigung aus. Er fühlt sich bedroht und in seiner "Autorität" gegenüber den Mitarbeitern abgewertet.
Der Geselle hingegen reicht Kündigungsschutzklage ein. Er sieht sich hintergangen, beleidigt und zu unrecht gekündigt.
Vor dem Landesarbeitsgericht Köln hat der Geselle recht bekommen. Warum er seinen Job dennoch los ist und was Arbeitgeber aus dem Urteil lernen können, erfahren Sie auf der nächsten Seite .
