30.03.2010
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Kommentar

Was die My-Hammer-Studie nicht verrät

Keine Kannibalisierung des Handwerks durch My-Hammer? Die neue Studie des Fraunhofer-Instituts in allen Ehren - aber so viel Interpretation geben diese Zahlen nicht her.

von Jörg Wiebking

Der Kern der Studie lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: Befragt wurden My-Hammer-Kunden. Knapp die Hälfte von ihnen hatte in dem jeweiligen Gewerk noch nie einen Auftrag vergeben. Qualität ist ihnen wichtig. Ihre Zahlungsbereitschaft ist während der laufenden Ausschreibung gestiegen.

Was heißt das für die befürchtete Kannibalisierung? Kannibalisierung des Stammgeschäfts würde bedeuten, dass dem Handwerk wegen My-Hammer scharenweise die angestammten Kunden weglaufen und nun in dem Portal nach Alternativen suchen. Tatsächlich scheint dieser Effekt angesichts der vielen Neukunden bei My-Hammer begrenzt. Völlig widerlegen oder beweisen kann die Studie den Effekt jedoch nicht.

Zudem bewegt das Handwerk nicht nur die Sorge um abwandernde Stammkunden. Ebenso wichtig ist die Frage, wie sich My-Hammer insgesamt und langfristig auf Preise und Auftragslage der Fachbetriebe auswirkt. Das lässt sich anhand dieser Studie nicht feststellen.

Denn wir wissen nicht, was die 50 Prozent Neukunden ohne My-Hammer getan hätten. Hätten sie ihre Aufträge auch so an Handwerker vergeben? Hätten sie selbst zum Hobel gegriffen? Oder Teppich statt Fliesen verlegt?

Wir wissen nicht, woran sich die Zahlungsbereitschaft der Kunden vor der Ausschreibung orientiert hat. Haben sie blind geraten? Haben sie sich Angebote eingeholt? Sind sie schon von My-Hammer geprägt, weil sie sich dort die Preise vergleichbarer Ausschreibungen angeschaut haben?

Wir wissen nicht, warum die Zahlungsbereitschaft der Kunden während der laufenden Ausschreibung zugenommen hat. Ist ihr Qualitätsbewusstsein gestiegen? Waren ihre anfänglichen Vorstellungen unrealistisch niedrig?

Wir wissen nicht, ob die Aufträge an Handwerksbetriebe im Sinne der Handwerksordnung vergeben wurden. In der Studie wurde nicht danach gefragt. Zudem hat sich die Umfrage an den My-Hammer-Kategorien orientiert, nicht an der Handwerksordnung.

Was wissen wir dann? Immerhin zeigt die Studie, dass es Neukunden gibt, die ihren ersten Auftrag bei My-Hammer vergeben und dass auch bei My-Hammer die Auftragnehmer nicht jeden Preis akzeptieren müssen. Schon das sind für viele Betriebe wichtige Erkenntnisse.

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