Bohlen & Doyen
Von "Insolvenz-Abzocke" und "Schweinepack"
Gläubiger-Ausschuss: kassiert Millionen. Handwerker: gehen leer aus. Eine wilde Geschichte aus dem hohen Norden.
Die Vorgeschichte: Das Bauunternehmen Bohlen & Doyen aus dem ostfriesischen Wiesmoor ist wichtig für die eher strukurschwache Region. Laut Firmen-Homepage ein "leistungsstarker und zuverlässiger Partner der Energiewirtschaft" mit rund 1500 Mitarbeitern an 50 Standorten.
Als Bohlen & Doyen 2007 Insolvenz anmelden musste, hat das für einen entsprechenden Wirbel gesorgt. Über einen der Menschen, die die Ereignisse seitdem besonders sorgenvoll verfolgen, berichtet der örtliche
General Anzeiger
. Der Maurermeister wartet seit der Insolvenz darauf, dass der Bauriese eine offene Rechnung von 20.000 Euro Euro begleicht.
Jetzt muss der Mann mitansehen, das er sehr wahrscheinlich nicht zu den Leuten gehören wird, die ihr Geld bekommen werden. Denn allein die sechs Parteien des Gläubigerausschusses haben "jeweils rund 404756 Euro kassiert, zusammen 2,428 Millionen Euro". Das vermeldet der "Anzeiger für Harlingerland" , eine weitere ostfriesische Tageszeitung.
Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittele gegen den Gläubigerausschuss, gegen den Insolvenzverwalter und "letztlich auch gegen die Sachbearbeiter beim Amtsgericht Aurich" selbst.
Die Ostfriesen Zeitung zitiert einen Frankfurter Insolvenzfachmann wie folgt: "Sowohl die festgesetzten Beträge als auch die damit offenbar abgegoltenen Ausschusstätigkeiten sind die höchsten Beträge, die
jemals in Deutschland in einem Insolvenzverfahren für die Mitglieder eines vorläufigen Gläubigerausschusses festgesetzt worden sind." Der General-Anzeiger stellt fest: "Von der Entschädigung für die Ausschussmitglieder hätte man insgesamt 120 Gläubiger vom Kaliber des Maurermeisters abfinden können."
Und was sagt der Handwerker zu dem Rechenbeispiel? Sein Kommentar ist nachvollziehbar wütend: "Man ballt die Faust." Und überhaupt: "Wir reden hier von Schweinepack."
(sfk)

2 Kommentare zu "Von "Insolvenz-Abzocke" und "Schweinepack""
Immer wieder das gleiche und die Handwerker werden nicht gescheit. Dabei ist das Problem ganz einfach lösbar: Entweder Vorkasse undoder den Schlußzahlungsgenerator einsetzen.
Solche Geschichten gibt es auch aus Düsseldorf. Dort arbeiten eine Bank und Insolvenzverwalter Hand in Hand gegen alle anderen Gläubiger und auch gegen den Schuldner. Die Rechtspfleger vom Insolvenzgericht sind nur Marionetten am Gängelband der Insolvenzverwalters und küssen ihnen die Füße. Dienstaufsichtsbeschwerden werden genauso abgebügelt wie Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Also - keine wilde Geschichte, sondern Normalität.