12.08.2010
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Nervige Kunden

Volkssport Mängelrüge? Nicht einknicken!

Er will keinen Vergleich. Er will nicht einknicken. Er will ganz einfach sein Geld. Der Tischlermeister Hermann Finke fordert eine konsequentere Haltung gegenüber zahlungsfaulen Kunden.

In der Gruppe seiner Vorzeigekunden entdeckt er immer mal wieder ein faules Ei. Deshalb hat der Tischlermeister aus dem niedersächsischen Edewecht die Auftragskontrolle bis ins kleinste Detail perfektioniert, jeder Kunde muss jeden Arbeitsschritt absegnen.

Doch obwohl sich Finke in alle Richtungen absichert, behalten Auftraggeber Geld ein. Ganz aktuell haben seine Mitarbeiter die Wohnküche einer Kundin unter anderem um eine Massivholzablage erweitert. Die Beizprobe für die Farbe der Oberfläche und die Ausführung hat sich der Tischlermeister vor drei Zeugen bestätigen lassen. Warum der Aufwand? „Weil ich so ein komisches Bauchgefühl hatte.“

Der Handwerker sollte sich öfter auf seine Ahnungen verlassen. Zwei Wochen nachdem sie die Arbeit schriftlich abgenommen hatte, flatterte Finke ohne Vorankündigung ein Brief einer Rechtsanwältin ins Haus. Ihre Mandantin rüge das Abweichen des Farbtons. Angeblich hat sich die Kundin bereits mit einem anderen Tischler in Verbindung gesetzt, der die Nachbesserung vornehmen soll. Gegebenfalls soll die Schlussrechnung um den Nettobetrag von 300 Euro gekürzt werden: „Ihrer baldigen Bestätigung sehe ich entgegen.“

Darauf kann die Dame lange warten, sagt Finke. Vom Juwelier in Hamm bis zum Gastwirt auf Wangerooge – in der Vergangenheit hat sich der Tischlermeister auch schon mit gewichtigeren Auftraggebern gestritten. Und er weiß, dass Prozesse viel zu oft mit einem Vergleich enden, weil sich „Richter nur sehr selten wirklich in eine Akte einlesen und auf der Basis der Fakten entscheiden“.

Finke geht es nicht um 300 Euro, es geht ihm ums Prinzip: „Ich habe keine Lust mehr, vor Leuten einzuknicken, die ihrerseits die Mängelrüge zum Prinzip erhoben haben, um locker Geld einzusparen.“ Solche Kunden würden darauf bauen, dass gerade kleine Betriebe juristische Auseinandwersetzungen scheuen. Finkes Anwalt hat die Kürzung abgelehnt.

Und Finke will auch in Zukunft standhaft bleiben: „Offensichtlich muss das Handwerk einen Teil seiner Auftraggeber neu erziehen. Das wird ein steiniger Weg, vielleicht werden wir unseren Anwälten eine Menge Geld in den Rachen werfen. Aber wenn alle Betriebe an einem Strang ziehen, wird sich das letztlich auszahlen.“

(sfk)

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3 Kommentare zu "Volkssport Mängelrüge? Nicht einknicken!"

  1. Haase - 14.08.2010, 09:32 Uhr (Kommentar melden)

    Daß alle Betriebe an einem Strang ziehen ist Wunschdenken und wird nie gelingen.

  2. Martinovic Slavko - 13.08.2010, 11:47 Uhr (Kommentar melden)

    Die Zahl solcher oder ähnlicher Kunden hat steigende Tendenz. Wenn man lange genug im Geschäft ist entwickelt man das Gespürr für "faules Obst", mir geht es ähnlich wie dem Kollegen, alle Absprachen werden schriftlich fixiert und doch stellt man fest, die geahnte Situation tritt ein. Mängelrüge. Die Einstellung, für 300 € zieht er nicht vor das Gercht erobert das Land. zum Glück ist das ein ganz kleiner Teil der Kunden, trotzdem oder gerade deshalb möchte ich einen Webauftritt starten unter dem Namen "www.maengelrüger.de" in der ein "Kundenstamm" aufgebaut werden könnte. Im Jahr sind es ein-zwei Kunden aus dieser Kategorie aber die wären es mir wert. Mwine Mail-Adresse ist hier bekannt, bei Interesse melden

  3. Christoph Hensel - 13.08.2010, 06:45 Uhr (Kommentar melden)

    Genauso gern wird gemäkelt, das die vom Kunden unterschriebenen Arbeitszeiten nicht stimmen würden. Wir haben seit einigen Jahren darauf hin GPS Überwachung eingeführt. Ruft jetzt ein Kunde an, bekommt er den Tagesbericht des Fahrzeuges zugeschickt, wo er genau erkennen kann wie lange das Auto vor seiner Wohnung stand. Das wirkt. BTW: Die Sicherheitsprüfung nervt extrem! Ich gerbe jetzt schon den 10. Code ein.