02.06.2008
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Viel Geld für (fast) nichts?

Dass Rechnungen von Handwerksbetrieben so hoch ausfallen, dass sich Staatsanwälte dafür interessieren, kommt nicht alle Tage vor. Die Modernisierungsfirma Direct Home Corporation ist ins Visier von Ermittlern geraten.

Dass Rechnungen von Handwerksbetrieben so hoch ausfallen, dass sich Staatsanwälte dafür interessieren, kommt nicht alle Tage vor. Die Modernisierungsfirma Direct Home Corporation ist ins Visier von Ermittlern geraten.

Die Arbeiten an ihrem Haus haben Hilde G. viel Geld gekostet. Wie viel, dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Die Modernisierungsfirma spricht von 16.145 Euro, der Architekt Werner Gebhardt* von 19.334 Euro. Fest steht: Die allein lebende Rentnerin hätte mehr zahlen müssen, hätten ihre Nachbarn nicht die Polizei gerufen. Die stoppte die Handwerker.

Gebhardt hat die Arbeiten unter die Lupe genommen. Und er hat sich G.‘s „Bestellungen“ bei der Direct Home Corporation GmbH (DHC) angesehen. Die bundesweit tätige Firma (wir berichteten, Volles Rohr abkassiert?), die in der Handwerksrolle eingetragen ist, hat nach seiner Einschätzung extrem hoch abgerechnet. Zudem seien Fehler auf der Baustelle gemacht worden, einige Leistungen sogar wertlos, behauptet Gebhardt. Sein Fazit: „Die Kundin hat fast 18.000 Euro zuviel bezahlt.“

Beispiel Schimmelprävention

Die DHC habe etwa 15,9 Quadratmeter Wandfläche im Keller des Hauses mit Haftputz behandelt und dafür 5000 Euro verlangt, berichtet der Experte. „Das macht 314,50 Euro brutto pro Quadratmeter.“ Die ortsüblichen Handwerkerpreise für vergleichbare Leistungen lägen bei maximal 50 Euro pro Quadratmeter – alle Nebenarbeiten und Mindermengenzuschlag eingeschlossen. Gebhardt hält die Maßnahme außerdem für fragwürdig. „Es handelt sich um raumseitigen Haftputz, der das Problem von erdfeuchtem Mauerwerk nicht substanziell lösen kann.“ Obendrein seien Stellen verputzt worden, „die oberhalb der Erdgleiche liegen und vermutlich nie feucht waren“, kritisiert er.

Beispiel Kanalrenovierung

Laut Unterlagen hat Hilde G. Leistungen im Wert von 10.500 Euro bestellt. Der Auftrag: den Kanal sanieren, eine Revisionsöffnung in den Schacht vor dem Haus einbauen und einen Schachtring setzen. Der Architekt, der, wie er selber sagt, aus Erfahrung weiß, wie der von DHC beauftragte Subunternehmer solche Projekte verrechnet, kommt zu dem Schluss: „Der Subunternehmer dürfte der DHC eine Rechnung über etwa 3480 Euro ausgestellt haben.“

Die Mängelliste, die Gebhardt aufgestellt hat, füllt zwei DIN-A4-Seiten. Unter anderem heißt es: Die letzte Rohrmuffe vor dem Straßenkanal sei nicht mittels Inliner überklebt worden, der Rohrscheitel habe mehrere kleine Löcher, der Inliner keine – wie im Angebot aufgeführt – DIBT-Zulassung. Einer nachträglichen Prüfung nach DIN EN 1610-LD habe der Inliner nicht standgehalten, berichtet Gebhardt.

Beispiel Kellertür

Wie aus Dokumenten von Hilde G. hervorgeht, hat sie eine Kellertür mit Fenster bestellt. Gesamtwert der Bestellung: 6200 Euro. 2860 Euro hat G. angezahlt. „Für rund 2000 Euro erhält man auf dem Markt eine Aluminium-Haustür mit Dreifach-Verriegelung“, sagt Gebhardt. Die Montage der bestellten Tür hat die Polizei verhindert.

Wie erklärt die DHC die Preisdiskrepanz, auf die der Bauexperte gestoßen ist? „Die Kundin G. hat insgesamt 16.145 Euro gezahlt“, lässt das Unternehmen durch seinen Anwalt mitteilen. Von „fast 18.000 Euro zuviel“, könne daher keine Rede sein. Gebhardt hat die Ergebnisse seiner Untersuchung an die Staatsanwaltschaft Wuppertal geleitet. Die Juristen ermitteln seit Wochen gegen Verantwortliche der DHC. Wie ist der aktuelle Stand? „Die Ermittlungen dauern an“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

* Name von der Redaktion geändert.

(mfi)

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