28.11.2009
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Krankengeld

Unglück im Unglück

Nach der Schock-Diagnose Krebs: Ein Handwerker steht offenbar vor dem Ruin, weil seine Krankenkasse mitten in der Behandlung die Zahlungen des Krankengeldes eingestellt hat.

Die Ärzte hatten bei Jürgen O. im Mai dieses Jahres einen Darmtumor diagnostiziert, schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung (OZ). Der 59-Jährige ist nach Informationen der Tageszeitung bei der AOK versichert, dort hatte er einen "so genannten Krankengeld-Wahltarif" abgeschlossen. Nach anfänglichen Verzögerungen seien die Zahlungen geflossen.

 - Foto: Bilderbox
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Was dann folgt, liest sich wie ein bürokratischer Albtraum: Nach vier Wochen erhält der selbstständige Handwerker aus Georgsmarienhütte (Niedersachsen) Post von der AOK, er solle bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) eine medizinische "Reha" beantragen. Die DRV lehnt das aus gutem Grund ab, schließlich befinde sich O. mitten in der Behandlung, an Reha-Maßnahmen sei nicht zu denken.

Der Knackpunkt: Ein medizinisches Gutachten der DRV stuft O. als "voll erwerbsgemindert" ein. Das wiederum bedeutet aus AOK-Sicht: "Der Anspruch auf Krankengeld verfällt." Die AOK nehme den "finanziellen Ruin" ihres Vaters in Kauf", sagt die Tochter des Handwerkers.

Nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung will die AOK über den Widerspruch des Handwerkers neu entscheiden. Bis es so weit ist, zahle die Krankenkasse wieder. "Eine Gnadenfrist für Jürgen O.", kommentiert das Blatt. Und die AOK zitiert die OZ so: "Es handelt sich um eine reine Einzelfallentscheidung. Wenn neue Fakten da sind, bewerten wir den Fall neu."

Es gibt innerhalb dieser Geschichte übrigens auch eine gute Nachricht: Die Behandlung schlägt gut an, seit Juni unterzieht sich O. einer Chemotherapie. Die Ärzte machen ihm Hoffnung, schreibt die OZ: "Er wird wieder arbeiten können." Wenn er bis dahin nicht pleite ist, muss man wohl hinzufügen. Fortsetzung folgt.

(sfk)

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3 Kommentare zu "Unglück im Unglück"

  1. Axel Steinwedel - 16.12.2009, 10:17 Uhr (Kommentar melden)

    Es gibt sicherlich mehrere Handwerksmeister die selbständig sind, einen Klein- oder Kleinstbetrieb (1-5 Mitarbeiter) leiten, mehrere Jahre oder Jahrzehnte nicht krank waren und plötzlich z.B. wie Herr Jürgen O. an einer nicht planbaren Erkrankung, wie z.B. Krebs erkranken. Wer plant so etwas schon!. Mir persönlich ging es nicht anders. Ab 01.01.2009 neuer Wahltarif der auch erst nach 14 Tagen gültig war obwohl ab 01.01.2009 abgeschlossen, 18. Mai nach mehrfachen Problemerklärungen bei anderen Ärzten im März und April und im Vorjahr eine Überweisung zur Gastroendoskopie mit Termin zum 18. Mai. Diagnose: Darmkrebs mit anschließendem CT und allem Stress und Ängsten die dazugehören. 1-ste OP am 26.05.2009, 2-te Not OP am 02.06.2009 mit künstlichem Darmausgang. Schei….! Wollte eigentlich bald wieder arbeiten. Entlassung am 16.06.2009 als nicht arbeitsfähig aber lasse mich in den nächsten 14 Tagen immer wieder mal in die Firma fahren von meinem Vater ca. 60 km hin und 60 km zurück um nach dem Rechten zusehen (3 Mitarbeiter und meine Frau). Auch meine Frau ist inzwischen körperlich + physisch an ihre Grenzen gestoßen. Am 30.06.2009 Rehaantritt mit 4 Wochen Aufenthalt. Entlassung als nicht arbeitsfähig bekomme während der Reha am 30.07. 2009 meine Kündigung meines z.Zt. bestehenden Wahltarifes zum 31.07.2009, da der Gesetzgeber diese Verträge vom 01.01.2009 – 31.07.2009 als nicht rechtens anerkennt. Ab dem 01.08.2009 wird mir ein neuer Vertrag angeboten auch mit Wahltarif. Da ich aber in der Zeit des „nicht Rechtens-Vertrages krank wurde“ bekomme ich großzügigerweise das Krankengeld bis 23.08.2009 (vom 26.06.2009) gezahlt. Danach muss ich leider, um meine Firma, die Mitarbeiter und mich mit meiner Frau nicht in Ruin zu treiben wieder arbeiten, trotz Chemotherapie und psychischer Belastung und trotz Stress, leider geht das nicht voll aber es muss ja irgendwie funktionieren! Nach dem Vertrag vor dem 01.01.2009 hätte ich ca. 1 ½ Jahre ab der 7 Woche Krankheit Krankengeld bekommen. Nach dem neuen „alten“ Vertrag kriege ich die aber erst wieder wen ich nicht am Darmkrebs sondern an einer anderen „hoffentlich“ schwerwiegenden Krankheit erkranke, was niemals geschehen möge. Dies alles zur meiner Sichtweise und zu ihrem wirklich interessanten Artikel. Unbekannterweise herzlichen Grüßen an alle mit der gleichen Problematik im Bezug auf dass Krankengeld haben und besonders an Herrn Jürgen O., und Gute Besserung an alle.

  2. Peter Meyer - 10.12.2009, 14:00 Uhr (Kommentar melden)

    Hallo, ich hoffe, dass Herr O. sein Geld bekommt Das Thema Krankengeld ist für selbstständig Krankentagegeld-Versicherte kaum durchschaubar. Viele haben gar keinen Anspruch, weil sie Arbeitnehmen beschäftigen. Man sollte die Satzungen der Krankenkassen ganz genau lesen und sich nicht auf mündliche Zusagen verlassen. Ich habe seid über einem Jahr einen Rechtsstreit mit der AOK wegen bezahlter Beiträge. Ich habe erst beim Wechsel zu einer anderen Krankenkasse erfahren, dass ich gar kenien Anspruch auf Krankengeld gehabt hätte, da ich keinen Verdienstausfall wg. meiner Mitarbeiter gehabt hätte. Auch auf den Formularen für die Anträge steht etwas von mehr als fünf Mitarbeitern. Dies ist aber in keiner Satzung zu finden, sondern wurde willkürlich von den Krankenkassen festgelegt ohne rechtliche Grundlagen. Ich möchte nicht wissen wie viele Versicherte jahrelang Beiträge zum Krankentagegeld gezahlt haben, ohne überhaupt einen Anspruch zu haben. Wenn der Krankheitsfall nicht eintrifft(und das ist ja die Regel) fällt dies überhaupt nicht auf. Dieses Thema ist sehr heikel und wird von den meisten Versicherern und der Politik Zurückhaltung behandelt, da es bei genauerem Hinschauen zu hohen Einnahmeverlusten führen würde. P.M.

  3. Werner Dickopf - 28.11.2009, 13:32 Uhr (Kommentar melden)

    Nach einer Bandscheiben OP in 2008 hat der sogenannte Rehaberater der Krankenkasse (TK) bei mir ähnliches Versucht. Erst kamen die offenen Unterstellungen, daß Handwerker die Kassen nur um das Krankengeld bescheißen und dann wurde auch schon mit dem Vertrauensarzt gedroht. Habe mich erfolgreich bei der Zentrale beschwert und nach einem Jahr die Kasse hin zur IKK gewechselt.