23.04.2010
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Gehaltsextras

Tankgutscheine machen Arbeit

Tankgutscheine als steuerfreies Gehaltsextra: Gute Idee, schwierige Umsetzung. Denn nicht jede Tankstelle macht dabei mit. Was Sie dagegen unternehmen können, lesen Sie hier.

von Jörg Wiebking

Tankgutscheine als kleines steuer- und abgabenfreies Extra - für Peter Offelmann ist das eine gute Idee. „Ich würde meinen Mitarbeitern gerne gelegentlich etwas zukommen lassen. Aber das ist gar nicht so einfach“, berichtet der Orthopädie-Schuhmacher-Meister aus Haldensleben.

Bei vier Tankstellen hat Offelmann es schon versucht - erfolglos. „Die wollen alle nur Gutscheine mit Euro-Beträgen ausstellen, doch die würde das Finanzamt nicht anerkennen.“ Denn solche Gutscheine sind nur steuerfrei, wenn kein Euro-Betrag darauf vermerkt ist.

Also probierte es der Handwerker mit einer anderen Lösung. Er bot an, ein Kundenkonto einzurichten, eigene Gutscheine auszustellen und den Betrag abbuchen zu lassen. „Darauf wollten sich die Tankstellen auch nicht einlassen.

Offelmanns Fazit: „ Was nützt so eine steuerliche Regelung, wenn sie sich in der Praxis nicht umsetzen lässt?“

Tankstellen scheuen den Aufwand
Sigrid Pook vom Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland kennt das Problem. „Tankgutschein bedeuten für Tankstellen ein sehr h Verwaltungsaufwand.“ Sie müssten den Gutschein einlösen, zusammen mit dem Kassenbeleg aufbewahren und am Monatsende abgestempelt dem Handwerksbetrieb übergeben.

„Das ist ein irrer Aufwand, der besonders kleine Tankstellen belastet, sagt Pook - und das bei einer Provision von 1 bis 1,2 Cent pro Liter. Andererseits seien Tankgutscheine nicht ungewöhnlich. Von ernsthaften Problemen, eine passende Tankstelle zu finden, höre sie zum ersten Mal. 

Ihr Tipp: Wahrscheinlich seien die Tankstellen zugänglicher für so ein Angebot, wenn ein Handwerksbetrieb mit seinem ganzen Fuhrpark Kunde sei und auch Service-Leistungen nutze.

Liter-Gutscheine sind bei Tankstellen kaum erhältlich
Hinzu kommt noch ein weiteres Problem, berichtet Jens Hanspach, Fachanwalt für Steuerrecht aus Willich: „Pächter oder Eigentümer von Tankstellen scheuen oft das finanzielle Risiko, das entsteht, wenn sie einen Gutschein mit Literangaben ausgeben würden und später der Literpreis steigt.“ Eine Tankstelle zu finden, die eigene, auf Litermengen ausgestellte Gutscheine ohne Euro-Angaben verkauft, sei daher sehr schwierig.

Tipp: Kundenkonto einrichten
 Daher sei es die beste Lösung, ein Kundenkonto einzurichten und eigene Gutscheine auszustellen - wenn sich die Tankstelle denn darauf einlässt. Dabei sollten Handwerker penibel auf die Anforderungen des Finanzamtes achten und vor allem Gutscheine nicht handschriftlich ausfüllen.  „Sonst wird das Finanzamt den Eindruck haben, dass der Gutschein erst nachträglich ausgestellt wurde und ihn nicht anerkennen“, warnt Hanspach.

Tipp: Sicherheit anbieten
Doch auch bei der Kundenkonto-Lösung bestehe für die Tankstelle noch ein Risiko, denn unter Umständen gehe sie in Vorleistung, bis das Kundenkonto abgerechnet wird. Wenn es nur daran liegen sollte, empfiehlt Hanspach bei der Tankstelle einen Betrag als Sicherheit zu hinterlegen, zum Beispiel 100 Euro.  

Letzter Ausweg: Chef fährt mit zum Tanken
Und wenn die Tankstelle sich auch darauf nicht einlassen will? Dann bleibe nur noch die Möglichkeit, dem Mitarbeiter einen Gutschein auszustellen und ihn dann zum Tanken zur Tankstelle zu begleiten, um dort den Betrag direkt zu bezahlen, da Mitarbeiter bei Gehaltsextras mit dem Bezahlvorgang nichts zu tun haben dürfen. Bei dieser Lösung sollten Handwerker gleich einen Zeugen notieren, der später gegenüber dem Fiskus bestätigen kann, dass der Chef die Tankfüllung persönlich bezahlt hat. „Dem Mitarbeiter einfach die Firmen-Tankkarte mitzugeben, ist jedenfalls keine Lösung“, warnt Hanspach. Das würde der Fiskus wie eine Geldleistung bewerten - und versteuern.

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