04.04.2013
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Eigenverbrauch als clevere Alternative

Strom vom Balkon

Holger Laudeley installiert Solaranlagen mit Stromspeicher für die unabhängige Energieversorgung. Ein eigenes Dach brauchen seine Kunden dafür nicht, zur Not tut es auch der Balkon. Seine Solaranlage kann man einfach aufhängen und einstöpseln.

Strom vom Balkon
Strom vom Balkon - Mit der Solaranlage von Holger Laudeley geht es auch ohne Dach
Mit der Solaranlage von Holger Laudeley geht es auch ohne Dach
Foto: Laudeley

Von Nicole Weinhold

Holger Laudeley ist Protagonist in dem Film „Leben mit der Energiewende“, der bisher schon allein auf YouTube rund 37 000-mal angeschaut wurde. Außerdem läuft er als Open-Source-Film in Kinos und an Schulen in ganz Deutschland. Der Energiewendestar aus Ritterhude nimmt kein Blatt vor den Mund. „Jetzt wird der Kampf geführt. Die bisherige zentralistische Energieerzeugungsstruktur muss durchbrochen werden“, sagt der technische Kopf der Firma Sun Invention. Als Laudeley Betriebstechnik seit 1982 aktiv, vertreibt und installiert der Handwerksbetrieb Photovoltaikanlagen und Stromspeicher.

In dem Film stellt der Elektro- und Kälteanlagenmeister die von seiner Firma entwickelte Solaranlage für den Balkon vor. Der Kunde kann sie selbst aufhängen. Der Stecker kommt in die Steckdose und der Strom fließt in den Haushaltsstromkreis. Einfacher geht es nicht.

„Das ist ein System für den kleinen Mann“, sagt Laudeley. „Jeder, der Photovoltaik-Strom erzeugen möchte, kann das machen und das System am Balkon, der Fassade oder auf der Garage flexibel einsetzen.“ Damit ist es ein Eigenverbrauchsmodell, das nicht nur den Hausbesitzer anspricht. Unumstritten ist es gleichwohl nicht: Der Verband der Elektrotechnik in Frankfurt warnt, Schutzfunktionen in der Steckdose könnten durch das Einstöpseln des Geräts möglicherweise nicht mehr voll greifen. Ein Fachmann sollte also hinzugezogen werden.

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1 Kommentar zu "Strom vom Balkon "

  1. Bernd Dechert - 09.04.2013, 15:25 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) warnt ausdrücklich vor der Verwendung dieser steckerfertigen PV-Anlage. Diese Systeme könnten nach Auffassung von Experten höchste Personen- und Brandgefahr bergen. In diesem Zusammenhang verweist der ZVEH darauf, das derzeit ein Gerichtsverfahren am Landgericht München II anhängig ist, bei dem darüber verhandelt wird, ob die Bewerbung dieser Produkte verboten werden soll.
    Auch das Forum Netztechnik / Netzbetrieb im VDE (FNN) warnt im Februar 2013 in einem Merkblatt: „Finger weg von Photovoltaik-Anlagen mit Steckern!“. Das Fachgremium weist ausführlich und kompakt auf mögliche Gefahren hin, die von solchen Anlagen ausgehen können und spricht sogar von „Lebensgefahr!“: „Die unsachgemäße Installation von Photovoltaikanlagen an der Steckdose kann Ihnen und anderen Menschen das Leben kosten. Das Einstecken einer Photovoltaik-Anlage in die Steckdose ist nicht mit dem Einstecken eines elektrischen Verbrauchsgerätes zu vergleichen. Der vertraute Schutzkontakt-Stecker verführt den elektrotechnischen Laien dazu, die Photovoltaik-Anlage selbst einzustecken und vorhandene Schutzorgane, wie Sicherungen, unwissentlich in ihrer Funktion negativ zu beeinflussen. Die Sicherungen der häuslichen Elektroinstallation können ihre Schutzfunktion nicht mehr im vollen Umfang erfüllen, da sie den in die Steckdose rückgespeisten Strom nicht erkennen und auf ihn nicht ordnungsgemäß reagieren können. Aus diesem Grund kann es bereits kurz nach dem Einstecken des PV-Moduls zum verheerenden Brand durch Überlastung des Stromkreises kommen.“ Außerdem macht das FNN darauf aufmerksam, dass Nutzer solcher Anlagen bei Schäden haften: „Ihnen droht die Strafe! Wer Photovoltaik-Anlagen in die Steckdose steckt, haftet auch für die Schäden. In diesem Fall sind sie selbst für ihr fahrlässiges Handeln verantwortlich. Schadensersatzansprüche haben Sie nicht, da Sie ihre Wohnung in einem solchen Fall „selbst“ angezündet haben. Schützen sie sich selbst vor diesem Alptraum, indem sie bei der Installation von Photovoltaik-Anlagen auf fachkundige Personen setzen.“
    Ebenso geht die Fachzeitschrift „PV-Praxis“ in ihrer Ausgabe 2/2011 ausführlich auf die Problematik ein: „Der Einsatz von Modulwechselrichtern mit Schukosteckern stellt eine Gefährdung der Sicherheit dar. Die sogenannte Plug&Play-Lösung für die Nutzung von Solarenergie muss daher von Fachleuten entsprechend gegenüber dem Endkunden dargestellt werden. Generell könnte eine Gefahr durch die berührbare Wechselspannung an den offenen Stiften des Schukosteckers entstehen.“ Was sich im ersten Moment schlüssig anhöre und zur Verbreitung von PV-Anlagen beitragen könnte, führe in der Praxis zu Problemen. „Die dezentrale Einspeisung in Steckdosenstromkreise erfolgt ohne die Überprüfung der elektrischen Sicherheit durch eine Fachkraft. Es besteht die Gefahr, dass unsichere Anlagen im Feld entstehen. Anstatt zur Verbreitung von Solaranlagen beizutragen, könnte durch Sach- oder Personenschäden ein schlechtes Licht auf die PV-Technik geworfen werden.“
    PV-Praxis rät dringend vom Einsatz dieser Module ab: „Auch wenn der Anschluss von Modulwechselrichtern mittels Schukosteckern verlockend ist, muss davon abgeraten werden. Durch die Nutzung dieser »Laienschnittstelle« ist die Sicherheit nicht gewährleistet. Durch unkontrollierten Zubau durch den Laien kann eine Brandgefahr durch Leitungsüberlastung entstehen. … Der Anschluss von Wechselrichtern mit Schukosteckern ist nach aktuellem Stand der Technik nicht möglich und gefährlich!“
    Bernd Dechert, Geschäftsführer „Technik“ beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH)