Brieföffner
Stählerner Schlitzer
Dinge, die Sie absolut nicht brauchen – aber garantiert haben wollen. Folge 42: einen Brieföffner. Nicht irgendeinen, sondern einen handgeschmiedeten.
Klar, man kann die Post auch mit den Fingern öffnen. Ein Kugelschreiber tut es auch. Einfach unter die Lasche des Briefes schieben – und ratsch. Aber seien wir mal ehrlich. Das ist ganz und gar nicht schön. Der Umschlag franst aus und Spaß? Spaß geht auch anders.
Wenn Ihnen das morgendliche Postritual auch auf den Geist geht, rate ich Ihnen, mal zum Schmied Ihres Vertrauens zu gehen. Meiner heißt Alfred Bullermann. Der Handwerker aus dem niedersächsischen Friesoythe fertigt aus Metall von der Großplastik bis zum fligranen RIng fast alles. Eisen ist sein Werkstoff.
Vor ein paar Jahren habe ich mal einen Brieföffner von ihm aufgetrieben. Der liegt seitdem auf meinem Schreibtisch. Und seitdem der dort liegt, ärgere ich mich manchmal richtig über mich selbst, wenn ich gedankenverloren einen Brief eben doch mit den Händen oder mit einem Küchenmesser geöffnet habe.
Dafür liegt der Brieföffner aus Friesoythe einfach zu gut in der Hand. Zumindest in meiner Hand. Meine Frau bevorzugt anderes Werkzeug für die Post. Denn das gute Stück ist wahrlich nicht gerade klein.
Gefertigt ist der Brieföffner ganz offenkundig aus nur einem Stück. Die Klinge geht nahtlos in den Griff aus kantigem Stahl über. Am Ende ist der Vierkant um 180 Grad rund geschmiedet. Der weitere Verlauf des Eisens stellt so den unteren Teil des Griffs dar. Das Ende ist dann kurz vor der Klinge um das obere Stück Stahl "gewickelt". Und fertig ist der ungewöhnlichste Brieföffner, den ich bis dato gesehen habe.
Keine Frage: Der stählerne Schlitzer hat etwas Archaisches. Aber vielleicht liegt gerade in der urwüchsigen Form und dem rohen Material der Reiz. Es ist auf alle Fälle immer wieder ein kleiner Moment der Freude im Büroalltag, mit dem Brieföffner zu Werke zu gehen. Probieren Sie es aus.
Haben Sie auch solch einen Büroliebling? Einen alten Kugelschreiber, von dem Sie sich nicht trennen können? Einen Lieblingsblock oder Ähnliches? Vor Jahren haben wir zum Beispiel mal über einen Tischlermeister berichtet, der wichtige Aufträge ans Hirschgeweih hinter seinem Schreibtisch hängt. Kennen Sie ähnliche Büroskurrilitäten? Dann schreiben Sie mir an hamacher@handwerk.com.
(ha)
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