15.04.2010
0 Bewertung(en) Rating
Schriftgröße

Beruf und Familie

So planen Sie mit Mitarbeitern in Elternzeit

Kindererziehung ist längst nicht mehr nur Sache der Frauen. Auch immer mehr Väter nutzen die Elternzeit. Für kleine Betriebe eine Herausforderung. Doch mit gezielter Planung kein Problem.

von Martina Jahn

Als ihre Tochter schwanger wurde, hatte Erika Lüder neben viel Freude auch ein Problem: Die Stelle der Meisterin in der familieneigenen Lackiererei musste neu besetzt werden. Denn vom ersten Tag an war der jungen Frau die Arbeit wegen der giftigen Dämpfe untersagt. "Mein Mann musste für sie einspringen", berichtet Lüder. Der Chef des Sieben-Mann-Unternehmens Karlolack hatte sich zur Kundenberatung aus der Werkstatt zurückgezogen. "Ohne ihn wäre das erst mal problematisch geworden", sagt die 58-Jährige heute.

 - Foto: MEV
Foto: MEV

Einige Zeit später gründete auch ihr Sohn eine Familie. Auch er ist im elterlichen Betrieb angestellt. „Als das Kind zur Welt kam, war klar, dass er sich mindestens zwei Monate ganz auf seine Familie konzentrieren möchte“, berichtet die Unternehmerfrau aus Sassenburg bei Gifhorn. Den zweiten Monat seiner Elternzeit hat ihr Sohn gerade am Anfang des Jahres genommen. Er hat die Elternzeit gestückelt – so wie es im Betrieb zeitlich passte. Und er war nicht der erste Vater, der den gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit wahrgenommen hat.



Mehr Männer nehmen sich Zeit für ihre Kinder
Generell nutzen mehr Männer die Gelegenheit, sich um die Familie zu kümmern, seitdem die Elternzeit 2007 eingeführt wurde. "Das größte Problem ist, dass die Mitarbeiter in den Betrieben oft erst sehr spät Bescheid sagen", berichtet Christina Völkers, Leiterin der Koordinierungsstelle zur Frauenförderung der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Oft trauen sie sich nicht, ihr Vorhaben anzukündigen. Es sei eben noch ungewöhnlich, dass auch Männer sich um ihre Kinder kümmern wollen.

In einem Flyer weist die Handwerkskammer auf die Chance der Elternzeit für Betriebe und Mitarbeiter hin. "Wir wollen sensibilisieren", sagt Völkers. Denn je eher ein Mitarbeiter seine Auszeit ankündige, desto leichter sei es, die Lücke zu schließen. Unternehmern, die mit dem Thema nicht vertraut sind, empfiehlt sie: "Führen Sie Gespräche und informieren Sie über die Elternzeit." Verständnis und der Rückhalt im Team seien zwei wichtige Faktoren. Denn schließlich könne jeder plötzlich ausfallen, beispielsweise, wenn er einen Pflegefall in der Familie hat. Dann besteht auch gesetzlicher Anspruch auf Pflegezeit.

Gemeinsam Lösungen erarbeiten
Wo wiederum Elternzeit schon ein Thema sei, sollten sich Chefs bei der Lösungsfindung mit einem Teil des Teams oder der ganzen Mannschaft zusammensetzen. Nimmt ein Mitarbeiter – wie im Beispiel Lüder – nur zwei Monate Elternzeit, könne man versuchen, die Urlaube der Kollegen entsprechend zu gestalten. "Da müssen aber alle dahinterstehen", betont Völkers. Auch Aufträge könnten zugunsten des Fehlenden mit Abstimmung der Kunden zeitlich verlagert werden.

Plant jemand ein halbes Jahr oder eine längere Auszeit, empfiehlt Völkers, dem Mitarbeiter anzubieten, trotzdem einige Stunden zu arbeiten. "Dann verliert derjenige nicht den Kontakt zu den Kollegen und zur Materie. In einem halben Jahr kann sich viel ändern." Völkers weiß, dass man die Einstellung zur Elternzeit für Väter nicht von heute auf morgen ändern kann. "Das ist ein Prozess." Doch in enger Zusammenarbeit seien Lösungen möglich, die speziell auf den Betrieb passen. Unternehmerfrau Lüder rät anderen Betrieben, offen mit dem Thema umzugehen. Engpässe habe sie auch schon durch Zeitarbeit aufgefangen. "Es muss ja keine Schwangerschaft sein, es kann schließlich immer von heute auf morgen etwas passieren. Und dann müssen wir durchdacht reagieren", sagt sie.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, was Sie bei der Planung der Elternzeit beachten sollten.

 
1 | 2
Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?