Nicht jeder Zahnarzt setzt neue Techniken ein. Darunter leiden Zahntechniker und Patienten.
Das wichtigste Wort unter Zahntechnikern? Trotzdem! Seit Jahren erleidet die Branche einen Abwärtstaumel. Trotzdem! Die Labors wollen überleben, sie müssen ihren Mitarbeitern eine Perspektive geben. Mit innovativen Techniken sei diese Vision realistisch, sagt Frank Prusseit. Der Zahntechnikermeister aus dem niedersächsischen Lehrte sieht nur ein Problem: Viele Zahnärzte würden den Weg in die Gewinnzone blockieren, die Zahnärzteschaft sei zunehmend überaltert und stelle sich nur ungern auf neue und kosmetisch anspruchsvolle Behandlungsmethoden ein. Dass diese häufig kostengünstiger sind, ist auch aus Patientensicht interessant.
Die Zahnärzte aus den finanziell verheißungsvollen Boomjahren der Zahnmedizin, die jetzt „so langsam in die Jahre kommen“, haben ihre Methoden nur „peripher weiterentwickelt“, meint Prusseit. Ärzte und Handwerker, die auf computerunterstützte Verfahren setzen, lesen den Zahnstumpf mit CAD-Techniken ein, der Zahnersatz wird mit optischen Geräten erfasst und mit Fräseinheiten automatisch gefertigt. Gerade bei vollkeramischen Restaurationen wird so eine extreme Genauigkeit und Qualität erreicht. Unter zahnästhetischen Gesichtspunkten sei die Keramik ohnehin das Material der Wahl, sagt Prusseit. Einziger Haken: Die Behandler müssten sich auf die Möglichkeiten einlassen.
Der Vize-Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) , Dr. Dietmar Oesterreich, widerspricht Prusseits Thesen. Das Fortbildungsverhalten deutscher Zahnärzte sei nachgewiesen erstklassig, und insgesamt steige die Zahl der niedergelassenen Ärzte seit Ende der 80-er Jahre ständig. Innovative Techniken finden „zunehmend Eingang in den Versorgungsalltag“, sagt Oesterreich (sein vollständiges Statement finden Sie hier). Fakt ist aber auch: Während 1990 noch 2533 Zahnärzte neu zugelassen worden sind, waren es 2007 es nur 1222.
Für die Patienten zahlen sich moderne Methoden übrigens in barer Münze aus. Denn: Die Goldpreise sind explodiert, ein Gramm kostet derzeit 34 Euro, und fünf bis sechs Gramm kommen bei einem Seitenzahn zusamen. „Es gäbe genug Patienten, die schöne Keramik-Arbeiten anfertigen lassen würden – wenn ihre Zahnärzte sie auf die Alternative hinweisen würden“, sagt Prusseit.
Die Realität sehe viel zu oft anders aus: Patienten erhalten einen komplizierten Heil- und Kostenplan über mehrere tausend Euro, wissen aber nicht, was sie dafür bekommen. Eine weiße Kaufläche? Oder eine in Metall? Innovative Zahnärzte setzen elektronische Medien ein und zeigen ihren Kunden, was sie für ihr Geld bekommen. „Dann entscheidet der Patient, was er will, was er sich leisten kann.“ Zuhause, wohlgemerkt, in aller Ruhe. Und nicht auf dem Rücken im Behandlungsstuhl, in der „Demutshaltung“ vor dem Mediziner.
Welche zahntechnischen Labors sieht Prusseit auf der Siegerstraße, welche Betriebe können sich gegen die Konkurrenz aus China und Ost-Europa behaupten? Ganz klar die Kollegen, die in neue Techniken investiert haben, die hochspezialisiert sind und gut mit für diese Techniken aufgeschlossenen (jungen) Zahnärzten zusammenarbeiten: „Die haben heute die Bude voll, die können sich kaum retten vor Aufträgen.“
(sfk)
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03.07.2008
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