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01.07.2008
HANDWERK
AKTUELL
Neuland im Norden
Norwegen_Fahne
Handwerker brechen nach Norwegen auf. Millionenschwere Aufträge locken. Die Qualitätsstandards sind hoch, die Regeln komplex.

Mit Platt geht es. Diedrich Buck versteht Briefe in Norwegisch auch ohne Dolmetscher – zumindest einigermaßen. Wörter, die er noch nicht kennt, liest sich der Bauunternehmer aus Bremervörde laut vor. „Man hört oft den plattdeutschen Ausdruck heraus“, schmunzelt er. Seit zwei Jahren hat er Auftraggeber in Skandinavien. Und Wortschatz und Umsatz wachsen und wachsen.

Der norwegische Konjukturmotor schnurrt. Die Betriebe sind ausgelastet, den Bauherren bleibt nichts anderes übrig, als über die Grenze zu spähen. Deren Blick richtet sich vor allem nach Deutschland. Dem Handwerk eilt ein guter Ruf voraus, und viele Chefs spielen mit dem Gedanken, Neuland im Norden zu betreten. Fragt sich: Wie erreicht man das Ziel?

Qualitätsmanagement ist "sehr wichtig"

Diedrich Bucks Spezialität ist der Holzrahmenbau. Der Markt in Norwegen ist für ihn wie geschaffen. „Mehr als 90 Prozent aller Häuser sind aus Holz“, berichtet der Bauingenieur. Als Generalunternehmer stemmt er mit seinen 60 Mitarbeitern jeden Auftrag – vom Einfamlienhaus bis zur Hotelanlage. Neben Zimmerern, Dachdeckern und Tischlern beschäftigt er Maurer, Betonbauer, Schlosser und Maler. Dazu kommen Ingenieure und Architekten, die die Statik berechnen und die Konstruktionspläne erstellen.

Die Messlatte für die Mitarbeiter liegt hoch. „Das Qualitätsmanagement ist sehr wichtig in Norwegen“, sagt der Chef. Um zu zeigen, wie wichtig, braucht er beide Hände – der Aktenordner mit den Vorschriften muss schwer wiegen. Bucks Holzbautechnik ist mit dem RAL-Gütezeichen zertifiziert. „Es gibt bei uns kein Teil ohne Ü-Zeichen“, sagt er. Regelmäßig zertifizieren lässt er auch die Montagetechnik. Auf dieser Basis könne er am Markt bestehen.

Wie übertragbar sind deutsche Normen? Die Vorgaben für die Statik oder den Wärme- und Brandschutz seien ähnlich, betont der 54-Jährige. Bei Kabel und Leitungen sehe es anders aus. „Würden wir nach deutschen Standards arbeiten, hätten wir verloren.“ Um auf der sicheren Seite zu sein, hat er einen norwegischen Bauleiter eingestellt, der die „Godkjenning“ hat. Ohne diese Zulassung, um die sich auch Ausländer bemühen können, darf auf Baustellen nicht gearbeitet werden.

Zehn Prozent Bürgschaft

Buck setzt den Bauleiter, der fließend Deutsch spricht, auch dafür ein, neue Aufträge an Land zu ziehen. Wie in Deutschland sind Kontakte und Referenzen das A und O. Was der Unternehmer bedenken muss, wenn ein dicker Fisch an der Angel zappelt: „Ich muss mir den Auftrag leisten können.“ Zehn Prozent der Auftragssumme gilt es, als Bürgschaft zu hinterlegen. Für den Bremervörder sind das sechsstellige Beträge. Doch die parkt er gerne. Ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet der Betrieb inzwischen in Norwegen.

Das Auslandsgeschäft entwickelt sich so gut, dass der Chefs darüber nachdenkt, eine Zweigstelle zu eröffnen. „Es winkt ein großer Auftrag – eine Hotelanlage“, erklärt er. Bekommt er den Zuschlag, werden seine Monteure mehr als 183 Tage – aufs Jahr gerechnet – im Einsatz sein. Das bedeutet, dass er sie in Norwegen anmelden muss.

"Englisch, Hände und Füße"

Derzeit pendeln Bucks Zimmermeister Heiko Pape und seine Kollegen in einem festen Rhythmus. Sonntags brausen sie mit dem Bulli los – die vorgefertigten Holzhaus-Teile transportiert eine Spedition. Zwölf Tage später kommen sie zurück und bleiben vier Tage in Bremervörde. Dann brechen sie wieder auf. Das Land gefällt ihnen. Nur mit dem „vielen Schneeschippen“ kann sich so mancher nicht anfreuden. Dafür umso leichter mit den „sympathischen Norwegern“. Die Verständigung allerdings erfordert nicht selten „Englisch, Hände und Füße“. Auf Baustellen ist die erste Sprache Norwegisch.

Das bereitet auch Diedrich Buck noch Probleme. Die Gespräche in der Landessprache überlässt er seinem Bauleiter. Und wer übersetzt, wenn Verträge nach Bremervörde geschickt werden? „ Ich habe einen Bruder, der ist sehr sprachbegabt.“



Weiterlesen:
  [Neuland im Norden]
  [Aufträge in Norwegen: Rechtlicher Rahmen]


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