16.03.2010
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Schattenwirtschaft

Schwarzarbeit: Ein gigantisches Konjunkturprogramm

Schon mehrfach hat die Bundesregierung der Schattenwirtschaft den Kampf angesagt. Doch in der Praxis tut sie wenig. Möglicher Grund: Gerade in Krisenzeiten kurbelt Schwarzarbeit die Wirtschaft an.

 - Foto: Bilderbox
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Schwarzarbeit "stärke die Binnennachfrage und sichert den Beschäftigten ein zusätzliches steuerfreies Einkommen“, konstatiert die ARD-Sendung Kontraste .

Die Macher der Sendung haben einen so genannten „Baustellenläufer“ begleitet. Der Mann fahnde im Auftrag der Bauwirtschaft Berlin-Brandenburg nach Schwarzarbeitern. Das sei eigentlich Aufgabe des Zolls, doch von dessen Arbeit sei die Fachgemeinschaft Bau enttäuscht: „Die Bekämpfung der Schwarzarbeit durch den Staat ist absolut unzureichend“, kritisiert ein Sprecher.

Die Leidtragende der Schwarzarbeit sei die mittelständische Wirtschaft: Ehrliche Betriebe bekommen immer weniger Aufträge, da sie angeblich zu teuer sind. Also übernehmen Baustellenläufer den Job des Zolls. Wenn auf einer Baustelle beispielsweise kein Logo einer Baufirma hängt oder Transporter nicht beschriftet
sind, ist das Sicht der Kontrolleure verdächtig.

Die Indizien für Schwarzarbeit liefern die Baustellenläufer beim Zoll ab – der werde erst dann aktiv. Die Trefferquote liegt laut Kontraste bei über 90 Prozent.

Für die Fachgemeinschaft Bau sind die Kontrollen jedenfalls viel zu lasch. 6000 Zöllner
für das gesamte Land seien zu wenig, die Kontrollen dementsprechend löchrig.

Vielleicht sieht die Regierung die Schwarzarbeit ja auch als „gigantisches Konjunkturprogramm". „Die Leute arbeiten schwarz, weil sie sich ein neues Auto kaufen wollen, weil der Fernseher kaputt ist, weil sie noch ein zweites Mal in den Urlaub fahren wollen“, sagt der Wirtschaftsforscher Professor Friedrich Schneider. Jährlich strömten zwischen 100 und 150 Milliarden Euro zusätzlich in die Wirtschaft. Das kompensiere immerhin einen Teil der Steuerverluste.

Vielleicht ist die Schattenwirtschaft ja wirklich ein gigantisches Konjunkturprogramm. Im Gegensatz zur Großen Koalition hat die jetzige schwarz-gelbe Regierung jedenfalls nicht einen Punkt zur Bekämpfung der
Schwarzarbeit in ihrem Koalitionsvertrag stehen.

(ja)

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5 Kommentare zu "Schwarzarbeit: Ein gigantisches Konjunkturprogramm"

  1. handwerksmeister - 11.06.2011, 15:34 Uhr (Kommentar melden)

    Die 1-Euro-Jobber könnte man doch auch zur Bekämpfung der Schwarzarbeit als Kontrolleure einsetzen, dann hätten diese Personen wenigstens ihr Selbstwertgefühl zurück und öfter mal ein Erfolgserlebnis, statt den Dreck der etablierten Arbeitnehmer wegzuräumen, und die Schwarzarbeit würde gleichzeitig bekämpft. Eine Senkung der Steuern für Handwerksleistungen und Förderung der Betriebe (Zuschüsse, Steuervergünstigungen, ermäßigte GEZ-Gebühren) senkt die Kosten auch für den Kunden. Schärfere Sanktionen und größere Kompetenzen für die Kammern zur Eindämmung der Schwarzarbeit.

  2. S.Waiblinger - 17.09.2010, 09:26 Uhr (Kommentar melden)

    Die einfachste Variante, die Schwarzarbeit zu senken wäre eine Besteuerung wie bei den Lebensmitteln - auf Arbeitsstunden die separat auf Rechnungen ausgewiesen sind nur 7%. Dafür kann dann das Material höher angesetzt werden - Arbeit ist genau so lebensnotwendig wie Lebensmittel und jeder sollte sich dieses Gut leisten können. Und wegen 7% verzichtet keiner auf die Fachkenntnis und Gewähleistung des Handwerks.

  3. Mathias Drewes - 09.04.2010, 09:29 Uhr (Kommentar melden)

    Warum reden wir eigenlich immer von dem "Transporter ohne Logo" und dem "fehlenden Bauschild" an der Baustelle? Viel Schlimmer finde ich persönlich die Fälle, wo selbstverständlich ein Firmenwagen und ein Bauschild vorhanden ist, man jedoch genau weiß, daß der Kunde nur das Material zum Schleuderpreis bezieht und die "Abrechnung" der Montage "direkt" mit dem Arbeitstrupp erfolgt. Von dort gibt es den Obolus an den Firmenchef für Fahrzeug und Werkzeugnutzung und alle sind glücklich. Bis auf den Staat und den ehrlichen (steuerzahlenden) Handwerker!

  4. Hellmar Gieseler - 03.04.2010, 15:22 Uhr (Kommentar melden)

    Hellmar Gieseler Malermeister Es ist nicht nur schlimm, dass die Schwarzarbeit zu wenig kontrolliert wird, sondern von den Berufsgenossenschaften noch unterstützt wird! Bei einem nicht versicherten Schwarzarbeiter übernimmt nähmlich die BG. die Kosten nach einem Unfall ! Was soll eigentlich noch passieren, bis unsere Gedunld an einer Schmerzgrenze ankommt und wir auf die Straße gehen? Lächerlich ist auch die Aussage der Politik, Arbeitsplätze zu schaffen. Handwerkliche Leistungen müssen bezahlbar sein, dann schafft man auch Arbeitsplätze. Sicher ist es schwierig dieses einem Politiker klar zu machen. Die Schwarzarbeit würde dann von allein sinken!

  5. Rainer Braun - 18.03.2010, 10:20 Uhr (Kommentar melden)

    Schwarzarbeit kurbelt die Wirtschaft an? Soll das bedeuten dass die Schattenwirtschaft zum neuen Konjunkturprogramm erhoben wird damit sich Schwarzarbeiter mehr leisten können? Als Malermeister habe ich schon mehrere Aufträge nicht ausführen können weil der Kunde sich erst einen kostenlosen VK bei mir einholte, die Arbeiten jedoch von ArbeitslosenHartz4-Empfängern ausführen ließen. Wenn dann der Pfusch dieser Leute wieder in Ordnung gebracht werden muss, erledigt das ein anderer Kollege denn bei mir meldet sich der Kunde nicht mehr! Als ehrlicher Betrieb bekomme ich immer weniger Aufträge unterstütze durch meine Abgaben dennoch diese Schwarzarbeiter mit meinen Steuerzahlungen. Ein gigantisches Konjunkturprogramm?? Pfuii