Geldgrab oder Goldgrube für das Handwerk? Der Chef von My-Hammer, Markus Berger-de León, hat sich unbequemen Fragen gestellt.
Das Handwerk hat vergangenes Jahr 500 Milliarden Euro umgesetzt. Wie viel haben Betriebe mit My-Hammer verdient?
Mehr als hundert Millionen Euro. Wir rechnen damit, dass dieser Anteil in den nächsten fünf Jahren um das Fünfzigfache steigen wird – also auf etwa fünf Milliarden Euro. Langfristig gesehen, glaube ich, wird das Handwerk 20 bis 25 Prozent seines Umsatzes über Auftragsportale erwirtschaften.
Bisher kommen so fast nur kleine Geschäfte zustande. Warum gibt es nur selten große Aufträge auf Ihrer Website?
Das Auftragsvolumen auf My-Hammer liegt durchschnittlich zwischen 1000 und 1500 Euro – Jobs für Babysitter oder Putzhilfen eingerechnet. Größe und Anforderungen nehmen zu. Immer öfter handelt es sich um Aufträge in Gewerbeimmobilien – zum Beispiel lassen Anwälte oder Steuerberater ihre Büros einrichten. Wir arbeiten uns Stück für Stück die Leiter hoch. Und wir stärken das Vertrauen in unsere Plattform.
Handwerker sprechen von einer Plattform für Preisbrecher und Schwarzarbeiter. Und sie kritisieren, dass viele vermeintliche Kunden Aufträge im letzten Moment stornieren.
Den Zuschlag erhält nicht automatisch der mit dem billigsten Angebot. Bei 50 Prozent aller Vergaben steht im Vordergrund, wie Kunden den Handwerker bewertet haben. My-Hammer zeigt das Preis-Leistungsverhältnis. Eine solche Transparenz hat es noch nie gegeben auf dem Markt. Was Stornierungen angeht: Künftig werden wir für jeden Kunden eine Vergabequote ausweisen.
Aber ob die Auftraggeber zahlungskräftig sind, das interessiert Sie nicht?
Wir überlegen zurzeit, auch die Bonität zu prüfen. Was unsere Daten schon jetzt zeigen: Die meisten Auftraggeber sind zwischen 25 und 44 Jahre alt und haben eine Eigentumswohnung oder ein Eigenheim. Es sind vor allem Akademiker und Familien mit Kindern. Das Einkommen der My-Hammer-Nutzer liegt also über dem Durchschnittseinkommen.
Wie vergeben Sie selbst Aufträge an Handwerker?
Alle über das Portal. Erst kürzlich habe ich einen Treppenhandlauf machen lassen. Meine Preisvorstellung: 3000 Euro. Das erste Angebot lag 500 Euro darunter und kam von einem Handwerker mit guter Bewertung. Als ich neulich meine Fenster putzen lassen wollte, hatte ich eine Stunde später drei gute Angebote. Wenn der Preis meinen Vorstellungen entspricht und der Handwerker von Kunden gelobt wird, vergebe ich den Auftrag sofort. Das machen viele Nutzer von My-Hammer so. Für Handwerker heißt das: Sie müssen schnell sein mit ihren Geboten.
Ständig werden neue Auktionsportale aus dem Boden gestampft. Wie viele davon braucht das Handwerk?
Der Markt konsolidiert sich. Das wird ähnlich ablaufen wie bei den Auktionshäusern für Produkte. Dort beherrscht Ebay das Geschäft. In unserem Segment bleiben ein bis zwei Portale übrig.
Vielen Dank für das Gespräch.
(mfi)
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18.04.2008
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