Darstellung im Fernsehen
RTL muss Handwerker Schmerzensgeld zahlen
Alptraum eines Handwerkers in einer ländlichen Gemeinde: Der 63-jährige war von dem Privatsender RTL als "quasi überführter Drogendealer" dargestellt worden – zu Unrecht.
Die Vorgeschichte: Zollbeamte halten den Handwerker im vergangenen Winter an und durchsuchen sein Auto. Der Wagen ist auf den SHK-Betrieb seines Sohnes in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Kranenburg zugelassen. Unter dem Fahrersitz finden die Beamten ein Tütchen Marihuana.
Wie sind die Drogen dorthin gekommen? Das kann der Mann nicht erklären. Und das sei auch "kein Wunder – seine Unschuld ist längst gerichtlich festgestellt, im Prozess wegen Drogenbesitzes wurde der Handwerker bald freigesprochen", berichtet die
Rheinische Post
(RP).
Das alles dürfte schon peinlich gewesen sein, aber das dicke Ende kam erst noch. Denn: Ein Kamerateam von RTL hatte die Durchsuchung gefilmt. Die Sendung "Extra" zeigte nicht nur die beiden Zollbeamten, auch der "vermeintliche Drogenschmuggler" war gut zu erkennen.
Außerdem hatten die Mitarbeiter des Privatsenders zwar das Kennzeichen des Lieferwagens verdeckt, aber "die Firmenaufschrift war deutlich zu erkennen". In dem Magazin-Beitrag war laut RP folgender Satz zu hören: Die Zöllner "haben ein Näschen für Kriminalität und merken, dass hier irgend etwas nicht stimmt".
Die Vorverurteilung hatte ihre Folgen: Der 63-Jährige wurde in Kranenburg als "habgieriger Drogenhändler beschimpft", auch geschäftlich musste er "zahllose Anfeindungen ertragen".
Mit einer Klage gegen RTL hatte der Mann jetzt Erfolg. "Das alles hätte so nie über den Sender gehen dürfen, die Persönlichkeitsrechte des Mannes sind massiv verletzt worden", zitiert die RP den Richter. RTL muss
15.000 Euro zahlen. Der Anwalt des Handwerkers gegenüber RP: "Dass der Betroffene nicht gegen die Aufnahmen widersprochen hat und das als Einwilligung gesehen werden soll, ist doch realitätsfremd. Wer hat in einer solchen Situation Augen dafür, dass da eine Kamera läuft? Niemand!"
(sfk)
