EU-Bürokratie
Ohne Kohle keine Knete
Plötzlich haben Sie eine Eingebung. Die Idee könnte Ihre Arbeit revolutionieren, Ihre Kollegen werden jubeln, Ihr Bankkonto wird explodieren. Das klingt prima. Es funktioniert nur nicht so einfach. Leidensbericht eines patenten Handwerkers.
Über einen Tischler mit einer "patentwürdigen Idee" berichtet der Westdeutsche Rundfunk: Lothar Kleinbylen ist im nordrhein-westfälischen Tönisvorst auf den Einbau von Fenstern spezialisiert.
Eines Tages fragte er sich: "Wie kann man die Fenster vernünftig befestigen, wenn die Fassaden zunehmend mit weichen Dämmmaterialien isoliert werden?"
Kleinbylens Lösung: ein Montageanker mit Getriebeeinheit. Sieht aus wie eine simple Metallschiene,
schreibt der WDR
, könnte aber den Fenstereinbau "revolutionieren".
Kleinbylens Berater hat errechnet, dass sich europaweit "Millionen von den Teilen" verkaufen werden.
Für jedes Land Verwaltungskosten
Was der Tischler nicht wusste: Die EU hat kein gemeinsames Patentverfahren. "In keinem anderen Wirtschaftsraum der Welt ist es so teuer und aufwendig, seine Ideen schützen zu lassen", schreibt der WDR.
Zwar konnte Kleinbylen ein "Europäisches Patent“ beantragen. Dennoch gelte: In jedem einzelnen Land, in dem das Patent greifen soll, werden Gebühren fällig. In jedem einzelnen Land muss ein eigenes Verfahren in Gang gesetzt werden.
Der patente Tischler hat das bislang in zwölf Ländern erreicht. Kosten: stolze 25.000 Euro. Da wird sich der Montageanker tatsächlich durchsetzen müssen ...
(sfk)
