21.04.2009
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Nur keine Kostendrückerei

Fast die Hälfte der Unternehmer lässt ihre Kunden mitarbeiten. Ein weitverbreiteter Trend, von dem beide Seiten profitieren können, meint ein Experte.

Fast die Hälfte der Unternehmer lässt ihre Kunden mitarbeiten. Ein weitverbreiteter Trend, von dem beide Seiten profitieren können, meint ein Experte.

Auf die handwerk.com-Umfrage "Wollen auch Ihre Kunden vermehrt mitarbeiten?" antworten 46 Prozent der Unternehmer: "Schon, aber damit habe ich kein Problem." Für 34 Prozent der Befragten steht das Thema Eigenleistung nicht zur Debatte: "Nein, meine Kunden setzen auf mein Können", sagen sie. Lediglich 20 Prozent sind genervt von dem Trend:"Ja, das wird echt immer schlimmer."

Mit Kunden, die mitarbeiten, hat der rheinland-pfälzische Bauunternehmer Udo Rosteck gute Erfahrungen gemacht. "Natürlich prüfe ich jedes Mal, dass der Kunde keinen Pfusch abliefert, und stelle meine Prüfleistung in Rechnung." Gerade einfache Arbeiten wie Rohre verlegen oder Durchbrüche klopfen könnten Kunden gut in Eigenarbeit erledigen. "Ich kann mich auf diese Weise verstärkt auf anspruchsvollere Arbeiten konzentrieren", sagt Rosteck.

Dass er den Trend zur Eigenleistung seit Jahren bemerkt, sagt Günter Voß, Arbeits- und Industriesoziologe der Universität Chemnitz. "Generell ist das ein gutes Modell, aber nur, wenn es nicht zur Kostendrückerei führt." Der Unternehmer dürfe den Kunden also nicht Minderwertiges aufschwatzen, damit er den Preis drücken kann. Und der Bauherr solle nicht ausschließlich auf die Kosten schauen.

Laut Voß hat sich eine Kultur des "Einmischens" entwickelt: Der Kunde möchte mitreden und hat auch Spaß daran, selbst etwas zu tun. Aber das Endprodukt müsse professionell ausfallen. Nur dann könne der Fachmann seine Aufträge und damit auch seinen Arbeitsplatz sichern.

"Die Qualität muss stimmen. Der Handwerksmeister muss sich außerdem rechtlich absichern", sagt Voß. Wenn die Eigenleistung "gut organisiert" sei, stehe ihr nichts im Wege. "Der Unternehmer muss seine Vorgaben klar und deutlich kommunizieren und die Kunden dementsprechend anleiten." Diese Art von Aufträgen seien anspruchsvoller als ganz Normale.

So wird auch einem anderen Phänomen vorgebeugt: Den Handwerker erst dann rufen, wenn der Heimwerker gepfuscht hat. Solche Geschichten erlebt Udo Rostek immer wieder: "Wenn wir das Alte beseitigen und neue Installationen ausführen, fragen die Kunden meist gar nicht nach dem Preis."

(ja/bw)

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