Neidisch auf die Konkurrenz
Offenbar ein vertrautes Gefühl: Beinahe die Hälfte der handwerk.com-User gönnt nicht allen Mitbewerbern ihren Erfolg. Doch woher kommt die Missgunst?
Offenbar ein vertrautes Gefühl: Beinahe die Hälfte der handwerk.com-User gönnt nicht allen Mitbewerbern ihren Erfolg. Doch woher kommt die Missgunst?
Auf unsere Umfrage: "Faktor Neid: Wie reagieren sie auf den Erfolg anderer Betriebe?" antworten 45 Prozent der Unternehmer: "Mal so, mal so: Das kommt ganz auf den Kollegen an." Keinen Anlass für das unerfreuliche Gefühl haben 39 Prozent: "Gute Umsätze sind das Ergebnis guter Arbeit", sagen sie. Jeden Achten "interessieren nur die eigenen Geschäfte". Ganz grundsätzlich missgönnen vier Prozent der Konkurrenz ihren Erfolg: "Die anderen liefern auch keine bessere Qualität ab."
"Neid kann aufkommen, wenn aus zwei gleichen Ausgangssituationen ohne erkennbaren Grund unterschiedliche Ergebnisse hervorgehen", sagt der Frankfurter Neidforscher Prof. Rolf Haubl. Eine tiefere Ursache des Neides liege oft in der persönlichen Geschichte. Wenn jemand immer wieder benachteiligt werde, sei sein Selbstwertgefühl zumeist angeknackst. In den Erfolgen der anderen sehe er dann leicht eine Bestätigung der eigenen Minderwertigkeit. Reaktion: Neid. Nicht gegen alle gleichermaßen richtet sich jedoch der schräge Seitenblick: "In der Regel dämpft die Zugehörigkeit zum eigenen sozialen Kreis diese Gefühle", sagt der Professor.
Laut Haubl gibt es auch einen guten Grund für Missgunst: ein Kontrahent, der mit dem, was er mehr hat, prahlt und andere beschämt. Die Reaktion auf ein solches Verhalten heiße in der Neidforschung allerdings streng genommen nicht Neid, sondern "Empörung" und in der Rechtstheorie "entschuldbarer Neid".
Ein Ausweg aus der Missgunst? "Lassen Sie im ersten Schritt Ihre Gefühle zu, fragen Sie sich dann, mit wem Sie sich vergleichen", rät Haubl. Möglicherweise sei der Vergleich unrealistisch und das Begehrte liege zu fern. "Bis zu einem gewissen Grad ist Neid ehrgeizig-stimulierend", erklärt der Wissenschaftler. Denn der Vergleich mit anderen schaffe Anreize für die eigene Entwicklung. Für die Umsetzung brauche man allerdings eine Vorstellung davon, wie man mehr erreichen kann. Wenn diese fehle, schlage das Gefühl schnell in seine feindselig-schädigende Variante um.
(bw)
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