Organisation
Motiviert wie die Spitzensportler
Eine gute Phase im Betrieb spornt an. Wie aber motivieren sich Unternehmer, wenn die Geschäfte nur mäßig laufen? Sportler machen es vor.
von Birgit Wessel
Wenn Malermeister Frank Moese auf seine neu gebaute Halle schaut, erfüllt ihn das mit Zufriedenheit. Entsprechend kommt er jeden Morgen mit Elan in sein Unternehmen in Oldenburg. "Das, was ich erreicht habe, motiviert mich", sagt er.
Die eigene Leistung spendet Motivation? Der Düsseldorfer Unternehmensberater Dirk Schmidt bestätigt, dass Erfolg ein Antriebsfaktor ist. Er rät sogar: "Ziehen Sie aus der Erinnerung an vergangene Leistungen positive Energie." Und sie setzen sich neue Ziele.
Einen zurückhaltenden Umgang dagegen empfiehlt er beim Umgang mit aktuellen Erfolgen. Nachdem er mehrere Jahre als Coach mit Spitzensportlern gearbeitet hat, ist Schmidt überzeugt: Von ihrer Disziplin können Unternehmer lernen. "Wenn der Golfprofi Tiger Woods trotz eines Sieges mit seinem Abschlag unzufrieden ist, trainiert er am nächsten Tag nur diesen Abschlag." Unternehmern rät Schmidt: "Arbeiten Sie weiter an Ihren Plänen."
In schlechten Phasen funktioniert Motivation im Grunde ganz genauso. Unternehmer sollten in ihren Bestrebungen nicht nachlassen. Die Analogie zum Sport: "Wettkampfteilnehmer stehen nach Niederlagen meist auf, richten den Blick nach vorn und trainieren weiter."
"Ziel" ist nach Schmidt das Schlüsselwort für Motivation. So hätten Leistungssportler stets die nächsten Herausforderung im Blick. Von Bergsteiger Reinhold Messner beispielsweise weiß Schmidt, wie er sich auf auf einen Achttausender vorbereitet hat. Täglich habe Messner sich den Glücksmoment auf dem Gipfel konkret vorgestellt: erschöpft, am Rande seiner Ressourcen, glücklich. Diesen Augenblick wollte Messner erleben und deshalb habe er durchgehalten. Schmidts Rat für Unternehmer: "Konzentrieren Sie sich täglich zehn Minuten intensiv auf das, was sie erreichen wollen."
Die Ziele sollten erreichbar sein. Ein erfolgreicher Sportler sage sich: "Ich muss nur ein kleines bisschen mehr können als andere, um besser zu sein." Roger Bannister zum Beispiel lief als Erster eine Meile in weniger als vier Minuten. Dafür wurde er gefeiert. Dabei war er nur zwei Sekunden schneller als der bisherige Rekordhalter. Wenn Unternehmer genau so stets nur etwas besser sein wollten als ihre realistischen Vorbilder, dann können sie nach Schmidt ihre Ziele auch erreichen.
Weiter delegierten Sportler Dinge, die sie von ihrem eigentlichen Training abhalten. Als Beispiel nennt der Experte Boris Becker. Was irgend möglich war, haben die Eltern des begabten Tennisspieler für ihn erledigt. Auf diese Weise konnte er sich ganz auf Wimbledon konzentrieren. Analog sollten Unternehmer die Dinge, die ihrem Talent entsprechen und sie ihrem Ziel näher bringen, selbst erledigen, andere aber abgeben. Denn für die Arbeit, die Sie gern tun, sind sie am stärksten motiviert.
