31.03.2009
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Kredite

Mikrodarlehen helfen weiter

Deutsche Banken vergeben immer zögerlicher Kredite an kleine Betriebe. Einen Ausweg könnten Mikrokredite bieten.

Von Jörg Wiebking

Schon der erste Brief versetzte Marion Breß einen Schock: Er kam vom Finanzamt, von "Insolvenzanmeldung“ war darin die Rede. Und dann das Schreiben von ihrer Bank: "Kreditkündigung“ hieß es darin, 40.000 Euro sollte die Friseurmeisterin binnen zwei Wochen zurückzahlen. "Das kam alles völlig überraschend für mich“, erinnert sich die Unternehmerin aus Dortmund. Ihr Mann hatte die Bücher geführt, ihm hatte sie vertraut. Ein Fehler. Doch Breß gab nicht auf, versuchte es bei anderen Banken, um ihren Drei-Mann-Betrieb zu retten. "Keine Chance, obwohl mein Salon gut lief. Ich hatte keine Sicherheiten, also bekam ich keinen Kredit.“

Zur Hilfe kam ihr da die Nordhand eG. Die Dortmunder Genossenschaft hat sich auf Mikrofinanzierung spezialisiert: Kleinstkredite für Kleinunternehmen, die bei Banken meist leer ausgehen. "Die haben mit meiner Bank gesprochen, sodass ich meinen Kredit weiter in Raten abbezahlen kann.“ Doch um weitermachen zu können, genügte das nicht, Breß brauchte einen neuen Kredit. Auch den bekam sie von der Nordhand: 10.000 Euro, die ihr sonst keiner leihen wollte.

Mikrokredite sind ein neuer Versuch, deutschen Unternehmern Kleinkredite zu verschaffen. Rund ein Dutzend Mikrofinanzierer gibt es derzeit in Deutschland, die meisten betreuen Unternehmer aus ihrer Region, berichtet Oliver Förster vom Deutschen Mikrofinanzinstitut in Berlin. Normalen Banken sei das Ausfallrisiko zu groß und die Marge zu gering. Also springen die Mikrofinanzierer in Zusammenarbeit mit der GLS-Bank in Bochum in diese Bresche. Die Darlehen finanzieren sich aus Mitteln der Europäischen Union, der KfW, des Bundesarbeits- und des Bundesfinanzministeriums. Die Mikrofinanzierer betreuen die Kunden und bearbeiten die Kreditanträge, die GLS-Bank verwaltet die Darlehen.

Häppchenweise frisches Geld
Die Kreditsummen sind begrenzt: Maximal 10.000 Euro beim ersten Darlehen. Wer das zurückzahlt, kann beim nächsten Mal etwas mehr bekommen. Die Obergrenze liegt bei 20.000 Euro. Zehn Prozent Jahreszins kosten die Darlehen. Außerdem muss jeder Kreditnehmer zwei Bürgen für die Summe nennen. Alles Weitere regeln die Mikrofinanzierer individuell, berichtet Förster. Es gebe es kein einheitliches Geschäftsmodell. Manche Finanzierer lassen sich ihre Beratung bezahlen, andere nicht, einige bieten Schulungen und weiterführende Beratung an. "Aber das ist nicht vorgeschrieben.“

Marion Breß zum Beispiel ist für den Kredit Genossenschaftsmitglied der Nordhand eG geworden – das kostet sie 50 Euro im Monat. Zudem erwartet die Nordhand, dass Kreditnehmer ein Viertel der Kreditsumme selbst aufbringen.

Die Artel GmbH in Hannover bietet ihre Dienste hingegen kostenlos an, Vorbedingungen wie eine Schulung, Einlagen oder eine Mitgliedschaft gebe es nicht, sagt Geschäftsführerin Mila Gepfner. Die Artel GmbH ist einer der wenigen Mikrofinanzierer, die bereit sind, auch bundesweit Kredite zu vergeben. "Die meisten Handwerker, die zu uns kommen, brauchen keine 10.000 Euro, denen genügen auch mal 1000 oder 3000 Euro“, berichtet Gepfner. Manchmal gehe es um Betriebsmittel oder aber um die Vorfinanzierung eines Auftrages. Unterstützung gebe es auch dann, wenn ein Betrieb unverschuldet in Schwierigkeiten geraten ist. Denn die Berater der Artel GmbH schauen nicht nur auf Konzept und BWA. "Wichtig ist für uns auch die Unternehmerpersönlichkeit“ und die Ehrlichkeit, sagt Gepfner. Ausfälle gebe es nur wenig.

Konditionen vorher prüfen
Völlig kostenlose Beratung ist indes die Ausnahme, ergänzt Oliver Förster. Das Beratungsgespräch ließen sich die meisten Anbieter honorieren, mit 270 bis 300 Euro müssten Unternehmer kalkulieren.

Und wie rechnet sich das für die Anbieter? Nach dem Prinzip Hoffnung: Die Mikrofinanzierer bekommen einen kleinen Betrag von der Verzinsung, stehen allerdings auch für Ausfälle gerade. Nutzt ein Unternehmer das Angebot öfter, dann sinkt für den Anbieter in der Regel der Betreuungsaufwand.

"Ein interessantes Angebot“, meint Wolfgang Miethke von der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Wer von einer Bank keine Hilfe bekommt, sei meist auf Darlehen von Freunden oder Verwandten angewiesen. Da könnten die Mikrokredite eine Alternative bieten. "Aber man muss natürlich die Angebote genau prüfen“, rät Miethke: Fällt die Gebühr auch dann an, wenn es am Ende keinen Kredit gibt? Sind weitere Beratungs- und Schulungsangebote freiwillig oder Pflicht? Gibt es irgendwelche Zwangsmitgliedschaften, die die Kreditkosten deutlich in die Höhe treiben? Je mehr Kosten anfallen, desto teurer werde das Darlehen. "Je weniger Verpflichtungen es gibt, desto interessanter ist so ein Mikrokredit.“

Für Marion Breß war der Mikrokredit die Rettung: In zwei Jahren will sie ihn abbezahlt haben. Dann bleibt noch der große Bankkredit, den will sie in acht Jahren schaffen. Ihr Ziel: „Ich will niemandem mehr etwas schulden.“

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