Arno Geiger
Leise Geschichte von langer Liebe
Die Ehe von Sally und Alfred ist in die Jahre gekommen, die Zeit der Illusionen ist vorbei. Doch trotz Selbstfindung, Seelenschmerz und Stützstrumpf: Etwas hält die beiden zusammen.
Etwas, das nicht einfach in Worte zu fassen ist und das Arno Geiger umso schöner und sehr subtil beobachtet. Denn der Österreicher hat eine besondere Stärke dafür, erinnerten wie gegenwärtigen Augenblicken nachzuspüren.
Die meiste Zeit erzählt Geiger aus Sicht der Lehrerin Sally. Sie fühlt sich jünger als ihr Tagebuch schreibender Mann und ist befremdet davon, wie schwer er den Einbruch in ihr Wiener Vorstadthaus nimmt. Für eine Weile zählt für die lebenshungrige Frau nur die Affäre, die sie mit Alfreds bestem Freund erlebt.
Doch das Abenteuer endet und die Eindrücke ihrer Eskapaden verblassen. Was bleibt, wenn der Leser das Buch aus der Hand legt, sind Alfreds detailverliebte Reflexionen. Vielleicht, weil er sich vieler gelebter Glücksmomente mit seiner Frau sicher ist.
Immer wieder schafft Geiger mit Worten die gleiche Magie des Dabeiseins wie in seinem vor fünf Jahren mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Es geht uns gut“. Besonders in Rückblicken werden die Erfahrungen aus drei Jahrzehnten greifbar, die Sally und Alfred verbinden. Ein zeitgemäßer Roman über Ehe und sexuelle Freiheit, über Liebe und über Treue, nicht nur zu seinem Partner, sondern auch zu sich selbst.
(bw)
