Blutige Steine
Kinderarbeit kein Argument?
Zweifelhafte Anbieter
Die Stadt Kehl hat für die Grabsteine, die auf ihrem Friedhof stehen dürfen, einen internationalen Standard festgelegt: die ILO-Konvention 182. ILO steht für International Labour Organisation, das "Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ stammt aus dem Jahre 1999.
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen hat unlängst darauf hingewiesen, dass die Zahl der Kinder zwischen 5 und 17 Jahren in gefährlicher Arbeit zwischen 2004 und 2008 zurückgegangen ist. Doch in der Altersgruppe zwischen 15 und 17 Jahren sei die Zahl um 20 Prozent gestiegen, von 52 auf 62 Millionen. Jede Minute erleide „irgendwo auf der Welt ein Kind bei der Arbeit einen Unfall, eine Erkrankung oder ein psychologisches Trauma“.
Wie glaubhaft ist es, wenn ein Produkt nach den ILO-Vorgaben zertifiziert ist? Das kann auch Manfred Beutel nicht beantworten: „Indien oder China sind nun einmal weit weg. Es gibt Kontrollen vor Ort, aber ein fundierter Nachweis ist schwierig zu führen.“ Und in Ländern, in denen Bestechung zur Normalität gehöre, müsse man natürlich fragen: „Wer bewacht eigentlich die Wächter?“
Umgekehrt sei ein niedriger Preis allein kein Hinweis auf Kinderarbeit. „Auch die Stundenlöhne für Erwachsene sind in China oder Indien ja nicht gerade hoch, billig sind die Steine ohnehin. Ein deutscher Anbieter kann da nicht mithalten.“ Ein geschickter Erwachsener, der eine handgefertigte, gespitzte Granitpalisade produziert, sitze rund drei Tage an einer 2,5 Meter-Säule: „Wie kann dann ein korrekter Händler den Meter für 19,50 Euro anbieten?“
Aber in dieser Hinsicht würden sich Kommunen nicht von Verbrauchern unterscheiden, die ins Baumarkt-Prospekt gucken und eine Einhandflex für 19,50 Euro sehen. Natürlich sei auch dann die Frage angebracht, unter welchen Bedingungen so ein Gerät hergestellt wurde: „Da fehlt die gesunde Skepsis.“ Und wenn ein Anbieter für den Meter Palisadenstein 50 Euro verlangt? Was sagen die Kunden dann? Beutel: „Dann heißt es, dass der sich eine goldene Nase verdient. Aber das ist Blödsinn, dann hat nur einer ganz normal daran gearbeitet, unter einigermaßen günstigen Bedingungen.“
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(sfk)
