Vergabe
Kein Zuschlag für seriöse Bieter
Frust am Bau: Billigheimer setzen sich bei Vergaben durch. Heimische Handwerker dürfen den Pfusch dann wieder geradebiegen.
Laut Bietigheimer Zeitung (BZ) eine gängige Praxis: Bei Auftragsvergaben geht das regionale Handwerk oftmals leer aus. Gründe: Öffentliche Bauherren müssen ihre Aufträge an den wirtschaftlichsten Bieter vergeben und Privatleute wollen gern ein Schnäppchen machen. Das Thema, so alt wie aktuell.
Die Gewinner bei den Ausschreibungen seien Billiganbieter aus allen Bundes- und EU-Ländern. Nicht selten gehe bei ihren Arbeiten etwas schief. Für Ausbesserungen seien die ortsansässigen Betriebe dann wieder recht. „Ein Unding“, meinen Betroffene der BZ zufolge.
Die Firmen beschäftigten Arbeiter oftmals zu untragbaren Bedingungen: „Die zum Teil aus Polen stammenden Bauarbeiter wohnen bei sieben Grad minus im Auto oder schlafen in Rohbauten, ohne Strom, ohne Toiletten und bekommen zwei, drei Euro in der Stunde", zitiert die BZ einen Ex-Gemeinderat.
Die örtlichen Handwerker dagegen bezahlten ihre Mitarbeiter angemessen und lieferten Qualität ab. Bei der Vergabe nütze ihnen das nichts. Vor lauter Frust gäben manche Firmen schon gar keine Angebote mehr ab.
Sprecher des Handwerks fordern dem Blatt zufolge im Rahmen des Konjunkturpakets: eine Verlängerung der Erhöhung der Vergabesummen-Grenze beziehungsweise der Möglichkeit von beschränkten Ausschreibungen.
Ist die Vergabepraxis wirklich so frustrierend? Was bringen die geforderten Gesetzesänderungen? Gibt es auch positive Entwicklungen? Über Ihre Kommentare freuen wir uns.
(bw)

2 Kommentare zu "Kein Zuschlag für seriöse Bieter"
Vollkommen richtig: Auch unser Betrieb beteiligt sich nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen, es sei den Sie sind beschränkt. Grund: Ganz einfach: Du rechnest bis dir der Schädel qualmt und dann bekommt den Zuschlag ein Betrieb aus hinter Pannewinkel oder Anklam, der mit über 40% unter durch fährt. Ganz zu schweigen von unseren polnischen und tschechischen Mitbietern. In Deutschland diskutieren wir Mindestlöhne, Hartz IV und die Zukunft des Sozialstaates. In unseren angrenzenden Ländern scherrt das niemand und das Tollste - wir schleppen unsere Steuergelder noch dahin, anstand sie im eigenen Land zu lassen, die heimische Wirtschaft zu unterstützen, Arbeitsplätze zu sichern und damit mehr Hartz IV -Empfänger zu verhindern und Menschen in Arbeit zu bringen. Im Schwäbischen sagt man: "Das Geld muß im Flecken bleiben" Aber unsere Politiker haben sich vom Volk soweit entfernt, das Sie Äußerungen, wie die von Herrn Westerwelle, als Wahlpropaganda abtun. Aber der Kern der Aussage trifft zu: Arbeit muss sich lohnen. Die schlimmsten Tauben sind die, welche nicht hören wollen. Ich beantrage die Komplettaustattung des deutschen Bundestages mit Hörgeräten.
Das Problem sind die öffentlichen Ausschreibungen. Natürlich hat sich durch das Konjunkturprgramm etwas geändert, da es mehr beschränkte Ausschreibungen gibt. Das wird aber wohl am 31.12.2010 zuende sein. Bei uns in der Stadt hat eine Firma aus Ostdeutschland einen größeren Auftrag bekommen. Betr. Fenstersanierung im öffentlichen Bereich. Die Arbeitnehmer haben im Auto übernachtet, da es keine Auslöse, Tagesgeld oder Übernachtungskosten vom Betrieb gibt. Arbeitsbeginn ist auf der Baustelle. Und das ist eben der Unterschied. Da es immer noch kein Tarifvertrag im Osten gibt, wird es mit dem Raubrittertum immer weiter gehen.