23.02.2012
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BFH-Urteil: Mehrwertsteuer-Irrsinn

Ist Service wichtiger als Handwerk?

Was ist die Hauptsache am Handwerk - die handwerkliche Arbeit oder der Service drum herum? Nach Ansicht der obersten Finanzrichter kommt es auf den Service an. Die steuerlichen Folgen müssten die Fleischer und Bäcker ausbaden - und natürlich deren Kunden!

Satter Aufschlag für Catering & Co.
Satter Aufschlag für Catering & Co. - 
Foto: BilderBox.com

Es geht um ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH). Das lässt sich in ein paar einfachen Sätzen zusammenfassen: Außer-Haus-Lieferdienste dürfen nur noch Standardspeisen mit 7 Prozent Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Für alles andere - also für besondere Zubereitungen, Beratung oder den Verleih von Geschirr - werden 19 Prozent fällig. Betroffen davon sind nicht nur Pizzabringdienste, sondern auch Fleischer und Bäcker, die ihren Kunden Catering anbieten.

Ein Beispiel: Ein Kunde will 100 Liter Gulaschsuppe, macht X Euro plus 7 Prozent. Der Kunde will sich noch ein paar Teller ausleihen? Dann zahlt er nicht nur für die Teller extra, sondern plötzlich kostet auch die Suppe mehr: X Euro plus 19 Prozent.

Abgehobenes Finanzrecht trifft auf handwerklichen Alltag
Also: Standardspeisen zu 7 Prozent, alles, was darüber hinausgeht zu 19 Prozent. Klingt doch ganz einfach, oder?

Ist es aber nicht! Fleischermeister Richard Nier aus Bad Salzuflen hat das Urteil schon ein 20, 30 mal gelesen und ist ziemlich wütend: "Wenn ich einem Kunden ein Angebot mache und er danach fragt, ob ich ihm auch Teller und Tische leihen kann, dann kostet plötzlich das ganze Essen mehr. Wie soll ich das erklären?"

Damit nicht genug: Im Urteil ist von Standardspeisen zu 7 Prozent die Rede, aber "niemand kann mir sagen, was eine Standardspeise ist. Ist eine Gulaschsuppe noch Standard, wenn der Kunde wünscht, dass ich sie für ihn extra schön scharf würze?"

Dabei hat Richard Nier dieses Urteil selbst herbeigeführt – weil er es nicht einsehen wollte, dass plötzlich ein paar verliehene Teller und Tische wichtiger sein sollen als seine handwerkliche Leistung.

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1 Kommentar zu "Ist Service wichtiger als Handwerk?"

  1. Michael Krauß - 25.02.2012, 13:04 Uhr (Kommentar melden)

    Hallo !
    Für die Problematik mit der Gulschsuppe hätte ich für Hr. Nier eine pragmatische Lösung: er soll sich mit einem Bäcker zusammen tun und statt der Porzellanteller einfach kleine, ausgehöhlte Brote als Esshilfe verwenden. Besonders gut (weil schmackhaft) eigenet sich dafür ein Gebäck aus Roggenmischteig. Wir haben das schon so geliefert. Das Corpus Delikti kann dann nach oder zur Gulaschsuppe einfach aufgegessenwerden und unterliegt nur 7% MwSt. Alternativ bietet sich an, für den Verleih von Tischen und Tellern und Besteck (und allem was sonst noch die 7% MwSt gefährden könnte wie Beratung usw) ein eigenes Gewerbe anzumelden und darüber abzurechnen.
    Gruß, MK