17.06.2010
8 Bewertung(en) Rating
Schriftgröße

Zahlungsmoral

In drei Schritten ans Geld

Der Malermeister Olaf Kahl hat seinen Betrieb einer "harten Kur" unterzogen. Der Erfolg: Heute laufen ihm die Banken hinterher und bieten Kredite an.

1. Anzahlungen sind der Normalfall
"Bei uns bekommen alle Kunden eine Auftragsbestätigung, die vor dem ersten Handgriff zu unterzeichnen ist. Anzahlungen sind damit normal geworden. Will der Kunde nicht anzahlen, gehen wir davon aus, dass er gar nicht zahlen will. Kommen die Abschläge nicht binnen dreier Tage auf dem Konto an, werden die Arbeiten eingestellt. Abschläge werden bei größeren Bauvorhaben wöchentlich am Freitag gestellt. Bei der letzten Abschlagszahlung müssen 95 Prozent im Sack sein, bevor der letzte Handschlag gemacht wird. Nach VOB wird nicht mehr gearbeitet. Damit kennt sich sowieso kein Richter aus."

2. Generalunternehmer aussortieren
"Damit haben wir alle Generalunternehmen, Immobiliengesellschaften oder ähnlich strukturierte Kunden vorerst aussortiert. Es braucht keiner Unternehmen, die Rechnungen schieben. Es war eine harte Kur. Aber seither sind wir circa 95 Prozent Eigenkapital gedeckt. Der Rest ist kurzfristige Lieferantenverbindlichkeit. Jetzt ist es so, dass uns die Banken hinterher laufen und Kredite anbieten. Selbst Autos oder andere Anschaffungen werden in bar gezahlt und sichern uns enorme Rabatte. Durch diese Kur haben wir einen Anwalt und Mediator kennen gelernt, der uns durch das tiefste Loch begleitet hatte. Anfänglich war es eine Hassliebe. Jetzt lassen wir ihm Mandanten zukommen, die in gleicher Situation steckten wie wir. Und er schickt uns seine Kunden, denen wir erklären, wie sie es schaffen können, von einem eigentlich insolventen Unternehmen wieder hin zu einem liquiden Unternehmen zu kommen."

3. Viele kleine Rechnungen schreiben
"Also liebe Handwerkskollegen: Liefern Sie kein Material, das eine gewisse Summe übersteigt und nicht bezahlt wurde. Decken Sie nicht das Dach ein, bevor die Abschlagszahlung bezahlt ist. Sprechen Sie mit Ihrem Kollegen auf der Baustelle, ob rechnungsbedingt alles läuft. Schreiben Sie viele kleine Rechnungen. Entwickeln Sie mit Ihrem Rechtsbeistand Ihre ganz individuellen AGB. Führen Sie keine Arbeiten aus, die nicht schriftlich beauftragt wurden. Und locken Sie mit drei Prozent Skonto binnen fünf Werktagen und fünf Prozent bei Barzahlung."

Kahls vollständigen Leserbrief finden Sie hier:

(sfk)

Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (» refresh)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 Kommentare zu "In drei Schritten ans Geld"

  1. Stefan Lange - 26.06.2010, 10:39 Uhr (Kommentar melden)

    Im Großen und Ganzen kann ich mich der Geschäftspolitik von Herrn Kahl zuspruch erteilen, auch ich agiere seit gut 10 Jahren so. Sicherlich kann man nicht alles pauschal behandeln, ich mache schon Ausnahmen bei Kunden die mir schon seit langem treu sind . Im generellen sehe ich es aber auch so wie Herr Kahl, Kunden die mir fremd sind erhalten mit dem Angebot gleich eine Auftragsbestätigung in dem schon bereits eine 40% Anzahlung verlangt wird für die Materiallieferung. Und ich denke dieses ist auch legitiem, denn wir sind ja nun als Handwerksunternehmen bestellt worden und nicht als Kreditgeber. Der Kunde kann im Gegenzug von uns das Material vor Ort erhalten oder aber eine Einlagerungsbestätigung vom Zulieferer. Vorteil dieser Aktion ( ich kann jetzt schon die Spreu vom Weizen trennen, bzw der Zulieferer kann sein Eigentumsvorbehalt wesentlich einfacher durch setzen. ) Ist meine Erfahrung Gruß Stefan

  2. Thelen D. - 18.06.2010, 14:28 Uhr (Kommentar melden)

    Vom Grundsatz ist Ihre Vorgehensweise nach zu vollziehen. Aus eigener Erfahrung darf ich sagen, das die Arbeit wegen fehlender Anzahlung in drei Tagen nicht eingestellt werden darf. Hier sind sie durch Ihren Anwalt und Mediator sehr schlecht beraten worden. Bei einem richtigen Kunden, der Ahnung von Recht hat, verlassen sie das Spielfeld als Verlierer. Die Rechtslage diesbezüglich ist zu Eindeutig !

  3. Haase - 18.06.2010, 08:54 Uhr (Kommentar melden)

    Sehr richtig. Das machen wir schon seit Jahren und grundsätzlich nur Vorkasse bei 6% Skonto oder 30 Tage mit Bankbürgschaft. Für unsere Handwerkskunden haben wir einen Zahlungsmoralgenerator entwickelt, den man bei nskaufen kann. Georg Haase 02723-2437

  4. harry stolpmann - 18.06.2010, 07:53 Uhr (Kommentar melden)

    @Olaf Kahl (3) hallo, ich verstehe bei ihrem artikel folgendes nicht: sie haben ein angebot über 250,- abgegeben und verlangen nach getaner arbeit noch 3500,- ? oder handelt es sich hier um einen schreibfehler? ansonsten muss ich sagen wenn ich ein angebot über eine leistung von 500,- erhalte und soll dannach noch 4500,- zahlen würde ich die zahlung auch verweigern. mfg.