04.01.2010
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Steuerpolitik

Schlafen für die Konjunktur

Immer eine gute Argumentationshilfe: das Handwerk. Ganz aktuell muss der Wirtschaftszweig herhalten, um die Mehrwertsteuersenkung für Hotel-Übernachtungen zu rechtfertigen. Zu recht?

Ob Interview, Wahlkampf oder Bundestagsrede: Der kleine Handwerksmeister ist allgegenwärtig. An einen Satz wie diesen hat man sich zumindest gewöhnt: "Fleißigen Menschen von der Krankenschwester über den Handwerker bis zum Mittelständler wird viel zu viel von ihrem Einkommen abgenommen."

 - Foto: Bilderbox
Foto: Bilderbox

Dass der Satz in diesem Fall aus einem Interview stammt, das Bundesaußenminister Guido Westerwelle dem Magazin Focus gegeben hat, ist eigentlich nicht wichtig. Wichtiger ist, dass Deutschlands Hoteliers offensichtlich zur Gruppe der fleißigen Menschen gehören, sie dürfen sich bekanntermaßen über ein schwarz-gelbes Steuergeschenk freuen. Wohlgemerkt: Die Hoteliers freuen sich. Nicht unbedingt ihre Gäste.

"Nach einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes wollen die Hoteliers nur gut ein Fünftel der Einsparungen in Preissenkungen stecken", schreibt die Münchner Abendzeitung . Der Verband schiebt sogleich eine Beschwichtigung hinterher: „Gäste, Mitarbeiter sowie Handwerker und Zulieferer werden gleichermaßen profitieren.“ Denn auch Investitionen seien eine "Weitergabe der Steuerentlastung an die Kunden", schließlich steige das Preis-Leistungsverhältnis.

Moment mal: Die Hoteliers geben also weniger Mehrwertsteuer an den Staat ab, dennoch bezahlen die Kunden (fast) die selben Übernachtungspreise wie vorher. Entspricht das nicht schlicht einer Erhöhung der Nettopreise?

Wie bewerten Sie das Thema? Die Redaktion ist auf Ihre Meinung gespannt.

(sfk)

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3 Kommentare zu "Schlafen für die Konjunktur"

  1. Bärbel Hirschfeld - 24.01.2010, 21:34 Uhr (Kommentar melden)

    Richtig wir müssen unseren Verbänden Beine machen, speziell der Handwerkskammer!!!! Die soll doch unser Sprachrohr sein, denn dafür bekommt sie von allen Handwerkern Beiträge und bitte keine heimlichen Aktionen mehr oder habt ihr anderen Handwerkerkollegen vor Veröffentlichung der Werbemaßnahme zur Stärkung des Handwerks vielleicht erst mal nur ansatzweise vorgestellt bekommen was man sich da so "Nettes" ausgedacht hat? Also noch mal zum Mitschreiben für unsere Handwerkskammern, setzt euch dafür ein, dass für alle Leistungen auch Dienstleistungen, die Menschen brauchen um Grundbedürfnisse, Essen, Schlafen, Arbeiten zu erfüllen der Staat sich nicht unverschämt beteiligt, das heißt dafür höchstens 7 % Mehrwertsteuer kassiert... Und was diese neue Imagekampanie betrifft, VOLL daneben und noch dazu scheinen die Kammern jetzt mit diesen Artikeln sich als Unternehmer aufspielen zu wollen.... Ich hätte schon gerne Rechenschaft darüber, was der Spaß gekostet hat und wer den zu verantworten hat.

  2. Hannes Brinkmann - 06.01.2010, 13:42 Uhr (Kommentar melden)

    Wir Handwerker werden nach meiner Ansicht direkt bestraft, wenn wir außerhalb arbeiten. Wir konnten bis jetzt 19% Vorsteuer geltend machen, ab 2010 nur noch 7%. Der Bruttopreis für Übernachtungen wird sich kaum verändern. Außerdem muß jetzt die Rechnung in Frühstück und Übernachtung geteilt und mit getrennten Mehrwertsteuersätzen erstellt werden. Der bürokratische Aufwand steigt. Wer sich solche Gesetze ausdenkt und sie dann noch als " Wachstumsbeschleunigungsgesetz" verkauft, ist entweder absolut lebensfremd oder tut irgend einem Lobbyisten einen Gefallen. Warum auch immer. Die neue Regierung wollte die Steuergesetze vereinfachen und Ausnahmeregeln, Vergünstigungen usw abschaffen. Was ist die Praxis? Das Steuerrecht wird, ohne erkennbaren Grund, um eine Ausnahmeregelung erweitert und verkompliziert. Ach wäre es schön, wenn an Stelle der vielen Bürokraten, Lehrer und Juristen auch mal ein Fachmann in die Regierung käme. Alles Gute im neuen Jahr Hannes Brinkmann

  3. Slavko Martinovic - 06.01.2010, 08:14 Uhr (Kommentar melden)

    Warum ist das ein Problem wenn der Verband eines Zweiges gute (ganze) Arbeit geleistet hat? Sicher wäre eine Senkung der Mehrwertsteuer für das Handwerk ein schöner Schub und die Refinanzirung dieser Steuersenkung durch andere "Steuerarten" wahrscheinlicher als bei den Hoteliers. Wir sollten aufhören mißgünstig nach links oder rechts zu schauen. Unsere Verbände sind diejenigen denen wir "Beine machen" müssen. Es reicht nicht, gute Arbeit im Handwerk zu leisten, die Verbände müssen dafür Sorge tragen, dass das gute Fundament auf dem wir standen nicht weiter untergraben wird. Ärgern wir uns also nicht, lernen wir daraus.