Betäubender Charme
Horror-Zahnarzt: Gut betucht, schlecht gezahlt
Auch ein Klassiker: Der Kunde, der scheinbar bis oben mit Kohle vollsteckt, sich aber als Luftpumpe erweist. Ein Regensburger Zahnarzt ist ein extremes Exemplar dieser Spezies. Der Handwerker-Horror ist aber nichts gegen das, was seine Patienten erleiden mussten.
Körperverletzung und Betrug: In Regensburg ermittelt die Staatsanwaltschaft gleich doppelt gegen einen Zahnarzt. Dass der Mediziner seinen Kunden unter Narkose überteuerte und fachlich zweifelhafte Spezialbehandlungen zwangsverordnete, hatten Medien bereits im vergangenen Jahr vermeldet. Jetzt berichtet das Regensburger Wochenblatt (RW), dass auch zahlreiche Handwerker zu den Opfern des "Horror-Zahnarztes" gehören.
Die Betriebe, die ihm eine "fürstliche Designer-Villa" gebaut haben, warten nach RW-Informationen auf 250.000 Euro. Wahrscheinlich vergeblich. Denn dem Wochenblatt liegt die Eidesstattliche Versicherung des Zahnarztes vor. Danach steht im Grundbuch der Villa "eine Grundschuld von 1,3 Millionen Euro".
Warum ihm seine Bank überhaupt einen derart hohen Kredit gewährt hat, ist eine offene Frage.
Eine Antwortmöglichkeit: Der Mann war ein perfekter Blender, der das großspurige Leben geliebt hat. Das Inventar in seiner Garage: zwei Porsche, ein dicker Benz, ein Kleinbus.
Was die Liste des Gerichtsvollziehers beweist: Die schönen Schlitten waren komplett geleast. "Zahnarzt ist er nur zum Geldverdienen, hat er immer gesagt", erzählt ein betroffener Handwerker dem Wochenblatt. Seine "wahre Leidenschaft und Begabung" sei die Musik.
Wäre der Mediziner doch nur bei der Musik (und seiner 300.000 Euro-Orgel) geblieben. Allein bei einer Patientin sind laut N24 neben zwei kaputten Zähnen 18 (!) weitere mitbehandelt worden. Geblieben seien dem Opfer nur eine vielfach erhöhte Rechnung – und jede Menge Zahnruinen. Was das Grauen komplettiert: Der Zahnarzt hatte sich unter anderem auf Angstpatienten spezialisiert.
Ein Betriebsinhaber sagt dem Wochenblatt: "Er hebt die Hand und in sieben Jahren ist wieder alles gut." Anders ausgedrückt: Handwerker kämpfen ums Überleben. Patienten um Gerechtigkeit. Doch ein gutes Ende wird es in dieser Geschichte nicht geben.
(sfk)
