Positive Pleite
Die Chefin und die Schaufensterpuppe
Die Übergabe besteht aus einem Satz
Jahrgang 1963, geboren als Tochter eines Malermeisters. Der Vater ist Alkoholiker, Choleriker, zu allem Überfluss hört er auch noch dröhnend laut Volksmusik. Zugegeben, diese Persönlichkeitsbeschreibung ist etwas seltsam, aber sie umreißt den Charme von Schauz' Buch. Die Autorin schlägt die dunklen Dinge des Lebens in komische Verpackungen ein. Und Humor wird sie nötig gehabt haben, ihre Ausbildung absolviert sie ausgerechnet im Betrieb des Vaters.
1987: Sie packt die Meisterschule mit Auszeichnung, kehrt bald darauf in den Familienbetrieb zurück. Eines Tages stehen zwei Gesellen vor ihr und sagen: "Heike, Du bist doch jetzt Meisterin und kannst dich selbstständig machen. Entweder du machst das, und wir kommen zu dir, oder wir gehen woanders hin. Das hier halten wir nicht mehr aus." Schauz gründet innerhalb eines Monats ihre eigene Malerfirma: "Mein Vater musste zusehen, wie seine zwei besten Gesellen am gleichen Tag wechselten und direkt bei mir anfingen."
Wenig später übernimmt Schauz einen weiteren Betrieb im schwäbischen Heidenheim, die Übergabe besteht aus einem Satz. Der Vorbesitzer ("der feine Herr E.") zitiert seinen Vorarbeiter ins Büro und sagt: "Das ist ab nächste Woche ihre neue Chefin, die Frau Schauz." Von einem Tag auf den nächsten steht sie mit zehn Gesellen da, mit Massen von Alt-Aufträgen und massenhaft neuen. Ein Chaos.
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