08.11.2007
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Kontenprüfung

Handwerker von der Bank um 100.000 Euro geprellt?

Banken haben viele Gelegenheiten, sich an Gebühren, Zinsen und Wertstellungsfehlern zu bereichern. Jetzt wehrt sich ein Handwerker aus Aurich. Nach einer Kontenprüfiung will er 100.000 Euro zurück.

von Jörg Wiebking

Banken bedienen sich mit unsauberen Tricks bei ihren Kunden? Erst wollte Andreas Janssen einen Bericht von handwerk.com gar nicht glauben. Inzwischen hat er nachgerechnet - und fordert nun selbst für den väterlichen Betrieb „Kommunaltechnik und Lohnunternehen Johann Janssen“ rund 114.000 Euro von seinen Hausbanken zurück.

"Die haben fast alles zu unseren Ungunsten abgerechnet, Kontokorrentzinsen nicht richtig angepasst und Fehler bei den Wertstellungen gemacht.“

Als Janssen den handwerk.com-Bericht Anfang 2006 las, habe er ihn "erst einmal ein halbes Jahr zur Seite gelegt, so unwahrscheinlich kam mir das vor“.

Doch das Misstrauen war gesät und immer häufiger fielen dem 26-Jährige die kleinen Fehler auf. Bis er einen Kontenprüfer engagierte, der alle Bankverbindungen und Verträge systematisch durchforstete.

Die ersten 14.000 Euro hat Janssen mittlerweile wieder. „Die eine Bank hat sofort eingelenkt.“ Das andere Kreditinstitut schalte allerdings auf stur.

Handwerker häufig betroffen
Vor allem Handwerker werden immer wieder zu Opfern solcher Fehler, sagt Ralph Hans Brendel von der zinspruef.de GmbH in Bernau bei Berlin.

"Bei rund zwei Drittel der Handwerker, deren Konten wir prüfen, finden wir klare Fehler." Vor allem Wertstellungen von Gutschriften und Abbuchungen, aber auch Zinsanpassungen gestalteten Banken und Sparkassen immer wieder zulasten der Betriebe.

Dabei nutzen die Banken intransparente Verträge und die Abhängigkeit ihrer Kreditnehmer aus. "Erst glauben die Kunden es nicht, dann können sich viele nicht vorstellen, dass solche vermeintlich kleinen Fehler innerhalb weniger Jahre durch Zins und Zinseszins zu fünf- oder sechsstelligen Erstattungsansprüchen führen", berichtet Brendel.

Gute Chancen, sich durchzusetzen
Dabei sind die Chancen nicht schlecht, sich zumindest einen Teil des Geldes zurückzuholen, meint Michael Knobloch vom Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg. Bei Fehlern etwa bei der Zinsanpassung „sehen wir häufig Vergleiche, wenn der Kunde den Fehler moniert“.

Gut geplant ist halb gewonnen
Zum Widerstand gehört allerdings die richtige Vorbereitung, ergänzt Brendel. Er klärt in solchen Fällen zunächst, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt, wie groß die Abhängigkeit von der Bank ist, und wie sich diese Bindung unauffällig lockern lässt, "bevor man losschlägt".

Andreas Janssen zum Beispiel hat den Zahlungsverkehr auf andere Kreditinstitute umgestellt, als klar wurde, dass die Bank auf stur schaltet. So ein Bankwechsel sei durchaus möglich, bestätit Brendel: Denn mit der Rückerstattung verbessere sich auch die Bonität der Betroffenen.

Klageweg nutzen
Der Kontoprüfer ist optimistisch, dass die Firma Janssen ihr Geld zurückerhält. Gehe die Sache vor Gericht, dann stehe ein Prozessfinanzierer bereit, der Janssen den Rücken stärkt, sagt Brendel. „Wer sich mit Banken anlegt, muss nur strategisch denken, dann ist der Betrieb nicht gefährdet.“

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