05.05.2009
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Krisenhilfe

Gebremste Förderung

Krisenhilfe bekommen nur die, denen es eigentlich noch gut geht. Und selbst dort dauert es viel zu lang. Doch wer ist daran schuld?

von Jörg Wiebking

Staatliche Hilfe in der Krise? Für Ingo Langer, Chef der Langer E-Technik GmbH in Varel, ist das derzeit kein Thema: „Von der Krise merken wir noch nicht viel“, berichtet der Unternehmer. Probleme mit der Finanzierung gebe es nicht, und die Auftragslage sei gut, obwohl der 85-Mann-Betrieb vor allem für Industriekunden tätig ist. „Natürlich machen wir uns Gedanken, einen kleineren Einbruch im Laufe des Jahres können wir nicht völlig ausschließen“, räumt Langer ein. Und wenn es doch unerwartet knapp wird? „Dann wären für uns die Förderkredite der KfW eine sinnvolle Finanzierungsalternative.“

Langer hat dabei das KfW-Sonderprogramm 2009 im Auge: 15 Milliarden Euro stellt die KfW kleinen und mittleren Unternehmen insgesamt für Investitionen, Betriebsmittel und Immobilien zur Verfügung. Bis zu 50 Millionen Euro Förderdarlehen kann ein Unternehmen bei der KfW über seine Hausbank beantragen. Allerdings gibt es das Geld nur für Betriebe, die vor dem 1. Juli 2008 noch keine wirtschaftlichen Probleme hatten. Wer zum Beispiel als Folge der Krise Kunden verloren hat oder Zahlungsausfälle verkraften muss, könne sich an die KfW wenden, erläutert KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt. Ebenso gebe es die Darlehen für Unternehmen, deren Hausbank aufgrund der Finanzkrise einen Kredit nicht alleine schultern will. Grundsätzlich müssten Antragsteller jedoch überlebens- und zukunftsfähig sein.

Hilfe läuft nur langsam an

Ganz so einfach scheint es allerdings nicht mit den Förderkrediten zu sein. So hakt es nach Einschätzung von Brun-Hagen Hennerkes gleich an mehreren Stellen: „Die Betriebe brauchen schnelle Hilfe, aber die Banken verhalten sich sehr restriktiv, auch beim KfW-Sonderprogramm“, berichtet der Mittelstandsexperte und Anwalt zahlreicher Familienunternehmen. Hinzu komme der „große bürokratische Aufwand“ bei der KfW. „Dort fehlt es an Erfahrung mit so einer Lage.“

Die Förderbank schiebt den Schwarzen Peter hingegen den Hausbanken zu. So sieht KfW-Sprecher Schweickhardt einerseits Informationsdefizite auf Bankenseite. Andererseits befürchtet er taktische Gründe für deren Zurückhaltung: Obwohl die Banken weitreichend von der Haftung für die Sonderkredite freigestellt sind, würden viele noch abwarten. „Die politische Diskussion über mögliche weitere Verbesserungen im Programm könnte dazu führen, dass Kreditanträge verzögert werden.“ Zudem hätten die Banken die Finanzierungsbedingungen verschärft: So würden viele Banken für Kredite höhere Sicherheiten fordern, während sie die Leitzinssenkungen nicht voll weitergeben. Auch beim bürokratischen Aufwand stehen die Banken in der Verantwortung. „Der Aufwand für einen Antrag für das Sonderprogramm ist nicht größer als bei anderen KfW-Programmen.“ Die Banken hingegen würden immer mehr Daten ihrer Kunden abfragen.

Zu wenig Marge für die Banken?

Damit nicht genug: In der Diskussion sind auch die Margen der Banken. Experten befürchten, dass die Vergabe durch die hohe Haftungsfreistellung der Banken zusätzlich erschwert würde, da damit niedrigere Margen für die Hausbanken verbunden seien. Daher seien sechsstellige Förderkredite für die Banken einfach nicht lukrativ. Andere Erfahrungen hat Winfried Herberg von der Saarländischen Investitionskreditbank gemacht: Die Margen des Sonderprogramms seien „auskömmlich“. Das gelte auch für kleinere Kreditsummen. „Wir haben hier auch schon solche Anträge, doch viele Betriebe halten sich einfach mit Investitionen zurück.“

Auch die Bankenverbände sehen keine grundsätzlichen Engpässe bei der Kreditvergabe. „Eine restriktivere Kreditvergabe der niedersächsischen Sparkassen gibt es nicht“, sagt zum Beispiel Michael Schier vom Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverband. Die Sparkassen hätten mittelständischen Firmen in den ersten drei Monaten des Jahres Kredite im Volumen von mehr als einer Milliarde Euro zugesagt, wobei Fördermittel „nach Möglichkeit“ eingebunden worden seien.

Nichts für Sanierungsfälle

Aus Sicht vieler kleinerer Handwerksbetriebe hat das KfW-Sonderprogramm indes noch einen anderen Schwachpunkt: Es ist für sie unerreichbar. „Wir haben häufig Anfragen, vor allem von kleineren Betrieben, denen es schon vor der Krise schlecht ging“, berichtet Klaus Hurling, Betriebsberater der Handwerkskammer Oldenburg. Gerade da greift das Programm jedoch nicht. Dabei wäre so manchem Handwerk schon mit viel kleineren Beträgen geholfen. So hört Hurling in der Beratung einen Satz immer wieder: „Wenn ich nur etwas mehr Liquidität hätte, wäre ich raus aus der Krise.“

Weitere Infos: KfW: Das Sonderprogramm im Detail

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