Früher war alles besser! Wirklich?
Tiefschlag fürs Image: Wenn die Dekra ihren Bauschadenbericht vorlegt, stürzen sich Medien zwischen Flensburg und Fürth gierig auf die neuesten Horror-Zahlen. Doch ist tatsächlich alles so furchtbar? Es gibt Hinweise, die leise Zweifel an der Pfusch-Bilanz der Profiprüfer aufkommen lassen.
Tiefschlag fürs Image: Wenn die Dekra ihren Bauschadenbericht vorlegt, stürzen sich Medien zwischen Flensburg und Fürth gierig auf die neuesten Horror-Zahlen. Doch ist tatsächlich alles so furchtbar? Es gibt Hinweise, die leise Zweifel an der Pfusch-Bilanz der Profiprüfer aufkommen lassen.
Diese Nachricht hat es landauf, landab in die Schlagzeilen geschafft: Pfusch am Bau nimmt dramatisch zu. Im Vergleich der Jahre 2006 und 2007 soll die durchschnittliche Zahl der Mängel von 21 auf 32 pro Haus gestiegen sein. Behauptet die Dekra. Eine Zunahme von 34 Prozent innerhalb eines Jahres? Das wäre allerdings ein Armutszeugnis für das deutsche Bauhandwerk.
Doch wie bewerten die Bauexperten die Situation, die keiner Prüforganisation angehören? Rainer Lorenz ist Baugutachter und Bauunternehmer in Hannover. Er sagt: Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung kann ich die Zunahme von Pfusch in diesem Umfang nicht bestätigen. Lorenz weiß allerdings, dass Prüfer immer mehr Stellen unter die Lupe nehmen. Und weil im Laufe der Zeit der Anspruch gestiegen sei, gebe es auch ein höheres Maß an Bemängelung.
Der Vorgang der Abnahme sei ganz einfach professionalisiert worden, sagt Lorenz. Dass es mittlerweile Checklisten gebe, die jede Kleinigkeit bis ins Detail abklopfen, sei prinzipiell eine gute Sache. Aber dadurch werde der Maßstab, den Prüfer an ein Bauwerk legen, zunehmend präzisiert und feinjustiert: Grundsätzlich sehe ich nicht, dass heute mehr Mängel produziert werden als beispielsweise vor 20 Jahren.
Dass auf deutschen Baustellen auch in anderer Hinsicht nicht schlampiger gearbeitet wird als in der Vergangenheit, bestätigt einer der Spezialversicherer der Bauwirtschaft, die VHV. Das Bauunternehmen A. koffert mit einem Bagger ein Grundstück aus und beschädigt eine Stomleitung. Der Straßenbauer B. sichert eine Baustelle nur unzureichend ab und ein Passant verletzt sich. Der Elektriker C. zieht Stromleitungen und setzt ein Haus in Brand. Solche Fälle seien insgesamt rückläufig, sagt VHV-Sprecherin Martina Westholt. Die Zahl der Haftpflichtschäden, die der VHV gemeldet werden, sinke seit 1999.
Den Betrieben, die dem Pfusch-Image der Bauwirtschaft aktiv entgegentreten wollen, empfiehlt Westholt eine Baugewährleistungsversicherung: Die Bauunternehmen können das als Qualitätssiegel führen ein gutes Argument gegenüber potenziellen Bauherren. Die Versicherung prüft das Bauvorhaben vor und während der Arbeiten und versichert sozusagen den Qualitätsstandard der Baumaßnahme. Übrigens: Die VHV ist mit der Versicherung seit 2005 "breit am Markt vertreten. Baumängel in dieser Zeit? Eher wenig, sagt Westholt.
Nimmt der Pfusch am Bau zu oder wird nur genauer hingesehen? Schreiben Sie der Redaktion!
(sfk)
