Fehlerteufel bis Service-Engel
Alle Jahre wieder: Mit präparierten Pkw testet der ADAC deutsche Autowerkstätten. Wir haben mit einem der "Testsieger" gesprochen.
"Überrascht" war Hanno Jung, als das Schreiben seines Vertragspartners im Briefkasten lag. "Die haben sich für das sehr gute Abschneiden im ADAC-Werkstatt-Test (Link) bedankt, sagt der Chef des Seat-Autohauses aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch gar nicht, dass ein Tester bei ihm war.
Stolz auf die Leistung sei er schon, berichtet der 63-Jährige. Und anderseits: "Es ist doch ganz normal, dass jeder meiner acht Mitarbeiter serviceorientiert arbeitet." Schließlich schlafe die Konkurrenz nicht. Jungs Autohaus steht in einem Gewerbegebiet Händler aller gängigen Automarken sind vertreten.
Nach welchen Kriterien bewertet der Automobilclub eigentlich die Werkstätten? Das Wichtigste ist, dass die Fehler gefunden werden, sagt Arnulf Thiemel, Projektleiter beim ADAC. Wer alle fünf ordnungsgemäß behebt, habe schon 60 Prozent der Punkte gesichert. Hintergrund: Der Automobil-Club präpariert die Testautos mit Fehlern, die in den Wartungslisten aller Pkw-Hersteller auftauchen. Das bedeutet: Bei einer Inspektion muss die Werkstatt diese Punkte ohnehin abarbeiten.
Wenn beispielsweise nicht gesehen wird, dass Kühlwasser fehlt oder die Scheinwerfer verstellt sind, ist das einfach schlampig, sagt der Experte. Der Kunde zahle immerhin für die Leistung. Thiemel betont aber auch, dass der Werkstatt-Test nur eine Stichprobe sei. Bei Betrieben, die schlecht abschneiden, könne es also ein Ausrutscher sein.
Das Ergebnis des ADAC-Tests: 27 Prozent der Betriebe aus der Stichprobe haben nicht alle präparierten Fehler gefunden. Jeder Fehler senkt die Endnote um eine Stufe, sagt Thiemel. Neben der technischen Komponente gucken die Testpersonen auch genau auf den Service in den Werkstätten. Er bildet die fehlenden 40 Prozent.
Jungs Team hat 96 von 100 Punkten erreicht. Und er ist sich sicher: Das wird sich bei den Kunden rumsprechen. ADAC-Experte Thiemel hofft, dass die sehr gut getesteten Werkstätten ihre Qualität halten können. Denn: Das ist schwieriger, als sich aus einer schlechteren Position heraus zu verbessern.
(ja)
