22.07.2010
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Elektromobilität

Fahrbericht: Der Mercedes Vito E-Cell

Wer Autos liebt und mit ihnen den Geruch von Benzin und den Sound des Motors, der muss jetzt ganz tapfer sein. Denn die Alternativen kommen. Ohne Gestank. Ohne Sound. Ohne Emissionen. Eine Fahrt mit dem Mercedes Vito E-Cell.

von Lutz Odewald

Fotos: Mercedes
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Vorsicht! Mensch, pass doch auf! Achtung!
Fahrradfahrer und Fußgänger sind höchste Gefahrenquellen. Jedenfalls, wenn man mit dem brandneuen Mercedes Vito E-Cell unterwegs ist. Denn der in unschuldigem Weiß daherkommende Kastenwagen ist lautlos wie ein Sioux auf dem Kriegspfad. Und kann Verkehrsteilnehmer, die sich beim Überqueren der Fahrbahn auf ihr Gehör verlassen, schnell den Skalp kosten.

Wir sind unterwegs mit einem Mobil der Zukunft. Einem Elektroauto. Dem Feind des Otto-Motors. Dem Vernichter von Emotionen beim Autofahren. Dem Ruin der automobilen Unvernunft. Kurz: Der Fahrtest, zu dem Mercedes eingeladen hat, der kann einfach keinen Spaß machen. Oder doch?

Wer vor dem Vito steht, dem fällt nichts auf. Gar nichts. Stinknormaler Vito, sieht man mal von der Beklebung ab. Innenraum und Cockpit: wie gewohnt. Laderaum: völlig normal. Keine spacigen Armaturen verwirren den Bediener, keine klobigen Batterien fressen die Ladekapazität.
Erst der zweite Blick verrät einige Besonderheiten: Der Drehzahlmesser fehlt, der Ersatz zeigt ganz andere Informationen an. Stattdessen thront ein Notschalter auf dem Armaturenbrett, wie man ihn von der Formatkreissäge oder anderen elektrischen Ungetümen her kennt.
Wer die Tankklappe öffnet, findet dort statt Einfüllstutzen einen Ladekabel-Anschluss. Beim Blick unter die Motorhaube sieht man bis auf eine machtige Plastikabdeckung nichts. Und im Laderaum liegt ein typisches 380V-Kabel .

Das Aufsehenerregendste startet, wenn man den Wagen startet. Ist er überhaupt an? Genau das wird beim anschließenden Fahrtest die dominierende Frage sein. Denn man hört schlicht nichts. Gar nichts. Nicht mal ein Relais klickt. Da vergisst man beim kurzen Halt für Fotoaufnahmen glatt, dass der Wagen noch an ist. Oder ist der E-Motor überhaupt an, wenn man anhält?

Der Rest, der jetzt kommt, ist zunächst schnell erzählt. Der Vito E-Cell fährt sich wie ein ganz normaler, kraftvoller Diesel mit Automatik. Wählhebel auf D, ab gehts. Wer gedacht hat, dass die angegebenen 60 kW (82 PS) doch recht schmalbrüstig seien, der sieht sich getäuscht. Denn die Leistung steht sofort an, mit dem ersten Meter. 280 Newtonmeter zerren an den Vorderrädern.


Vorderrädern? Richtig, der Vito E-Cell ist der einzige Vito mit Frontantrieb. Im Heck ist dadurch Platz für die Batterie. Und die schwere Kardanwelle entfällt. Genau wie etwa der Tank mitsamt Benzinpumpe und allen anderen Nebenaggregaten. Und wo wir gerade beim Weglassen sind: Natürlich haben die Mercedes-Ingenieure auch alles andere rausgerupft, was unnötig Ballast bedeutet, die überflüssige Motordämmung etwa. Und das hat zur Folge, dass man den E-Vito mit bis zu 900 kg beladen kann. Das ist mehr als beim dieselbefeuerten Vito-Bruder!

Ein umso erstaunlicherer Wert, als die Lithium-Ionen-Batterie, die unter dem Laderaum versteckt ist, stramme 500 kg auf die Waage bringt. Hier sehen die Entwickler auch das größte Potential beim Einsparen, denn mit leichterer Batterie steigen Zuladung und Nutzen des Elektromobils.
Das Kraftpaket will rund 6 Stunden an die Dose, wenn es komplett leergefahren ist. Normaler Drehstrom reicht. Und dank intelligenter Ladeelektronik kann man die 192 Einzelzellen sogar mit ganz normalen 230 V füttern. Dauert nur etwas länger. Und die Steckdose sollte mit üblichen 16 Ampere abgesichert sein, sonst gehen im Haus die Lampen aus.

Wie schnell ist die Batterie leer? Das lesen Sie auf der nächsten Seite

 
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