Ein kleiner Robin Hood?
Nach unserem Artikel über Betriebe, die Jürgen Schneider nicht bezahlt hat: Der Milliardenpleitier bezieht jetzt selbst auf handwerk.com Stellung.
Nach unserem Artikel über Betriebe, die Jürgen Schneider nicht bezahlt hat: Der Milliardenpleitier bezieht jetzt selbst auf handwerk.com Stellung.
Den Vergleich zwischen Robin Hood und seiner Person findet Jürgen Schneider "witzig". "Passt ja eigentlich auch", fügt der ehemalige Immobilienspekulant hinzu. Schließlich habe er den großen Banken "das Geld aus den Taschen gezogen" und da investiert, "wo es gebraucht wurde". Bauen sei schon immer sein Hobby gewesen. Bedauerlicherweise habe er sich zu einem gewissen Zeitpunkt mit seinen Vorhaben übernommen.
Das hat Handwerksmeister Roland Wetzel zu spüren bekommen. Wie berichtet, hatte sich der Betrieb des Bildhauers aus Leipzig auf die komplexe Sanierung historischer Gebäude spezialisiert. "Bis zu seiner Flucht hat Schneider alle Rechnungen auf Heller und Pfennig bezahlt", berichtet der Unternehmer. Doch auf 864.000 DM ist er 1994 sitzen geblieben.
"Ich habe mich entschuldigt"
Weitere Kollegen sollen betroffen gewesen sein. Rechnungen in zweistelliger Millionenhöhe hat Schneider Medienberichten zufolge hinterlassen. Seine Einschätzung: "Für den angerichteten Schaden habe ich mich bei den Handwerkern entschuldigt", sagt Jürgen Schneider. Und er betont, dass unmittelbar durch ihn kein einziger Handwerksbetrieb pleitegegangen sei. Ihren gerechten Lohn hätten die Unternehmer immer bekommen. "In der freien Marktwirtschaft werden nun mal Firmen insolvent. Aber ich habe mir da nichts zuschulden kommen lassen", sagt er mit betont klarer Stimme.
"Dass Schneider damals betrogen hat, ist klar", sagt Malermeister Thomas Hauck aus Leipzig. Er gibt aber zum großen Teil den Banken Schuld an der Misere: "Sie haben ihm großzügig Geld gegeben." Hauck stand damals davor, einen Acht-Millionen-Vertrag mit Schneider zu unterzeichnen, dazu sei es aber nicht mehr gekommen. Seine Außenstände von über 450.000 DM habe er erhalten. "Wir haben Glück gehabt", betont Hauck. Er ärgert sich über das Prinzip der Banken, die kleinen Betrieben Kredite verweigern. "Das Handwerk hat keine Lobby", sagt er.
Wie kommt der kleine Mann an Geld?
Auch Jürgen Schneider ärgert sich über die momentane wirtschaftliche Lage. "Ich habe mir damals als Manager alles selbst aufgebaut. Das hat in einer Katastrophe geendet, aber ich habe einen harten Prozess durchgemacht und die Strafe abgesessen", sagt er. Aus den Fehlern habe er gelernt. "Die Situation ist höchst brisant. Deshalb möchte ich ein Wörtchen mitreden." In seinem neuen Buch mit dem Titel "Der Kreditknigge" werde stehen, wie der kleine Mann an Geld kommt. "Als Praktiker weiß ich schließlich, wie das geht."
Nicht nur wegen des Vergleichs mit Robin Hood ist Jürgen Schneider zu einer Legende geworden. Dass sein überaus perfekt sitzendes Toupet, das er als Manager trug, seine Geschäfte gefördert habe, sei ebenfalls Meinungsmache. "Jeder hat persönliche Eitelkeiten. Mein Vater hat schon eins getragen. Aber mittlerweile habe ich das Toupet abgelegt. Ich bin auch so zufrieden."
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