09.12.2010
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Interview

"Die Justiz ist sich selbst im Weg"

Die einen zocken seit Jahren Handwerker ab, die anderen sehen (fast) tatenlos zu: Auftragsvermittler und Justiz kommen sich hierzulande kaum in die Quere. Warum ist das so? Ein Gespräch mit dem Rechtsanwalt Patrick Wauer.

Patrick Wauer ist Rechtsanwalt in Stutensee (Baden-Württemberg). In den zurückliegenden Jahren hat der Jurist zahlreiche Handwerksunternehmer vertreten, die bei Auftragsvermittlern unterschrieben hatten.

Herr Wauer, warum geht die Justiz nicht wirksam gegen Auftragsvermittler vor?



RA Wauer: Beweisen Sie einmal, dass ein Auftragsvermittler absichtlich eine Vorab-Provision kassiert, ohne eine substanzielle Gegenleistung erbringen zu wollen. Auftragsvermittler berufen sich auf Kontakte, auf Datenbanken, verschicken immer mal wieder Unterlagen. Einerseits liegt aufgrund der Vielzahl an Fällen auf der Hand, was da läuft, andererseits ist der Nachweis kompliziert.

Aber nach Jahren der Täuschung scheint doch Abzocke im Spiel zu sein – das sagt zumindest der gesunde Menschenverstand.

RA Wauer: Stimmt, dieselben Personen ziehen offenbar von einem Ort zum nächsten und überziehen dort gezielt vertrauensselige Unternehmer mit ihrem Auftragsvermittlungs-System. Aber die Justiz betrachtet immer nur den Einzelfall. Ob dahinter ein System steckt, ist zunächst nicht die Frage. Ich habe mich bei verschiedenen Staatsanwaltschaften und Gerichten über Verfahren erkundigt, in denen Auftragsvermittler involviert waren. Die Antwort, die ich fast unisono bekommen habe: „Aus Datenschutzgründen dürfen wir Ihnen leider keine Antwort geben.“ In Deutschland dient der Datenschutz leider weniger den Opfern als den potenziellen Täter, die Justiz ist sich da selbst im Weg.

Eine richtig gute Geschäftsidee … weiter auf Seite 2

 
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