23.08.2012
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Das geht gar nicht

Die Dienstleister der Dumpinglöhne

100 Einzelunternehmer in einem Wohnhaus – keine Seltenheit

Völlig eindeutig, die Leute erfüllen eine Arbeiterfunktion. "Mit Selbstständigkeit hat das nichts zu tun", sagt ein Arbeitsrechtler. Der Umkehrschluss: Hier werden in großem Stil Arbeitnehmer ohne Arbeitnehmerrechte exportiert. Und ohne Anspruch auf Mindestlohn.

Eine Baustelle in Köln. Die Leute, die hier als "Selbstständige" eine Kindertagesstätte hochziehen, wissen offenbar nicht einmal alle, dass sie selbstständig sind. Und: Das bisschen Geld, für das sie "bis zu 55 Arbeitsstunden pro Woche" schuften, ist auch nicht bei ihnen angekommen: "Sie schlafen in einem Baucontainer auf einer Pritsche, der Kühlschrank ist fast leer."

Dass er die Löhne einem gewissen "Cristian" in Form eines Barschecks gegeben habe, behauptet der deutsche Unternehmer, auf dessen Baustelle die Leute eingesetzt werden. Der Scheck sei bereits abgebucht, Cristian kümmere sich um die Auszahlung. Doch Cristian zahlt nur spärlich oder gar nicht, ein Arbeiter namens Tibor kommt auf einen Stundenlohn von 3 Euro für die Arbeit der zurückliegenden Monate.

plusminus verfolgt Cristians Spur, das Drehteam landet in Magstadt bei Stuttgart: "Vor einem Zweifamilienhaus endet die Suche. Allein dort sollen nach unseren Recherchen um die 100 Einzelunternehmer aus dem EU-Ausland gemeldet sein. Die meisten als Gesellschafter der 'Cristian Bau GbR'."

Welches Leid die Menschenhändler des Baugewerbes verursachen, zeigt sich am Beispiel vonTibor. Von den 3 Euro, die er in der Stunde verdient hat, blieb nichts für seine Familie in Rumänien übrig, jetzt steht er vor dem Nichts. Seine Frau und die beiden Kindern sind bereits aus der alten Wohnung geflogen. Seine 13-jährige Tochter leidet an einer Netzhautablösung, und weil das Geld für die Behandlung fehlte, ist jetzt ein Auge blind. "Schauen Sie, wie ich jetzt lebe: ohne Waschmaschine, ohne Kühlschrank – hier ist nichts! Ich fange bei null an", sagt Tibor.

Nicolae D., der Arbeitsvermittler vom Anfang des Beitrags, macht mit der "Ware Mensch" übrigens weiter gute Geschäfte. "Sind Sie mit einem Mann nicht zufrieden", sagt er den plusminus-Redakteuren, "schicken Sie ihn nach Hause! Ich schicke Ihnen in wenigen Tagen Ersatz."

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(sfk)

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2 Kommentare zu "Die Dienstleister der Dumpinglöhne "

  1. DanielaDorothea - 01.09.2012, 09:51 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Genau das ist der Punkt. Der GU und der Staat suchen sich aus, welche (Mindest-) Löhne sie gerade mal zahlen wollen. Das ist blamabel für Deutschland! Auch Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst müssten mal mit ihrem Privateinkommen bestraft werden die solche Aufträge freigeben!! Das darf es nicht geben. Und dann heulen genau sochle Scheinheiligen rum, wenn der "böse" Unternehmer seinen Mitarbeiter mit Mindestlohn (Maler 12,00 €) entlassen muss, weil alle Kunden nur noch billig wollen.

  2. Gustav Palhuber - Nürnberg - 24.08.2012, 08:24 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Korrigieren Sie mich, falls ich falsch liege. Auf der Internetseite der Bauinnung Regensburg lese ich: "Der Mindestlohn I - West (Mindestlohn für einen Bauhelfer) beträgt 11,05 Euro" "http://www.bauinnung-regensburg.de/10_Baufakten_-_Wer_haette_das_gedacht__I6112.whtml). Meines Wissens liegt der Mindestlohn bei der Zeitarbeit bei 7,89. Und jetzt lesen wir in handwerk.com vom rumänischen Schein-Unternehmer 3,00 € Unternehmer- Lohn. Alles pro Stunde und brutto wohlgemerkt. Bin ich jetzt scheinheilig oder kann ich mir endlich auch ein Häuschen bauen. Verzichte ich jetzt freiwillig? Wie ich lese steht der Träger oder Bauherr der Kita Köln auch zu Europa und finanziert die Kita mit dem 3,00 €-Unternehmer?