01.11.2011
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Betrug als Normalfall

Der Dauerskandal auf Deutschlands Baustellen

Irgendwie bekannt und doch immer wieder verblüffend: Die Zustände auf deutschen Baustellen sind ein Dauerskandal. In Essen haben polnische Bauarbeiter jetzt dafür demonstriert, dass sie überhaupt bezahlt werden.

Die "acht Wanderarbeiter" haben auf einer Mini-Demonstration offene Löhne in Höhe von 20.000 Euro eingefordert, berichtet das Internetportal DerWesten.de. Seit September hatten die Baukräfte für Subunternehmer aus Krefeld und Berlin Trockenbauarbeiten auf einer Essener Baustelle erledigt.

Bislang haben die Polen für 300 Stunden Arbeit lediglich 150 Euro Vorschuss erhalten. Das ergibt einen Stundenlohn von gerade einmal 50 Cent. Die beteiligten Firmen schieben die Verantwortung für die Polen hin und her, ein Zahlungsultimatum ist verstrichen.

Das Unternehmen, das letztlich für die Bauabwicklung verantwortlich ist, wirbt auf seiner Homepage übrigens so: Leistungen durch "ausgezeichnete Handwerker" aus eigenem Hause seien Gewähr für eine "perfekte Projektabwicklung". Ein schöner Anspruch.

Es sei erschreckend, wie skrupellos und menschenunwürdig Unternehmen Menschen behandeln würden, sagt ein Sprecher der IG Bau. Ein rechtliches Problem für die Polen: Ihr Auftrag sollte zwar schriftlich festgehalten werden, aber es gibt offenbar nur mündliche Absprachen für ihren Einsatz in Deutschland. "Sie haben uns vertröstet und am Ende rausgeschmissen", sagt ein Arbeiter.

Dass solche Zustände keinen Einzelfall beschreiben, wird deutlich, wenn man sich durch die Pressemitteilungen des Zolls wühlt. Dort jagt eine Schauermeldung die nächste. Erst Ende Oktober hatten die Fahnder eine "bundesweite Schwerpunktprüfung in der Baubranche" organisiert. Ergebnis: "Jedes fünfte Unternehmen ist auffällig." Leistungsbetrug, Scheinselbstständigkeit, Unterschreitung des Mindestlohns – diese Begriffe beschreiben den Normalfall. Wie sollen sich eigentlich Betriebe, die ihre Mitarbeiter vernünftig bezahlen und behandeln, in diesem Haifischbecken durchsetzen?

"Klein beigeben werden wir nicht", sagt einer der kämpferischen Bauarbeiter in Essen. Ob ihm das etwas nützen wird? Fortsetzung folgt.

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(sfk)

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1 Kommentar zu "Der Dauerskandal auf Deutschlands Baustellen"

  1. Fa. Na-Stja - 02.11.2011, 11:42 Uhr (Kommentar melden)

    Hartz 4 Empfänger in der Einstellungsfalle.
    Vor einigen Jahren hörte ich von einem Mißbrauch von ALG II -Empfängern. Ein Unternehmer geriet mit seinem Auftrag in Zeitverzug. Ratz-Fatz besorgte er sich 6 Hartz4-Empfänger für ein unbezahltes "Praktikum". Er wollte von den 6 den beiden Besten eine Anstellung anbieten. Seinen Auftrag konnte er dann doch noch zügig abschließen. Die Stelle bekam niemand.
    Es reicht nicht zu sagen, dass sich das "Handwerk" gegen solche Mitanbieter durchzusetzen hat. Der Gesetzgeber ist überfordert und die meisten Betroffenen haben nicht den Mut oder das Wissen, sich zu wehren. Ich behaupte, dass selbst "der alte Fritz" sein Schloss Sanssouci auf dieser Art gebaut hat. Und die Chinesen werden mit gleichem Erfolg ihr "Gùgong", (den „Kaiserpalast“) in der neuen verbotenen Stadt auf dem Mars erschaffen.