Überproduktion
Der Brennstoff aus der Backstube
Altes Brot verheizen: In einer handwerk.com-Umfrage sind 44 Prozent der Teilnehmer dagegen, wünschen sich bessere Lösungen. Doch ist das wirklich ein moralisches Problem?
44 Prozent der Handwerksunternehmer sprechen sich in der handwerk.com-Umfrage jedoch klar gegen die Verbrennung von Lebensmitteln aus: "Es gibt hierzulande so viel Armut, da findet sich noch eine andere Lösung." Der Bäcker Roland Schüren aus dem Düsseldorfer Raum hat die Bedürftigentafeln schon bedient, bevor er sein Brot verheizt ( handwerk.com berichtete ). Erst was dann noch übrig ist, nutzt er zur Energiegewinnung in einem Biomasse-Brenner. Die hohe Überproduktion falle an, weil Supermärkte von den Bäckern im Pachtvertrag volle Regale bis 18 Uhr verlangen.
"Das ist ein Randthema, das nichts mit regenerativer Energiegewinnung zu tun hat", meint Umweltberaterin Anne Schütte aus Hildesheim. Vielmehr habe der Unternehmer ein spezielles Entsorgungsproblem. Es koste viel mehr Energie, das Getreide zu ernten, zu mahlen und das Brot zu backen, als es nachher erzeugt. Der Brennwert von Brot kann sich nach Schüttes Einschätzung mit dem von Holz nicht messen.
Ein ethisches Problem jedoch sieht die Beraterin nicht. Wenn die einzige Alternative eine Entsorgung über den Restmüll ist, mache die Energiegewinnung möglicherweise Sinn. Allerdings sei Brot kein nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz definierter Brennstoff. Rauchentwicklung und Schadstoffemission müssten auf den Prüfstand. Aus Schüttes Sicht wäre es sinnvoller, die Produktion zu drosseln.
(bw)
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