Da müssen wir durch
Das komplette bürokratische Gewiggel
Ein durchschnittlicher Tag mit der Sozialkasse Bau: Anekdoten, Erkenntnisse und eine erstaunlich gute Nachricht.
Die Welt ist schön, es gibt 1000 Geschichten, mit denen ich mich als Journalist beschäftigen darf. Und heute steht die Sozialkasse Bau ganz eindeutig NICHT auf meiner Themenliste. Dachte ich.
10.07 Uhr: Tischlermeister Eckhard S. kündigt ein "interessantes" Fax an: „Sende ich Ihnen nachher, ein Schreiben von der Soka-Bau.“
11 Uhr: Ein Anrufer, der Mann ist Mitarbeiter eines Stahl- und Anlagenbauers, möchte „eine seltsame Geschichte“ loswerden: Sein Betrieb hatte einen Nachunternehmer, der in einem Fertigteilwerk Betonstahl verlegt hat. Speziell für solche Arbeiten konnte der Sub eine Freistellung vorlegen. Später stellte sich heraus, dass der Sub rückwirkend in die Sozialkasse Bau einzahlen muss, weil er sukzessive auch andere Aufträge im Baubereich übernommen hatte. Mehr als 50 Prozent Bau, dann sind alle Mitarbeiter sozialkassenpflichtig. „Und weil der Nachunternehmer nicht zahlen will oder kann, sind die Leute von der Soka jetzt an den Auftraggeber herangetreten, also an uns.“ Es geht um 120.000 Euro. Aua.
Je später der Tag, um so schräger die Anrufe – lesen Sie Seite 2.

2 Kommentare zu "Das komplette bürokratische Gewiggel"
Das mit dem Urlaub ansparen wurde mir auch so erklärt von der Soka. Im Januar steht das Konto auf „null“. Es sei denn der Mitarbeiter hat noch Urlaub aus dem Vorjahr, den er noch nicht genommen hat und den er sich auch nicht hat auszahlen lassen. Dann kann er Urlaub machen – sonst eben nicht. Dabei ist die Betriebszugehörigkeitsdauer egal. Wenn also einer unserer Leute kein Plus mehr im Konto hat, geht nur das auflösen aus dem Stundenkonto, daher machen meine Leute nie das ganze Urlaubskonto leer – sondern lassen immer was stehen - sicher ist sicher. Das können Sie sich ja nach 2 Jahren auszahlen lassen – wenn Sie bei der SOKA einen Antrag stellen – und dann bekommen Sie das Urlaubsgeld direkt. Alte Hasen im Baugewerbe wissen das.
Ein Tief- und Pflasterbauunternehmen aus der Lausitz hatte Ende 2011 Rückstände bei der SOKA in Höhe von ca. 115 T€ (inclusive Zinsen, Zuschläge etc.) bei Gegenansprüchen von ca. 95 T€. Die SOKA legte eine verbindliche Erklärung vor, wonach einer Bank bei Zahlung von 115 T€ die Rückzahlung von 95 T€ binnen einer Woche zugesichert wurde. Das Unternehmen hatte bis dahin keine Bankkredite, die einzige Bankverbindung wollte keinen Kredit geben. Ich konnte eine private Finanzierung vermitteln, aber die SOKA lehnte ab, eine entsprechende Erklärung für andere Kreditgeber als Banken zu geben. Zuletzt erklärte man sich unter Rücksichtnahme auf die sehr strukturschwache Lausitz bereit, höchst ausnahmsweise telefonisch die Erstattung zuzusagen, eine schriftliche Erklärung sei nicht möglich, ohne dass dies trotz Nachfrage begründet wurde. Aus meiner Sicht kann auf Dauer neben der Verbreitung der Probleme mit der SOKA in der Presse nur eines helfen: Die Kleinunternehmer und Mittelständler müssen massenhaft in die Bauarbeitgeberverbände eintreten und über die Tarifverträge - denen die SOKA zugrundeliegt - mit abstimmen. Nur dann passiert auch was.